Erosion

J. W. Anders für #kkl7 „Ursache und Wirkung“



Erosion

Du und ich. Fühlt sich vertraut an und sanft wärmend. Was haben wir schon alles durchgemacht. Was uns gesagt und was nicht sagen müssen. Das „Und“ verbindet, hält zusammen. Ergibt das „Wir“ der Nähe, des untrennbaren Weges – so felsenfest. Doch nicht nur Felsen leiden unter Erosion.

Zeit ist ein Faktor, der nicht wirklich greifbar ist. Zu unkalkulierbar, zu unbeständig. Und auch zu individuell. Eine Macht, nicht am Sekundenzeiger ablesbar. Neue Regeln, neuer Abstand sind ihre aktuellen Waffen, die auf alles Einfluss nehmen. Das „Und“ verliert im Alltagsgrau die Leuchtkraft.

Ballast der Zeit: Der Mangel an Neuem, an Anregung, an Leichtigkeit wiegt schwer. Die Seele erstarrt, Gedanken drehen sich im Kreis. Das Abbild im Spiegel verlangt nach einem zweiten Blick. Das Lächeln fehlt, da unter der Maske nicht geübt. Dazu neue Falten, distanzierte Augen. Wer weiß, was noch.

Ausbruch aus der Zurückgezogenheit, obwohl sie sich als Komfortzone tarnt. Ein steiniger Weg, denn „Du und ich“ scheint abstrakt. Das „Wir“ mutiert derzeit zur Kraftanstrengung. Das Schneckenhaus ist eine Festung. Neue Grenzen tun sich auf, nicht vorhersehbar in ihrem Standort und ihrem Verlauf.

Zwei Leerzeichen zwischen „Du und ich“, ganz unauffällig neben Buchstaben in Schwarz. Vielleicht sind sie gefährlich. Leerstellen können sich mit allem füllen. Mit Ungesagtem, doch Gehofftem; mit Versäumtem. Sie können sich zum Abgrund auswachsen. Eine neue Gefahr, ein neuer Virus sein: Einsamkeit!

Vielleicht sollte ich „DUUNDICH“ schreiben, in einem Wort, in Großbuchstaben. Um „Uns“ zu retten.




An Kurzgeschichten versuchte sich J. W. Anders schon während der Schulzeit. Danach drängte der Alltag das kreative Texten zunächst in die dritte Reihe. Die Begeisterung für ein eigenes mittelalterliches Figurentheater spielte endlich der schriftstellerischen Ader in die Hände. Es förderte die handwerklichen Fähigkeiten ebenso wie die Lust am Auftritt vor Publikum. Klar, dass die Stücke aus der eigenen Feder stammen sollten. So kehrte die Freude am Fabulieren zurück. Inzwischen ist J. W. aktives Mitglied der Autor*Innengruppe 7punkt3 und war mit diversen Kurzgeschichten an Veröffentlichungen und Lesungen beteiligt. Anders lebt und arbeitet im Großraum Stuttgart.

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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