Monolog im Hohen Schloss. Für Stanisław Lem

Martin A. Völker für #kkl9 „beseelt“




Monolog im Hohen Schloss. Für Stanisław Lem

Eine Stadt kann anders, sie muss anders sein! Nicht steinern gefaltet, sondern gebogen aus Licht, geschichtet aus Perspektiven. Nur eine solche Stadt befindet sich im Werden, und darauf kommt ja letztlich alles an. Auf uns wartet die Zukunft! Steine finden sich mit ihrem ausharrenden Sein ab. Aber wir sind nicht wie sie. Aus uns strahlt das Licht. Wir erhellen und beleben die Dinge um uns herum. Früher überboten wir uns im Bau von Maschinen. In riesenhaften Maschinenparks umsummt uns noch immer das Märchenlied der Moderne. Vielleicht summen wir es selbst wie der Angsthase auf dem Friedhof. Mit diesen Maschinen wollten wir die Zukunft erreichen und fielen in die Vergangenheit zurück. Jedes Kind weiß, dass es das hellichte Denken ist, welches die Maschine hervorbringt. Damit nicht genug. Die Zeit ist reif, uns verständlich zu machen, dass das Denken eben ganz anders beschaffen ist als das beim Welteintritt sterbende Produkt. Das erfundene Denken nennen wir vorausschauend Software und verbleiben damit dennoch im Gestern, weil die Software mit ihrem Algorithmus ein Problem löst. Allerdings verhindern Probleme unser Fortschreiten, wenn wir auf sie warten. Entlassen wir endlich das Denken aus der Langsamkeit, befreien wir es von allen menschlichen Vorstellungen! Wir wollen die Algoorganismen denken und Lösungen finden lassen, bevor uns die Probleme finden. Das Denken wird sich so selbst überwinden, sogar überspringen: hin zu einem sich ständig erneuernden Mosaik aus Licht, Ideen und nie geträumten Träumen, das sichtbar, aber ungreifbar alle Räume netzartig ausspinnt oder Räume aufspannt, wo vorher keine waren.



Martin A. Völker, geb. 1972 in Berlin und lebend in Berlin, Studium der Kulturwissenschaft und Ästhetik mit Promotion, arbeitet als Kulturmanager und Schriftsteller in den Bereichen Essayistik, Kurzprosa und Lyrik, Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. Mehr Infos via Wikipedia.

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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