Ich will mehr

Alex Froh für #kkl15 „Nähe“




Ich will mehr

Das Verlangen nach dir meint nie zu ruhen. Jährlich quält es mich mehr und mehr bis meine Knie im zwecklosen Widerstand nachgeben und die Hitze der Begierde jeden Versuch standhaft zu bleiben schmelzen lassen. In Akzeptanz nicht gänzlich ohne dich sein zu können, gebe ich nach und besuche dich. Ich möchte dir nah sein, dich sehen, dich hören, dich riechen, dich auf meiner Haut spüren, ja dich sogar schmecken, doch ich möchte dir nicht zu nahe sein. Der Gedanke an deine Nähe erfüllt mich mit Freude und zugleich mit Angst. Ja ich fürchte mich vor dir. Ich gebe es ungern zu, doch ich fürchte mich sogar sehr. Wir kennen einander nicht gut, ich vertraue weder dir noch mir im Umgang mit einander, denn deine Unberechenbarkeit, dein Temperament und dein Zorn könnten mir schaden, mich verletzen, mich sogar töten. Doch gibt es so viele, die dir vertrauen, die sich dir völlig hingeben, die ohne dich nicht leben können, die dich so sehr lieben, dass sie dir nie von der Seite weichen. Ich kann ohne dich leben, denn ich lebte mein Leben lang ohne dich. Wieso verlangt es mich dann so sehr nach deiner Nähe? Wieso kann ich die Eifersucht jenen gegenüber, die bei dir leben und sich von dir erhalten lassen, nicht kontrollieren? Wieso hat es zwischen uns nicht funktioniert? Vielleicht, wenn du behutsamer mit mir umgegangen wärst, hätten wir eine Chance gehabt. Ich gab mein Bestes. Ich versuchte vergeblich sämtliche Ängste und Vorurteile dir gegenüber loszulassen, dir zu vertrauen und mich dir hinzugeben, doch anstatt mich zufrieden in deinen Wogen treiben zu lassen, trieb es mich in die Verzweiflung. Jedes Mal, wenn wir uns nahe waren, wenn wir in einander eintauchten, uns auf einander einließen, war ich nach kurzen Glücksmomenten deine Gefangene. Du konntest mich einfach nicht gehen lassen, auch wie ich dich verließ, hattest du mich in deinem festen Griff. Ich konnte dir nicht entkommen. Du wühltest noch aus der Ferne in meinem Innersten, drehtest mir den Magen um und sorgtest dafür, dass ich mehrere Tage lang deiner Folter erlag. Wieso tust du das? Und warum will ich nach all dem, was du mir bereits angetan hast, trotzdem in deiner Nähe sein? Möglicherweise weil du mich inspirierst, mich faszinierst, mich beruhigst und mich tröstet. Eine gemeinsame Zukunft ist uns wohl nicht bestimmt, doch ich lebe mit der Hoffnung, dass wir trotz unserer Vergangenheit auch künftig gemeinsame freudige Momente erleben werden. Ich werde nie aufgeben und stets von einer gemeinsamen Zukunft träumen, wo wir in Glück und Harmonie miteinander leben. Ich werde in deiner Nähe sein, dich beobachten, dir zuhören und dich gelegentlich auch berühren. Wer weiß denn schon, was die Zukunft bringt.







Alex Froh, geboren 1989, absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften (aufgrund existenzieller Ängste), mit einer großen Leidenschaft für das kreative Schreiben und der Hoffnung, das Hobby in Zukunft zum Beruf machen zu können.





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Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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