„Der nächste Schritt“

Sophie Ebeling für #kkl10 „Der nächste Schritt“




„Der nächste Schritt“

Der Tag war gekommen, indem Malika vor dem ganzen Kurs eine Präsentation halten sollte. Ihr Schwerpunkt bestand aus dem Thema: „Unterdrückte Emotionen“. Ihr Tutor rief sie auf und sie stand auf. Malika griff zitternd zu ihren Unterlagen. Ihr Atem wurde schneller und sie fing an sehr stark zu schwitzen, aber dennoch fror sie. Malika wurde sehr nervös und stellte sich die Fragen, ob sie sich denn zu warm angezogen hat oder doch zu kalt? Warum zitterte sie überhaupt? Sie hatte sich wochenlang, sehr behutsam, auf das Referat vorbereitet. Sie konnte den gröbsten Teil auswendig und dennoch war ihr Gang, vor dem Kurs zu treten, zittrig. Nervös versuchte sie die Präsentation zu starten, doch gab sie das Passwort falsch ein und sie wusste, dass sich die Präsentation durch ihr Missgeschick weiter in die Länge ziehen würde. „Die Anderen sind sicherlich schon gelangweilt und genervt, dass ich so lange brauche!“, beschimpfte sie sich in ihren Gedanken. Hatte ihr Vater Recht? War sie nicht einmal für solche einfache Dinge zu gebrauchen? Schließlich schaffte sie es auch nicht, nach seinem Wunsch, abzunehmen und die Naturwissenschaft Biologie verstand sie auch nicht. Sie würde demnach nie, nach seinem Wunsch, Biologie studieren. Sie ist nur eine junge Frau, die immer betrogen wurde und „nicht schön genug“ war. Passten ihre Klamotten? Sah man vielleicht ein paar von ihren „Röllchen“? Was würden andere wohl davon denken? Es führte kein Weg daran vorbei, sie holte einmal tief Luft, setzte ihr Lächeln auf und startete ihren Vortrag. Die Präsentation lief gut, ziemlich gut, um ehrlich zu sein, doch ihr Kopfkino hörte nicht auf. Sie fragte sich, ob sie komisch aussehen würde. Stehen ihre Haare ab? Hat sie etwas zwischen den Zähnen? Verdammt! Sie hätte doch lieber Sport machen und gestern Abend nicht die Pizza essen sollen. „Man würde bestimmt ihren Blähbauch sehen“, dachte sie sich. „Unterdrückte Gefühle werden häufig durch Abwehrmechanismen, wie zum Beispiel der Verdrängung, begleitet. Dabei werden Emotionen wie, Angst, Wut, Enttäuschung, aber auch Glücksgefühle bewusst, oder unbewusst versucht zu vernachlässigen. Eine Instabilität innerhalb der Familie, aber auch Schicksalsschläge wie der Tod einer geliebten Person und traumatische Erlebnisse können als Ursache dienen. Leider muss man Anmerken, dass psychische Erkrankungen einen leichteren Weg durch unterdrückte Emotionen haben können. Trotzdem werden auch in der heutigen Gesellschaft Menschen mit psychischen Erkrankungen oft nicht ernst genommen und belächelt. Viele Betroffenen verschließen sich daher und können durch die Ablehnung von Außen nicht offen mit ihren Erkrankungen umgehen.“, referierte sie. Nach dreißig Minuten eines strukturierten und überwiegend freisprechendem Vortrag, endete sie ihn mit einer angenehmen Zufriedenheit. Malika war schon stolz auf sich, denn sie wusste wie viel Arbeit sie investierte und dass sie auch beim referieren steht’s ihr Bestes gab. Nun folgte der schlimmste Teil, der Kurs wertete mit dem Tutor das Referat vor ihr aus. Ihr Herz klopfte so stark, es schrie förmlich. Es raste und es pochte so heftig, dass der Druck bis zum Kopf stieg. Es fühlte sich an, als würde er im nächsten Moment explodieren. „Man hätte ein Szenario wie aus einem schlechten Horrorfilm, das würde sich sicherlich nicht so gut in Bewerbungen sehen lassen“, dachte Malika und schmunzelte für einen Augenblick in sich hinein. Ihre Aufmerksamkeit lenkte sich den Sprechenden zu. Malika wurde schlecht, sie bekam ein flaues Gefühl im Magen und Bauchschmerzen plagten sie im nächsten Moment. Sie hörte nur Fetzen, da sie Konzentrationsprobleme hatte. „Frei gesprochen, aber auch sehr schnell“, hörte sie. Panik kam in ihr auf, sie fragte sich, ob sie wirklich so schlecht referiert hätte. Sie nahm: „Die Bilder waren mir zu wenig, außerdem war der Text ziemlich klein.“ auf. Schlecht. Ihr war schlecht, sie war schlecht, ihr Referat war schlecht: Alles an ihr war einfach schlecht! Nach wenigen Minuten war es vorbei. Malika konnte nichts mehr aufnehmen. Sie fühlte sich, als wäre sie drei Tage lang nur gerannt. Ihr Körper war schwach. Sie fühlte Angst, Panik, Enttäuschung. Malika war enttäuscht, scheinbar war ihr Referat nicht gut genug. Sie hat Stunden für das Referat verschwendet. Wieder einmal haben sich ihre Bemühungen nicht ausgezahlt, oder doch? „Malika? Malika?!“, hörte sie zwischen ihren Gedanken jemanden rufen. „Geht es dir nicht gut? Stimmt etwas nicht?“, fragte ihr Tutor sie. Wohl wissend, dass sie keine Kraft mehr hatte, letzte Woche mit Panikattacken und einer posttraumatischen Belastungsstörung diagnostiziert wurde, antwortete sie mit einem lächeln, völlig überzeugend: „Es wäre nichts.“ 




Mein Name ist Sophie Ebeling. Ich bin 19 Jahre alt und besuche ein Gymnasium als Abiturientin. Ich verfasse in meiner Freizeit gerne Poesie und Gedichte. Ich übe mich am regelmäßigen Schreiben, diese Leidenschaft kann ich im Leistungskurs „Deutsch“ an meiner Schule nachgehen. Ich bin gerne in der Natur unterwegs und fotografiere schöne Momente, Erlebnisse und Orte. Ich bin ein sehr tierlieber und emphatischer Mensch.

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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