Ihr Zeiten, kommet doch all’

Martin A. Völker für #kkl11 „Es kommt die Zeit“




Ihr Zeiten, kommet doch all’

Erschrecke nicht, wenn ich dir das Schrecklichste sage, das eine:r sagen kann: „Die Dinge sind, wie sie sind.“ Du fühlst dich klein. Ohnmächtig. Ausgeliefert jenen Mächten, die Welten erschaffen und wieder zusammenstürzen lassen. Aber bist du etwas ganz anderes? Sind dein Geist und Körper nicht ebenso schöpferisch und zerstörerisch wie sie? Im Gewächshaus, im Schmelzofen der Natur werden die Dinge so, wie sie sind. Ein Gewächshaus und ein Schmelzofen sind auch deine Gedanken. Wie Regen, Winde und Feuer die Dinge angreifen, verändern und zu weiterem Werden veranlassen, so verformst, verfestigst und pulverisierst du die Dinge, mit denen du dich umgibst. Achte nicht darauf, wie die Dinge sind, sondern achte darauf, was du mit ihnen anstellst. Du beklagst die Dinge in ihrem Gewordensein und bedenkst zu selten deinen Beitrag. Jeder Blick, jede Geste, die kleinste Bewegung deiner Gedanken und Hände gibt den Dingen ihre Form. Dein Fuß verändert die Welt, in welche er tritt. Alles ist Veränderung. Selbst die Verendung ist bloß Verwendung für anderes. Schlussstriche gibt es nicht. Sie liegen ausschließlich in deinen ungeübten, unwilligen Händen. Lasse deine Hand Bögen anstatt Striche zeichnen. Denke immer an die Verbindung. Alles existiert in Verbindungen. Während sich alles verändert, bewegen sich die Verbindungen, lockern sich, lösen sich, finden und verschlaufen sich neu. Die Welt, in der du dich befindest, ist ein gewaltiges Mobile. Die Welt, die sich in dir befindet, ist ein gewaltiges Mobile. Ja, die Dinge sind so, wie sie sind. Für den Moment. Im nächsten Augenblick ist dieses Sosein völlig anders beschaffen. Die Dinge sind, wie sie sind, und wenn die Dinge anders werden, sind sie so, wie sie anders geworden sind. Es kommen neue Zeiten mit veränderten Dingen. Bilde dir nicht ein, so zu bleiben, wie du bist. Du bist, wie du bist? Klage dich an dafür, immer eine Ausrede, ein Scheinargument gegen die Veränderung zu haben. Ausreden sind, wie sie sind. Du bist immer anders, sollst anders sein. Alles bleibt mit stets verändertem Antlitz. Das ist das Ziel der ziellosen Natur.



Martin A. Völker, geb. 1972 in Berlin und lebend in Berlin, Studium der Kulturwissenschaft und Ästhetik mit Promotion, arbeitet als Kulturmanager und Schriftsteller in den Bereichen Essayistik, Kurzprosa und Lyrik, Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. Mehr Infos via Wikipedia.

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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