Kopf/Zahl? Caput/Tupac? –

Eine kleine Kapitalismus(krit)ik



Murat Kâmil für #kkl8 „Das Wesentliche“

Während Mozarts Serenade mein Gemüt überfällt, denke ich über den kapitalistischen Gott unserer Zeit nach und bete zu seinem Widersacher, dem Antichristen, dem Antikapitalisten, Marx.

Ich habe „Das Kapital“ nie gelesen. Mir ist Marx im Grunde ziemlich egal. Ich finde es sogar grauenvoll langweilig, über ihn nachzudenken. Ich ekel mich vor Scham, wenn mir junge Menschen in den Sinn kommen, die von Marx predigen, nur weil es zirkulierender Jugendkult ist, ohne einen Satz aus seinem Werk zu kennen. Warum erwähne ich diese Personifizierung einer ungepflegten Bartwucherung überhaupt?! Ich bin zwar kein Engels, aber man marx mir verzeihen (ich hasse mich selbst für dieses Wortspiel.)

Kapitalismus kommt von Kapital, Kapital vom lateinischen Caput, also „Kopf“. Den Bedeutungswechsel erhielt dieser Begriff, als man ihn im Sinne der Kopfzahl eines Viehbestandes, also als Vermögensauskunft benutzte. Überleitung: Kapitalismus bedeutet also nichts anderes, als seine Kopfzahl zu erhöhen.

Ein ethisches Argument, dass die Kapitalisten immer nutzen, ist, dass er ja für alle Menschen gut sei. Denn würden – angeregt durch die Vorzüge dieses Systems für die Fleißigen und Kreativen – alle Menschen durch Erfindung und Produktion teilhaben am Fortschritt, Konsum und an Lebensqualität. – – Haha! Das könnt ihr eurem Viehbestand erzählen!

Doch worum geht es eigentlich wirklich im Kapitalismus? Es geht darum, Vermögen zu mehren, seine Kopfzahl zu erhöhen auf Kosten von Ressourcen und Umwelt.

Beispiel: Wichtige Arznei wird von Forscher*innen entdeckt – vom Kapitalismus noch keine Spur… Erst mit Pharmakonzern-Strategie und nach Patentierung wird das Produkt vermarktet und verkauft; und jetzt sind wir im Kapitalismus. Und erst, wenn genug Vermögen generiert wurde, viele Menschen gestorben sind, weil sie sich dieses unverhältnismäßig teure Medikament nicht leisten konnten, dürfte allmählich die generelle Lebensqualität langsam steigen. Dabei ist der Pharmakonzern so gnädig, den Forscher*innen in ihrem Labor Arbeit und Gehalt anzubieten. – – Wie lange geht das noch gut? Ich werfe eine Münze: Kopf, unsere Gier; Zahl, unsere Umwelt gewinnt.

Gut, es kann sein, dass gierige Edelleute eine wichtige Rolle spielen beim Fortschritt, da sie am Finanzieren und Vertreiben maßgeblich beteiligt sind. Sie spielen aber keine wesentliche Rolle, denn das Wesen des Fortschritts liegt im kreativen Menschen, der seine Vision im Labor, Atelier und in der Werkstatt ausschöpft. Er verewigt sich mit seinem Werk, während sich an den Kapitalus, der irgendwann vor Geld platzt, keiner mehr erinnert, wie an eine Mücke, die sich an einem angespannten Muskel zu Tode gesaugt hat –

Kapitali, ich halte eurem Ursprung Caput den Spiegel vor: Tadaa – Tupac: ”They have money for war/ but can’t feed the poor.” – –

Doch solange ich in Deutschland lebe, zu den Gewinnern unserer Welt gehöre, ist das alles ja doch egal. Genau eine Stunde reg ich mich auf und hab schon wieder Appetit auf „Fleisch“. Also ziehe ich meine Nikes an und fahre zu McDonalds – zu meinem Menü trink ich heute ein Glas Blut. – – –

Das Geld auf den Tresen,

zum Schöpfer das Wesen.




Murat Kâmil

„Ich bin 91 in Hamburg geboren. Meine Eltern sind in den Siebzigern aus der Türkei hierher eingewandert. Ich habe in Kiel Deutsch und Philo auf LA gym. studiert und bin nun in Pinneberg, in der Nähe von Hamburg Referendar. Ich werde voraussichtlich nächstes Frühjahr mein Romandebüt geben, meine erste große Publikation über einen Verlag (Edition Assemblage). „

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: