Wahlkampf

Daniel Schulz für #kkl8 „Das Wesentliche“




Wahlkampf

Man würde meinen dies wäre die Zeit Empathie zu zeigen für die Bevölkerung.

Sieben Hungerstreikende fast gänzlich ignoriert. Ein Anruf per Telefon. Ein Aufruf in den Medien aufzuhören. Eine Reaktion der dritten Partei bleibt aus. Ist ja konservativ. Hat Prinzipien. Die bekommen wir schon zermürbt. Ein gewisser Landesinnenminister findet ohnehin, dass Protestler ungebildete Banausen sind. Was haben Demonstrationen denn mit Demokratie zu tun?

Jetzt wäre der Zeitpunkt Empathie zu zeigen für die Bevölkerung, zu zeigen was einem wichtig ist. Sieben Leben sind schon symbolisch die gesamte Bevölkerung. Nein, bitte erst nach dem Wahlkampf und dann auch einzeln, dann privat. Niemand hätte dabei etwas zu verlieren, wenn alle

das Thema endlich auf den Tisch packen und zeigen, dass sie an Wissenschaft glauben, zeigen, dass dieses Thema uns alle doch betrifft.

Schweigen aus dem Wahlkampf. Es gibt wichtigere Dinge, um die man sich kümmern muss, als sieben Leben, die unser aller Leben ausmachen.

Die Wählerstimmen zum Beispiel.

Die Reden auf den Podien. Das Versprechen etwas zu tun.

Etwas zu tun… Alle drei sind sich hierin einig, dass sie zusammen dieses Zelt nicht besuchen wollen, dass es sie alle gleichermaßen tief betrifft.

Die werden ja schon zur Vernunft kommen, oder?

Erst kippen zwei um. Dann kommen zwei hinzu. Sechs essen wieder. Der siebte hört auf zu trinken.

Jetzt wäre die Zeit Empathie zu zeigen, zu zeigen, dass man tatsächlich etwas tut, oder zu lächeln wie auf den Plakaten, wie ein Spitzenkandidat.





Bisse hinterlassen Spuren

Bisse hinterlassen Spuren:

ich entblößte meinen Nacken.

Wollte, dass du mehr als sinnlich zu mir bist,

Wollt dich in und an mir spüren,

auch wenn du in weiter ferne von mir bist.


Bisse hinterlassen Spuren:

Die Erinnerung vernarbt an meinem Hals,

zärtlicher als jeder Kuss.

Es war mehr zwischen uns als Berührung,

mehr als Freundschaft, Nähe, Zuversichtlichkeit.


Bisse hinterlassen Spuren:

Noch immer spür‘ ich dein‘ gezahnten Kuss,

denn ich gab dir meine Seele nackt, entblößt,

vertraute dir meinen tiefsten Herz- und Pulsschlag an.


Das Streicheln deiner Zähne, einst so himmlisch,

höllischer Schmerz der eingekerbten Zärtlichkeit.

Es vergeht nicht einfach

mit deinem Verlassen:

Bisse hinterlassen Spuren.







Daniel Schulz ist ein U.S.-Deutscher Autor bekannt für seine Kurzgeschichtensammlung Schrei (Formidabel 2016) und seiner Arbeit als Kurator der Kathy Acker Reading Room an der Universität zu Köln. 2019 ko-organisierte er für das Goethe Institut die Ausstellung Kathy Acker in Seattle und arbeitete als Herausgeber am gleichnamigen Buch das 2020 bei Misfit Lit erschienen ist. Seine Arbeiten erschienen bisher in Der Federkiel, Luftruinen, Die Novelle, The Transnational, Electronic Book Review, Mirage #5, Gender Forum, Fragmented Voices, Divanova, Versification, Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Café Irreal, Salut L’absurde, Cacti Fur und den Anthologien Tin Soldier (2020) und Corona-Schnee (Salon29 2021). Im Oktober erscheint er in Jahrbuch der Lyrik 2021 (AG Literatur).

Instagrammhandel: @danielschulzpoet

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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