Stadt, nächtens

Cleo A. Wiertz für #kkl9 „beseelt“




Stadt, nächtens

Um Mitternacht noch ein paar Jugendliche,

mehr oder weniger nüchtern (eher weniger),

mehr oder weniger fröhlich (es geht so),

mehr oder weniger laut (eher mehr!),

von Gewaltätigkeit gar nicht zu reden…

Die Frustration muss irgendwo heraus,

in dieser oder jener Weise.


Um ein oder zwei Uhr,

von Zeit zu Zeit

noch ein Auto,

und zwischen zwei Häusern

ein armer Typ,

komplett besoffen

oder auch krank, was weiss ich –

ich wähle den Notruf,

für alle Fälle.


Und dann kommt

diese wunderbare Spanne

zwischen drei und fünf Uhr,

wo die Stadt verlassen ist

und völlig ruhig.

Niemand, nicht mal ein Katzenvieh –

doch, da ist eins,

ein schwarzer Schatten,

der lautlos

seine geheimnisvollen

Wege geht.


Stille.

Fantastische Strassenlampen,

mit glücklicherweise schwachem Licht,

und von Zeit zu Zeit gibts eine,

die völlig streikt…

So können die Häuser

leichter ihre Geheimnisse wahren –

ihren eigenen, und die der Bewohner.


Die Häuser scheinen

zu schlafen, zu träumen – wovon?

Vielleicht von alledem, was sie gesehen haben

in dieser alten Stadt, die,

hinfällig jetzt, bessere Tage

gekannt hat.


Und all die Geheimnisse

hinter geschlossenen Läden,

all die Tragödien,

unerhört oder banal!


Ich spaziere,

wie triumphierend,

durch verlassene Strassen.


Nein, ich mag Städte nicht,

doch ich mag gern diese nächtliche Stadt

zwischen zwei und drei Uhr,

wo ich niemanden sehe,

wo die ganze Stadt schläft

und träumend sich verwandelt,

in einen tausenjährigen Palast…


Ganz selten nur

hinter geschlossenem Vorhang

oder einem Fensterladen

ein winziges Licht.


Mysterium!

Jemand, der nicht schlafen kann?

Ein Kranker? Ein Paar, das sich liebt?

Jemand, der zur Arbeit geht, oder verreist?

Manchmal, das bläuliche Licht

eines Fernsehgeräts,

doch niemals ein Laut, niemals.

Alles, zwischen 3 und 5 Uhr,

ist wie aus einer anderen Zeit.




Cleo A. Wiertz, Jhg.1954. Diplom-Psychologin.Tätigkeit als Fabrikarbeiterin, Büroangestellte, Psychotherapeutin, Beraterin, Pädagogin, Supervisorin, Klinische Psychologin, freie Autorin.

Als Schriftstellerin und Bildende Künstlerin aktiv seit 1970. Diverse Ausstellungen von Bildern, Werkstücken und Fotografien. Publikation von Fachtexten, populärwissenschaftlichen Darstellungen, Essays, Kurzgeschichten, Gedichten. Lebt mit ihrem Mann in Strasbourg (Elsass) und in Clermont l’Hérault (Südfrankreich).

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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