Immerfort

Helmut Blepp, für #kkl8 „Das Wesentliche“




Immerfort


Zufriedenheit

einen ganzen Tag genießen

ohne sich treiben zu lassen

mittun

du verstehst

beteiligt sein


Es braucht keine Sonne

nur Wärme am eigenen Leib


Leben zergeht auf der Zunge

Ohnmächtige zieht es mit

und es war großartig

wenn dieser Tag gewesen ist


Dann aber nicht warten

auf ein nächstes Mal

nicht einschläfern lassen

von tatenloser Sehnsucht


Mittun

du verstehst

beteiligt sein

an dem was weiter geht

immerfort




Auf dem Floss


Ich habe überlebt

einer von fünfzehn

bei hundertvierunddreißig Toten


Als Anführer der Schlächter

wären meine Chancen geringer gewesen


Nun atme ich ohne Erinnerung

und glaube alles

was meine Retter mir erzählen


Haben wir tatsächlich die Irren gegessen

und geschah das am Ende des fünften Tages

oder am zehnten in der Früh


War es vorgesehen

dass sie uns fressen

und wenn ja von wem


An die Ruder

schrien wir die angeleinten Hunde

denen es an die Kehlen ging

mit Zähnen und Messern


Hätten wir appellieren sollen

betteln und beten

oder bei Nacht ins Wasser gleiten

der kalten Tiefe entgegen

um nicht schuldig zu werden




Letzte Nachricht


Ruhige Gegend

die Leute hier

lachen nicht

sind alle ziemlich blass

ich falle noch auf

grüß mir

die Hinterbliebenen




Unbefangen

                                               Für I. S.-L.

Jahrtausende alte Terrakotten

abgelichtet mit dem fließenden Blick

der sie erwachen lässt

so ruhig aus dem Schatten tretend

Eros auf den Schultern tragend

oder doch nur eine Taube

tanzend im faltenreichen Gewand

spielend mit dem Ball

nackt jagend ohne Not

Dornen ziehend aus dem Fuß

oder nur um schön zu sein so schön

wie das Mädchen aus Tanagra

sitzend in Gedanken

den Kopf auf die Hand gestützt

sinnend über Jahrtausende hinweg

zu uns durch den fließenden Blick




Schiere Unendlichkeit


Die ewige Liebe

dauert

bis zu ihrem Ende


Der ewige Frieden

kostet

das Leben


Nur dein Kuss

beiläufig am Tag

lebt fort und fort




Oskar


Oskar hat ´ne Glatze singen die Kinder

und Oskar singt mit

Oskar der seine Haare gegeben hat

für zwei Stein Bier

Oskar der auch mit den Kerlen lachte

die das Bier bezahlt haben


Oskar hat ´ne Glatze

und es macht ihm Spaß

denn das Bier hat geschmeckt

und wem die Glatze nicht passt

der schaut eben weg




Helmut Blepp, geboren 1959 in Mannheim, Studien der Germanistik und der politischen Wissenschaften, Trainer und Berater in Arbeitsrechtsfragen, lebt in Lampertheim/Hessen

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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