eine Leidensgeschichte

Loreley Löffler für #kkl13 „Über den Tellerrand“







eine Leidensgeschichte
Bevor der Mensch den Tellerrand
der Bequemlichkeit wegen erfand
waren Teller flache Scheiben,
auf welchen nichts wollt´ liegenbleiben,
und Ränder waren ohne Sinn-
doch dann verliebten sich Hals über Kinn
der Rand und der Teller, und verschmolzen
zu einem ganz besonders stolzen
Teller mit Rand, eine arrangierte Liebe,
auf dass die Soße auf dem Teller bliebe
Aber wie mit arrangierten Ehen
schnell es kann vonstattengehen,
gefielen sie sich bald nicht mehr:
Der Teller ging fremd mit dem Dessert
und der Rand flirtete mit dem Messer
(seine bedräng´de Person machte es nicht besser)
Zu allem Überfluss erschien
der Ehestreit als Chance zu fliehen
und so sprang ein ganzes Nudelgericht
mit höcht entschlossenem Gesicht
auf den Tisch und blieb dort liegen:
„Ha! Mich werden sie nicht kriegen!“
Die Eheleute sahen einander an,
beschuldigten jeweils den anderen dann
schimpften, stritten, rangelten, taumelten
bis sie an der Tischkante baumelten
und schließlich, während sie noch rangen,
in viele kleine Scherben zersprangen
Vielleicht war´n sie nie füreinander bestimmt
Vielleicht wurde etwas, was sie nicht sind
aus Rand und Teller durch uns
Denn wir verstehen sehr viel von der Kunst
uns selbst und ander´n Leid zu erfinden
so wie innere Grenzen oder Tellerrinden







„Mein Name ist Loreley, ich bin vierzehn Jahre und Worte und Farben sind meine Welt. Mein erstes „Werk“ bestand aus zusammengetackerten Seiten, diktiertem Text und den Illustrationen einer Vierjährigen.
Ich lebe in der Nähe von Hamburg, gehe noch zur Schule und habe drei jüngere Schwestern. Zum Thema „über den Tellerrand“ ist mir viel eingefallen: zuerst einmal habe ich ein Bild (Öl auf Leinwand) gemalt, welches den Teller als dunkel und trostlos darstellt, und die Außenwelt als farbenfroh. Dann ein Bild (ebenfalls Öl auf Leinwand), wo das, was hinter dem Tellerrand liegt, eher ungewiss ist. Als Letztes habe ich noch ein Gedicht geschrieben, welches mal die Gefühle des Tellers und des Randes näher beleuchtet… . „








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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin und ZeitenGeist Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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