Ferner Kummer, sanft für immer

Tom Brenecke für #kkl10 „Der nächste Schritt“




Anton: Vom Zug in dem fuhr‘, wünschte ich mir einzig nur, dass er hielt.
   Im Waggon ging ich die Strecke ab, doch Wolken trugen mich weg von dir.
   Ich musste gehen, um zu vermissen, doch allein ich jetzt, so reich an Wissen,
   abgetzt gern‘ bei dir wär‘, wiegt es doch dann umso mehr,
   die Szene die du mir beschriebst, in Taten umgesetzt zu sehen,
   und du am Zug, geliebt im stehen, ganz tief in meinen Armen liegst,
   und ich beginne zu erzählen.
   Von neun Abenteuern, ist nur noch eines übrig.
   Beim Anblick dieser Zuckerhäuser, wirkt mein eigenes so mickrig.
   Doch könnt’s mein Geist mir besser nicht raten,
   sollen Lichter nun so fallen,
   dass sie nachts auch keinen Schatten tragen.
Katharina: So weise Worte fern der Welt, auch du in meinem Herzen innig.
   Trag Geschichten schnell nach Haus‘, mein Ohr durch deine Worte sinnig.
Anton: Dann will ich nun erleben geh’n, die Stadt durch meine Füße nehmen.
   Mich vertragen mit den Wegen, fallen wie sie liegen,
   schwebend mich durch sie durch bewegen.
   Brücken spannen in meinen Adern, ich will nicht länger mit mir hadern.
   Wir sind nur wenig Tage fern‘, wir werden uns bald wiederhör’n.
Katharina: Schick mir Bilder um zu sehn‘, ich mag vor’s Haus auch nicht mehr gehen.
   Bin angezogen von Versuchen, doch könnt‘ ich mich gar selbst verfluchen.
   Die Krankheit meine Nerven zerrt, wo ist das Ende das auch wehrt?
Anton: Die Krankheit auch in mir schon liegt.
Katharina: Ich hätt‘ sie auch allein besiegt und mich allein von ihr befreit.
Anton: Was wird aus meinem Herzeleid?
Katharina: Das heilen wir, wenn du zurück, nun schwing‘ dich aber mal ins Glück.
   Sollst nicht Glauben was du siehst, dich hochschrauben in die Lüfte
   und so fallen, dass du fliegst. Bedenk‘ mich nicht mit fernem Kummer,
   bedenk mich lieber sanft für immer.
Anton: Ein wenig konnt‘ ich’s mir vertreiben, die Stadt mir richtig einverleiben.
   Den Palast ganz hoch hinauf, bin ich nicht, doch bin zu Hauf‘, im Abendlicht,
   am Fluss spazieren. Ich wünschte mir, ich könnt‘ es teilen,
   auf dieser Brücke dort, ganz allein mit dir verweilen.
   Die Karte, die ich dir geschickt, nur ein Abbild dieser Welt hier ist.
   Die Straßen, wie festgespannte Faden, zum Gitternetz verwoben,
   doch auch nicht mehr zu haben. Ich muss hier fort, doch will ich bleiben,
   und liegen noch auf meinem Boden. Es ist die Bühne des Theaters, auf die ich
   dich schon längst erhoben. Tanz mit mir im kühlen Wind, mach aus mir ein kleines Kind.
   Nun kenn‘ ich zwar schon schöne Ecken, und so feine Kurven auch,
   doch will ich mich in dir verstecken, ganz tief drin in deinem Bauch.
   Aus deinem Mund heraus die Welt betrachten, ihr begegnen, nach ihr schmachten,
   deine Wörte reden lassen, um meine Welt damit zu fassen.
   Ich sitze schon auf dem Gepäck, lag gekleidet schon im Bett,
   hab die Türe aufgelassen, sogar die zu den Terassen,
   Ich lieb‘ die Liebe ach zu sehr, komm schon Morgen, komm schon her.

Katharina: Sag mir dann, kommst du geschwind?
   Ich hör‘ den Zug schon in der Ferne, allein bin ich es nicht die kommt,
   doch besorgt warst du bedacht, des Gleises Bette schon gemacht.
   Ach komm doch erstmal richtig an und richte dich doch erstmal ein,
   sonst wird es dir noch unheimlich, so schnell an meiner Seit‘ zu sein.
Anton: Meine Liebste, Sie sind so eifrig fortgegangen.
Katharina: Sie haben doch damit angefangen.
Anton: Ich musste fort, um zu vestehen,
   darin liegt doch das Vermissen,
   im Glaube an den fernen Ort und um des anderen Liebe wissen.
Katharina: Sie haben recht, doch Zeit verweile.
   Der Raum um mich in Flammen.
   Ich komm nicht raus, ich komm nicht rein,
   Ich komm nicht an Sie heran.
Anton: Hier bin ich doch. Ich bleibe stehen.
Katharina: Verlier’n Sie bloß nicht ihren Gang.
Anton: Sie werden’s schon noch sehen.
   Ich bin nicht gut im Abschied nehmen,
   doch bin ich stehts darum bemüht,
   dass immer wenn ich wieder komme,
   die Sonne hoch am Himmel blüht.
   Ich möchte frei mit Ihnen reden und suche nach dem Weg,
   des Wunsches‘ Pfad schon zugewachsen in dieser kurzen Zeit.
   Ich dachte schon, es ist für immer, doch hab ich da allein gedacht,
   bevor der letzte Stein gesetzt, zerfiel das Haus in seine Trümmer.
Katharina: Das Glück, das dich nun beschwert,
   den Dreck nicht vor meinem Fenster kehrt.
   Halten Sie noch etwas ein, ich werde schon bald bei Ihn‘ sein.
   Ein Kaffee noch im Morgengrauen…
Anton: Kein Wein im Abendrot?
Katharina: Ein Tee zum aus dem Fenster schauen.
Anton: Und da beginnt für mich die Not. Hatt‘ ich mir nicht vorgestellt,
   dass alles wenn ich wiederkomm‘, leis‘ in sich zusammenfällt.
   Und wir allein nach Lust der Tage, uns begnügen mit der Frage,
   welcher Wein zu öffnen sei?
   Jetzt ist es nicht mehr das, was ist, das bindet,
   Doch das was du entziehst, uns schwindet…

Katharina: Ich hab‘ in deinem Traum gelebt,
   die Erinnerung mir jetzt noch heilig.
   Kann nicht in deinem Urteil fehl’n,
   doch alles ist zeitweilig.
   Menschen machen Menschensachen,
   ich war so sehr bereit,
   doch als die Krankheit von mir ging,
   sie mich auch von dir befreit.
   Ich lieb‘ das Leben angenehm,
   so eben wie es gerade fällt,
   genug mich schon geplagt bisher,
   ich lieb‘ das Schöne in der Welt.
   Doch alles was mir heilig ist,
   deine Wörter längst beschrieben.
   Hast du mir mein‘ Geist versetzt?
   Und mir meine Muß‘ vertrieben?
   Zeit bleib stehen,
   ich kann nicht sehen.
   Bin blind und taub im Atemraub.
   Du hast dich für mich,
   ganz heimlich in dich selbst verliebt,
   und nun mein Liebster,
   ist das alles was dir blieb.

Anton: Aus dem Zauber, der mir wiederfahr’n,
   ich einen neuen spinnen will.
   Die alten Geister leben lassen,
   und mich auf mich besinnen will.
   Doch die Fenster alle trüb‘,
   die Aussicht mir schon längst genommen.
   Mir bleibt die Welt des Kopfes nur,
   in der ich unlängst angekomm‘.
   Doch mein Wort, es steht,
   es ist Realität.
   Sprichst du mir langsam nach,
   dann fühlst du wie es geht.
   Das schönste an dir ist und bleibt,
   die Bühne die du bist.
   Durch dich kein Vorhang sich durchzieht,
   sodass du eins und doppelt bist.






Tom Brenecke: Geboren: 1994. Studium der Architektur in Wismar, dann Urban Studies in Tallinn und Melbourne.
Aktuell, Doktorand in Mailand; Forschung an Einsamkeit in der Stadt. 

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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