Zwischendurch mal wischen

Kristina Baumgarten für #kkl12 „Dazwischen“




Zwischendurch mal wischen

Graue Flecken im Waschbecken.

Zahnpasta Schlieren, die schmieren.

Ein Büschel Haare, echt, nicht von mir, falsch vom Hund, der war hier.

Seife schäumt und türmt sich auf zu shinebar wolkigen Gebilden, zuckerwattereinweiß zart presst perlend sie den starken Schmutz in strudelnden Spiralen abwärts in die Leere, die Schwere.

Kind, wie sieht’s hier aus? So kommt kein Besuch ins Haus. Mein Blick schüttelt sich, klebt ungewollt an diesem Fleck, der ist noch da, muss aber weg. Wenn ich starr stehe, mich nicht rege, hege, pflege, ignorier, bleibst du dann hier, du schmutziger Gedanke? Wie zäher, schleimiger Staub blockierst du meinen Kopf und nicht nur den. Dabei bist du pfeilschnell wie Fast Food von der Kette. Billig in nichtssagende Reime und Pappschachteln gepresst, passt. Spaghetti ist nicht al dente, verpasst du den Moment, glitscht die Nudel mit Effet und Essenz durch die Finger mit dem Wasser in die Leere, die Schwere. Auch bei mäßigem Geschmack gefräßig.

Kind, du denkst auch nur ans Essen. Trivial auf der Flucht im Kopf, zwischen honiggelben und paprikaroten Träumen in dreckig grauen Räumen.

Zwischen Schlampe und Putzlappen, zwischen wischen und entwischen hör ich es zischen, wie den Finger meiner Mutter, auf dem Knopf der Spraydose mit dem Fettlöser, der Strahl mitten in mein Mondgesicht, schadet sicher nicht, ganz wortlos kann sie nicht, schadet Freude?

Zeit vergeht, heute in der Lupe, ich folge dir nicht, wohin auch. Bleibst du, wenn ich dich betrachte? Als Farbe wärst du unentschieden, gräulich grau, mit vorwitzigem Stich ins blasse Silberblau, scheint schließlich schimmlig schlimmes schimmerndes Staubgrün. Verweile doch ein bisschen, hinter meiner Stirn. Ich kann dich und es so nicht fassen. Warum bleibt festgetackert an dem Ort nur das Wort was ich nicht konservieren will?

Was wollte ich? Das Bad. Und wenn Besuch kommt? Eine Freundin? Eine ist beleidigt, du meldest dich ja nie, sagt sie, wenn sie sich selten meldet. Eine liebt mich ohne Worte, ich sie auch. Eine die ausnahmslos fernmündlich erzählt, was sie quält. Wenn ich Zeit hab, treff ich sie, trotz Pandemie.

Hab keine Zeit, muss putzen.






Kristina Baumgarten

Autorin, Texterin, Redakteurin, Lektorin

1968 in Oberhausen mitten im Pott geboren. Station gemacht in Waltrop statt Dortmund, in Leverkusen statt Köln, in Offenbach statt Frankfurt und in Murcia statt Madrid für viel zu kurze Stippvisiten. 2003 kehrte sie an den Niederrhein zurück, wo sie bis heute mit drei Generationen ihrer Familie plus Familienhund unter einem Dach lebt und arbeitet.

Den ersten Schreibwettbewerb gewann sie in der Grundschule (für eine Freundin, im Tausch gegen Mathehausaufgaben), den ersten Gedichtwettbewerb in Köln an der Uni, zum Dank erhielt sie einen Gedichtband mit persönlicher Widmung von Hans Bender. Inzwischen unter eigenem Namen veröffentlicht hat sie einige Kurzgeschichten und Gedichte in Anthologien und Literaturzeitschriften.

Nach dem (Um-) weg über eine kaufmännische Ausbildung studierte sie Germanistik und textete in einer Werbeagentur. Derzeit ist sie als Textredakteurin einer lokalen Zeitschrift, freie Journalistin, Werbetexterin und Lektorin beschäftigt und führt nebenbei einen kleinen Laden für Hundefutter.

www.baumgarten-nrw.de

https://www.facebook.com/kristina.baumgarten1/

Interview mit #kkl:




Über #kkl HIER

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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