Weltengeschaukle

Paula von Hoff für #kkl13 „Über den Tellerrand“




Weltengeschaukle

Die Sonne brennt sich in die junge Haut der beiden, während sie mit ihren Füßen immer mehr Anschwung nehmen. „Schau doch der Schwan dort!“ Elena schaute über den vom Wind zerknitterten See. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Mathilda, das Wasser rennt schon wieder.“ Es war etwas zwischen ihnen. Kein Mensch auf der ganzen Welt würde es jemals begreifen. Denn wie sollten andere etwas verstehen, worüber sie sich selbst nicht im Klaren waren. Der nächste Schwung. Sie waren jetzt beide so hoch das sie fast über die Dächer der kleine Häuser des Städtchens gucken konnten. Ohne es zu wollen, als ob es von der Natur so bestimmt war, schwangen sie im Takt. Rauf und runter. Voller Lebenslust, so munter. Mathilda sah hinüber zu Elena, die ihren Blick auf den See gelegt hatte. Es schien als würden die Berge so länger man sie ansah, wachsen. Als wären sie nichts weiter als eine Blume im Frühling die sich ihrer Pflicht widmet aus der Erde zu sprießen. Die Sonne brannte sich in die Haut. „Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn es die Menschen nicht gäbe?“ „Ja, aber ist es nicht absurd? Wir denken über unsere Nichtexistenz nach obwohl das bedeuten würde, das wir darüber niemals nachdenken könnten, weil es uns ja nicht gäbe.“ Elena war von Mathildas Antwort nicht überrascht. „Du denkst immer so kompliziert, das mag ich an dir. Du denkst wie du eben denkst und es ist dir egal ob andere es verstehen oder nicht.“ „Ja, aber angenommen uns gebe es nicht, angenommen es würde diese Stadt hier nicht geben, die tausenden Menschen, diese Brücke dahinten. Ja, angenommen es gäbe diese Schaukel nicht. Wir könnten nicht auf ihr sitzen und uns nicht die Frage stellen was sein würde, wenn es uns nicht gäbe. Gäbe es dann überhaupt die Natur in dem Sinne? Ich meine wir haben all das hier, “Mathilda umfasst die Gegend mit einem ausgestreckten Arm, „als Natur definiert. Ohne uns gäbe es keine Natur. Wir haben diesen Begriff geschaffen, weil uns nichts Anderes eingefallen ist um das Phänomen was uns das Universum gegeben hat zu begreifen. Genauso wie all das was um uns herum wächst und sprießt, weht und fließt, genau so sind wir doch auch nur Natur. Wir tun nichts Anderes als aus einem kleinen Kern zu entspringen, heran zu wachsen, uns zu entfalten und nach vielen Jahren in einen anorganischen Zustand zurückzukehren. Wir werden wie Pflanzen und Tiere von Krankheiten befallen. Also ist nicht eher die Frage, ob es die Natur ohne den Menschen geben könnte?“  Das war es was Elena an Mathilda mochte. Sie gab sich nie mit einer Sache zufrieden, hinterfragte Alles und stellte wilde Theorien auf. Das war es was Mathilda an Elena mochte, sie hörte ihr zu. Es war egal wie lange sie redete oder wie dumm manche Dinge die aus ihrem Mund kamen klangen. „Das Universum ist eine Reihe an Zufällen Mathilda.“ „Stimmt, aber wenn es so sein sollte, dass Alles ein Zufall gefolgt von weitern Zufällen ist, dann bin ich froh, dass uns das Universum zufällig zu diesen Schaukeln gebracht hat, dass wir uns zufällig begegnet sind in dieser Schlaufe der unendlichen Zufälle.“ Sie schauten sich an. Die Sonne brannte jetzt nicht mehr so stark. „Komm wir gehen.“




Paula von Hoff, geboren am 29.04.2004

„Ich schreibe in meiner Freizeit Gedichte, kurze Texte ( Kurzgeschichte, Parabeln etc.)“





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Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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