DU, UNDINE …

Dana Schällert für #kkl9 „beseelt“



DU, UNDINE …

Ich schöpfe aus dir im Sommer,
komme an deine Ufer, rufe nach der Freiheit,
schreie sie ins Wasser deines Teichs und lasse
meine glühend schwelende Seele, meinen heißen Kopf
von deinen Tropfen kühlen.

Tropfer Teich, tauche ich in dich,
gebe ich mich tiefer lebend dir.
Und jeder Hauch aus meinem Mund und jedes Summen,
auch jedes Wort, das ich sing‘ oder sprech‘,
verweilt als stummes Ding, doch klingend dort
so echt auf deinem Grund.
Hier bin ich deins, ganz eins mit dir und eins mit mir.

Benetze die Wunden der letzten Zeit,
gereist bin ich weit und gewandert, denn ich weiß
um die Schätze dieser Stunden des in dir Mäanderns,
Seite an Seite meine Verletzungen dir preisgebend
Auf dem Kamm deines Wassers mich treiben lassen.
Wie schweben ist es, eng verbunden mit dir, mein Element,
das ich kenn und das mich kennt,
Von deinem Damm springen, von dir umgeben sein.

Tropfer Teich, tauche ich in dich,
gebe ich mich tiefer lebend dir.
Und jeder Hauch aus meinem Mund und jedes Summen,
auch jedes Wort, das ich sing‘ oder sprech‘,
verweilt als stummes Ding, doch klingend dort
so echt auf deinem Grund.
Hier bin ich deins, ganz eins mit dir und eins mit mir.

Und liege ich dir bei, fließen kleine Bäche von meiner Haut,
Fest des lautlos bedächtigen Rinnens der Nässereste, mein Haar wird eine feste Masse
und ich fasse meinen Leib nun wieder klar und zweifellos als eins, als ganz, als unversehrt.
Zarte kleine Perlen aus glitzerndem Glas schwerlich zu greifen eifern im Glanz um die Wette
Gleich einer Kette aus tanzendem Sonnenlicht dicht auf meine Brust gedrängt.
Die kleinste Regung, nur die Hebung des Atems, und jene feinen Steinchen, Schätzchen
Setzen ihre Bahnen fort und ergießen sich in andere, schließen sich wandernd zusammen zu Rinnsalen,
die zahllos über die Haut laufen, eilen, flitzen,
blitzend bunte Arme, die mich zunehmend warm umgeben, auf mir verweilen,
wie ein liebes, wunderbares Streicheln, eine weiche, wahre Geste, bestehend aus den Zeilen eines kunstvollen Liedes:
„Du, Undine, bist eine von uns“.

Tropfer Teich, tauche ich in dich,
gebe ich mich tiefer lebend dir.
Und jeder Hauch aus meinem Mund und jedes Summen,
auch jedes Wort, das ich sing‘ oder sprech‘,
verweilt als stummes Ding, doch klingend dort
so echt auf deinem Grund.
Hier bin ich deins, ganz eins mit dir und eins mit mir.




BLACK BOX

Stille Pupillen in braungrünem See / Meine Idee von dir sitzt neben mir, ganz nah.
Fühle ich da den kühlen Hauch deines Seins? / Oder ist’s nur Parfüm, sogar meins,
das meinen Bauch durchwühlt? / Schwül streift mein eigener Atem dein schwarzes Haar,
bist – du – da?
Du? Du? Du?, sucht der Forscher hinter meinen Lidern
Ein Erwidern.

Doch: Dein Gesicht ist nicht wie ein Sinnbild innrer Dinge
Meist gelingt mir nur der Blick auf mich zurück.
Schau: Die Augen glaubst du, suchst du, zu ergründen,
was zu finden, was dir fehle, gar den Spiegel einer Seele,
hoffst du, oft zu traurig, glaub ich, der Versuch: Selbstbetrug.
An den Andern verschenkst du deinen Traum –
kaum, denkst du, ihn zu sehen,
kannst du es nicht,
nur: wenn er spricht

Deine Lippen wippen wie die seichten Wellen, / die leichten schnellen Regungen
Des stillen Wassers, des tiefen, die Bewegungen unterliefen / Schon seit Monaten, all mein Warten, tragen Schuld
An meiner Ungeduld und harrten doch seit all der Zeit / Aus – kein Wort kam dort heraus.
Ein Mund ohne Grund, wie der See, auf dessen silbernem Schimmer / Ich als Schwimmer mich bewege, helles Funkeln, doch darunter
Nichts als Dunkel.

Nein: Dein Gesicht ist nicht wie ein Sinnbild innrer Dinge
Meist gelingt mir nur der Blick auf mich zurück.
Schau: Die Augen glaubst du, suchst du, zu ergründen,
was zu finden, was dir fehle, gar den Spiegel einer Seele,
hoffst du, oft zu traurig, glaub ich, der Versuch: Selbstbetrug.
An den Andern verschenkst du deinen Traum –
kaum, denkst du, ihn zu sehen,
kannst du es nicht,
nur: wenn er spricht

Bald bist du mir kein See mehr, bald eher eine Truhe, / deine Ruhe, wie sie sich vor mir verschließt, fies und finster
und auch so bitterkalt, da ist kein Halt – wie sicher gehen? / Alles ist schwarz, nichts kann ich sehen,
ich taste umher, haste, schwer atmend, durch dein Schweigen / kannst du mir zeigen, wo ich bin?
Dein Lächeln legt sich unbewegt über meine Schreie, unverfroren, /auch als Laie der Psychologie seh‘ ich klar:
Logisch – verloren war ich allein in meiner Fantasie.

Nein: Dein Gesicht ist nicht wie ein Sinnbild innrer Dinge
Meist gelingt mir nur der Blick auf mich zurück.
Schau: Die Augen glaubst du, suchst du, zu ergründen,
was zu finden, was dir fehle, gar den Spiegel einer Seele,
hoffst du, oft zu traurig, glaub ich, der Versuch: Selbstbetrug.
An den Andern verschenkst du deinen Traum –
kaum, denkst du, ihn zu sehen,
kannst du es nicht,
nur: wenn er spricht

Zerstörbar und verwundbar und überwindbar, gar zu findbar / Liegt mein Blick geknickt auf dem Boden der Tatsachen.
Aufwachen! Man trat darauf, niemand hebt ihn auf. / Kann die Augen nicht heben, keine Worte machen mir Mut,
es ist gut, es ist gut, murmele Ich,
es rauscht nicht dein Wasser,
es rauscht nur mein Blut.
Hier bin ich, hier bin ich,
ich lausche dem Rauschen,
Augen schließen, du bist weg,
Back to black.

Wie du dich in dich kehrst, jede Deutung verwehrst, / nährst du verschwiegen mein Hoffen, dass du einmal offen liegen wirst, / unzerstörbar, unverwundbar, unüberwindbar, aber findbar,
dass meine Finger einfach schlingernd einen Schlüssel fassen / ihn nass vor Begehren ins Schloss gleiten lassen
(nichts, nichts wirst du verwehren) / und den schweren Deckel heben und
… es erleben.

An den Andern verschenkst du deinen Traum –
kaum, denkst du, ihn zu sehen,
kannst du es,
nicht nur,
wenn er spricht.






Dana Schällert geboren 1981 in Hannover, ist nach ihrer Schulzeit zum Studium nach Bremen gegangen, um dort Germanistik, Kunst und Philosophie zu studieren. Inzwischen arbeitet sie als Fachleiterin für das Fach Deutsch am Studienseminar in Salzgitter, schreibt wissenschaftliche, didaktische und mit Leidenschaft literarische Texte, vor allem Lyrik

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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