Die Dekadenz der Tugend

Susanne Rzymbowski für #kkl6 „Zeitenwende“



Die Dekadenz der Tugend


So selbstverliebt das Rosenrot

in seiner Blüte Duft

und meint doch glatt

es sei schon satt

von Liebe und der Luft

vergisst so schnell

den Boden schon

aus dem es grad erwuchs

dem Land das reich

an Nahrung ist

gehegt, gepflegt

mit Messers scharfem Schnitt

das Unkraut ausgerissen

stets war man sehr beflissen

zu Schöpfen aus dem Vollen

verteilte alle Rollen

Nun blüht es schön

so vor sich hin

sein einzig Sinn

gedeiht und sprießt

dabei genießt

die volle Pracht der Redlichkeit

ist so gescheit, ist so gescheit

kennt keine Not

hat ständig Brot

steht so geschützt

vor Sturm und Wind

das gute Kind

Ach Rosenrot du bist so schön und gut

dein Duft mich einfach beflügeln tut

ich ackre fort bis hin zum Mord

an dieser Welt aus Fülle

gesegnet sei deine Hülle




Zukunftsmusik


Es schreibt sich um

die neue Zeit

im Error-Stil

mit Löschfunktion

auf klappernd Tastatur


Am Pult blinkst grell

Gerechtigkeit

für wen und was

Hauptsache Hass

ganz lebensfremd der Ton


Das Update

reines Rebellionskalkül

der Mensch mutiert

zum Idiom


Geschichtslos routert’s wild umher

Historie verblasst

hat einfach keinen Namen mehr

da‘s Wort ersetzt

der Sinn gebannt

Im Ursprung bleibt‘s nun unbekannt

auch ungewiss

wohin die Reise führt uns schon


Transformation, Transformation


Die Gleichheit ist das Phänomen

im modern Aussichts-Gen

Sie keine Vielfalt toleriert

vielmehr nach Absolutheit giert


Drum wird’s konform

Stillstand die Norm

Zukunft erstarrt

Da Menschsein ausgespart

Auf geht’s zum neu Diktat

für diesen heilen Staat


Medienkarussell


Gefühle gestorben


langsam

da der Worte zuviele

verdreht und verschraubt

im Gleichschritt der Sensationslust

die sich gelegt

auf die Gemüter des Netzwerks

das von keinem gewählt

voll Hetze und Missgunst

die Predigt der Belehrschaft

im Antrieb des Singsangs

aus heulenden Sirenen

zum Horrido der hausgemachten Volksherrschaft




Susanne Rzymbowski, geb. 1964 in Köln, im Büroalltag zu Hause, bezeichnet sich selbst
gerne als Spinnerin von Wort und Sinn, Autorin aus Leidenschaft, in ihrer Freizeit als
Lektorin und Coach aktiv. Seit 2015 nimmt sie an den unterschiedlichsten Ausschreibungen teil, um neue Ideen zu entwickeln.
Lyrische Texte liegen ihr am Herzen. Neben reinen poetischen Texten, die sich durch
Selbstreflexion und den Entwurf neuer Bilder auszeichnen, schreibt sie auch kritische
Gedichte.
Sie schreibt aber auch gerne Kurzgeschichten (seit 2018 auch unter Pseudonym).
Ihr Anspruch: Zum Nachdenken anregen. Ihre Texte berühren gedanklich und emotional und sind hintergründig, subtil und humorvoll geschrieben, immer den nötigen
Interpretationsrahmen für den Rezipienten lassend.
Zahlreiche Veröffentlichungen in unterschiedlichen Anthologien als Resultat teilgenommener Ausschreibungen sowie Veröffentlichung eines eigenen Erzählbandes in 2020.

Interview mit Susanne Rzymbowski auf dem #kkl-Kanal, hier.

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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