„Zukunft?

„Zukunft? von Sabine Schildgen für #kkl1 „Zukunft neu erdenken“

„Mehren statt Zehren“ und „Mutig in eine neue Welt“. 

So stand es auf den Shirts, die W56342 in der virtuellen Erinnerungskiste, die C0134 mit Rumpelkammer deklariert hatte, gefunden hatte. W56342 wusste, dass sie nicht einfach in den Strömen von anderen forschen durfte, aber dank ihres interaktiven Backtoface, das mit einem Neurotransmitter direkt an ihre Neuralnetze angeschlossen war (und natürlich dank eines illegal eingebauten Software-Updates) war es ziemlich leicht, die Firewalls zu umgehen und auf persönliche Dinge zuzugreifen. Und diese Rumpelkammer von C0134, eine der letzten, die die großen Katastrophen vor über 435 Jahren miterlebt hatte, hatte sie einfach neugierig gemacht. Und nachdem sie sich mit Worldnet verbunden hatte, wusste sie, dass diese Slogans Rückschlüsse auf Gruppierungen im 21. Jahrhundert gab.

Das war zu jener Zeit, als die Menschheit durch Klimawandel und Seuchen vom Aussterben bedroht war. Immer wieder gab es Initiativen, die forderten, die CO2- Ausstöße zu verringern und den Klimawandel zu stoppen. So weit weg schien das alles für W56342 – kaum konnte sie sich vorstellen, wie das Leben damals gewesen sein musste, immer von der Angst bedroht, sich selbst auszurotten. Nicht zu wissen, ob das Wasser, das man trank oder die Nahrungsmittel, die man damals oral zu sich nahm, nicht mit irgendwelchen Chemikalien verunreinigt waren. Umarmungen oder Berührungen, die Viren weitergaben und den Tod brachten, waren ihr unbekannt. Voller Erstaunen hatte sie dies in den Strömen von Überlebenden gesehen. Sie konnte sich nicht vorstellen, jemandem so nah zu sein – der Gedanke daran löste ein körperliches Unbehagen aus.

W56342 brauchte eine Pause. Sie stupste gedanklich ein paar Transmitter an, bis sich die Membran ihrer kleinen Wohnkapsel auf Durchsicht stellte und gleißendes Sonnenlicht in ihre Zelle strömte. Sie stöpselte ihr backtoface aus dem Net und blickte aus ihrer Einheit auf all die anderen Überlebensdrohnen, die über einer kargen Wüstenlandschaft schwebten.“




Sabine Schildgen lebt mit Mann, zwei Pubertären, zwei Katzen, sieben Schafen, 15 Hühnern, und Tausenden von Bienen seit über 25 Jahren in Bonn. Sie ist inzwischen 53 Jahre jung und hat in ihrem bisherigen Leben nicht nur zwei Semester angewandte Religionswissenschaften studiert, sondern auch bei einem Anwalt, in einer Buchhandlung, einem Verlag, Arztpraxen, Altenheimen und Kneipen gearbeitet. Inzwischen ist Schildgen Büromanagerin im heimischen Betrieb. Ebenso vielfältig wie ihr Leben sind auch ihre Gedichte und Texte.
Sabine Schildgen ist Mitglied der Gruppe „Autorenwelt“.
Nachdem Schildgen in jungen Teenagerjahren etliche Jugendbücher beginnt, die ein unrühmliches Ende in den Müllverbrennungsanlagen des Dorfes finden, in dem sie aufwächst, widmet sie sich zunächst ganz der Lyrik. In den neunziger Jahren veröffentlicht Schildgen mehrmals Gedichte in der Oldenburgischen Volkszeitung und gewinnt den 3. Platz im Lyrikwettbewerb des Montags-Clubs der Stadt Bonn. 2016 beginnt sie ihren Blog „www.wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com“. Mit großem Erfolg veröffentlicht sie hier nicht nur ihre Gedichte, sondern inzwischen auch kürzeste Texte zu unterschiedlichsten Themen. 2018 ist sie unter den hundert Preisträger*innen des Gedichtwettbewerbs der „Bibliothek deutschsprachiger Gedichte“ und ihr Gedicht „erinnerst du dich“ wird 2019 in der Anthologie „Ausgewählte Werke XXII“ veröffentlicht. Im Sommer 2019 nimmt sie an einer Lesung der Schreibgruppe um die Autorin Beate Fuhrmann auf dem „KunstRasen“ Bonn teil. Anfang 2021 veröffentlicht Sabine Schildgen im Eigenverlag ihren Lyrikband „Jenseits von Worten“.

https://wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com/

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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