Nah sein

Einsendung aus der Medienwerkstatt TWS/TFS Lieboch, für Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen für #kkl15 „Nähe“.

Die Texte stammen von:

Denise Luttenberger – Nah sein

Jacqueline Kaspar – die Sache mit der Nähe

Jan Gölles – die Menschen brauchen…

und Florian Haider – Ungeschminkt


Illustrationen von Konrad Wartbichler

Konrad Wartbichler: Jahrgang 1949. Er gehört bereits zu den „etwas“ Älteren im Atelier Randkunst Lieboch. Er liebt es, die Welt zu erkunden, zu reisen, Menschen zu treffen, Städte kennen zu lernen und mit dem Fahrrad die Natur zu entdecken. Daraus schöpft er auch seine Inspiration und verarbeitet die Eindrücke in seinen Bildern. Er malt, zeichnet und illustriert. Und das mit einer Hingabe, die in jedem einzelnen seiner Striche zu erkennen ist.







Nah sein

von Denise Luttenberger

Es gibt eine geistige Nähe, die ich auch schon oft erlebt hab. Ich lag in meinem Bett und auf einmal bewegt sich meine Matratze, ich spürte die Nähe meines Opas. Nähe ist wichtig. Vor allem für Babys.

Zwischen Eltern, Freunden oder Arbeitskollegen gibt es dabei keine Unterschiede, nur bei Kindern. Kinder brauchen mehr Nähe als Erwachsene. Damit sie mehr Vertrauen zu den Elternteilen aufbauen können. Auch mir fehlt meistens die menschliche Nähe, vor allem die körperliche Nähe von Menschen, die ich nicht mehr in meine Arme nehmen kann.

Wie beim Menschen ist auch für die Tiere Nähe wichtig. Ich gebe den Tieren von meinem Freund immer meine Nähe, damit sie keine Angst haben müssen.

Das Gegenteil von Nähe ist das Abstandhalten.

Wie auch jeder Mensch brauchen Tiere Abstand und einen Ort, wo sie sich zurückziehen können.

Denise Luttenberger

Geboren 29.5.1995 in Deutschlandsberg. Arbeitet seit 2018 in der Medienwerkstatt in Lieboch.

Sie schreibt schon seit ihrer Kindheit Geschichten. In der Medienwerkstatt verfasst sie Texte zu ganz unterschiedlichen Themen. Gerne bringt sie autobiographische Elemente mit ein.







Ungeschminkt

von Florian Haider

Wenn es allmählich dunkelt in der Nacht,

und du dich kuschelst an mich heran,

ist dann der Sonnenschein am Morgen erwacht,

denkst zurück

wie alles begann.

Ungeschminkt stehst du vor mir,

ich wünsche mich nur noch zu dir.

Will zum Universum mit dir gehen,

um mit dir

in die Ferne zu sehen.

Dein Antlitz ist so schön wie ein Stern,

dass ich nur mit dir blicke in weite fern.

Schön rosa wie am Firmament ist es nicht,

ich brauche kein Geschenk, 

sondern nur dich.

Florian Haider

Geboren: 27.3.1987 in Graz. Arbeitet seit 2017 in der Medienwerkstatt Lieboch

Malt und musiziert gerne. Zum intensiven Schreiben ist er durch die Medienwerkstatt gekommen. Ihm ist wichtig, dass die Arbeit Freude bereitet und er hinter dem stehen kann, was er macht. Schreiben ist für ihn Freude, Trauer und befreiend.







Die Sache mit der Nähe

von Jacqueline Kaspar

Nähe bedeutet für mich, dass man zu jemandem eine enge Freundschaft hat, wenn man sich einfach nur freut, wenn man seine Freunde wiedersieht. Es geht nicht nur um die Nähe, sondern ob es auch ein richtiger Freund ist. Eine wahre Freundschaft ist, wenn jemand immer für dich da ist und dich immer zum Lachen bringt, wenn es dir schlecht geht. Wenn man noch ein Kind ist, ist die Nähe von den Eltern sehr wichtig, man braucht die Zuneigung von ihnen. Ohne Nähe und Zuneigung kann das Kind nicht richtig aufwachsen.

Nähe ist wichtig, wenn man mit Freunden einen Film ansieht oder einen Spieleabend macht. Wenn man dabei Spaß zusammen hat, sich gegenseitig zum Lachen bringt, kann das die Freundschaft mehr stärken.

Nähe zwischen Ehepartnern ist schon anders, man wohnt mit jemandem zusammen und man hat seine Nähe jeden Tag, zum Beispiel wenn man zusammen kocht oder sich zusammen die Zähne putzt.

Bei einem Arbeitskollegen ist es so, wenn man sich gut mit ihm versteht, dann fängt man an, seine Nähe zu brauchen. Bei Eltern und Kindern ist es so, dass das Kind die Nähe der Eltern genießt, aber wenn dann das Kind erwachsen wird, wird die Nähe der Eltern sehr nervig und es will ausziehen. Wenn das Kind auszieht, wollen die Eltern ständig die Nähe von ihrem Kind und versuchen alles, um es zu überreden, nachhause auf Besuch zu kommen. Ich verstehe mich sehr gut mit meiner Arbeitskollegin. Wenn sie krank ist, vermisse ich ihre Nähe. Und sie bringt mich auch zum Lachen, wenn es mir schlecht geht.

Ich liebe auch die Nähe zu Tieren, ich habe selber einen Hund und eine Katze. Wenn es mir nicht gut geht, spürt das meine Katze und legt sich zu mir, sie fängt dann an zu schnurren und kuschelt sich zu mir.

Wenn mein Hund spürt, dass es mir nicht gut geht, kommt er zu mir und legt seinen Kopf auf meinen Schoss.

Das Gegenteil von Nähe ist Abstand. Man hält den Abstand zu den Menschen. Am wichtigsten ist die Nähe zu Neugeborenen, damit sich die Babys dadurch geborgen fühlen und damit sie einen guten Bezug zu ihren Eltern haben.

Jacqueline Kaspar

Geboren: 3.10.2000 in Graz. Arbeitet seit 2019 bei Randkunst Lieboch.

Sie schreibt gerne Horrorgeschichten, aber auch Texte zu den unterschiedlichsten Themen.

Ihr ist es wichtig, ihrer Fantasie freien Lauf lassen zu können.

Sie veröffentlicht auch selbständig Texte auf „Watt-Pad“.







Die Menschen brauchen…

von Jan Gölles

Nähe heißt, der Mensch ist für den anderen da.

Wenn man in die Natur geht, sieht man auch Nähe.

In den Schulen und in der Arbeit treffen sich Leute in den Pausen.

In den Bussen sitzen die Menschen auf ihren Plätzen zusammen.

Bei den Einkaufsgeschäften sieht man, wenn die Leute zum Tratschen anfangen.

Es gibt nicht nur körperliche Nähe.

Wenn man mit jemandem am Handy telefoniert, hat man keine körperliche Nähe.

Wenn Menschen im Homeoffice sind, hört man den anderen vom Computer aus zu.

Wenn man eine Beziehung hat, ist man zusammen, aber man muss nicht immer in der Nähe vom anderen sein.

Ich habe einen Bruder, aber wir sind nicht immer zusammen. Mein Bruder arbeitet in der Küche. Ich arbeite im Büro.

Bei den Arbeitskollegen ist es auch anders. Manche arbeiten im Büro, in der Küche, auf der Baustelle, beim Arzt oder Bäcker. Man ist nicht immer mit den Kollegen zusammen.

In Schloss Eggenberg mag ich die Pfaue.

Mir gefällt, wenn sie ein Rad schlagen. Die Männchen möchten die Weibchen damit anlocken, wie schön sie sind.

Wenn das Männchen das Weibchen beeindruckt hat, dann sind sie zusammen. Dann ist die Nähe immer da.

Das Gegenteil von Nähe ist die Entfernung.

Wenn man immer mit den gleichen Leuten zusammen ist, zieht man sich manchmal in einen ruhigen Raum zurück.

Man hat vielleicht einen anstrengenden Arbeitstag.

Am Telefon hat man sich mit einer anderen Person gestritten.

Im Büro hat der Chef geschimpft, weil man die Arbeit nicht gut gemacht hat.

Die Menschen haben so viele Unterlagen zum Unterschreiben, dass sie überarbeitet sind.

Das sind dann Beispiele, wo sich Menschen von anderen entfernen.

Eine Auszeit ist für Menschen auch sehr wichtig.

Die Menschen sollen sich immer Zeit nehmen zum Erholen.

Manchmal ist es gut, wenn man den Stress in der Arbeit vergisst.

Wenn man zu viel Menschennähe hat, kann man sich ins Schlafzimmer zurückziehen. Dann können sich die Menschen entspannen.

Es ist nicht gut, wenn man nur aufeinander pickt.

Ich finde Menschennähe wichtig.

Man ist dann nicht alleine.

Mit Freunden soll man weiter in Kontakt sein.

Die Freiheit soll man genießen.

Im Sommer kann man mit Freunden zusammen reisen.

Dann hat man auch menschliche Nähe.

Dann genieße ich meine Zeit mit der Familie.

Wenn es mir zu viel Nähe ist, ziehe ich mich in mein Zimmer zurück.

Dann kann ich viel besser entspannen.

Jan Gölles

Geboren: 16.4.1998 in Graz. Arbeitet seit 2019 in der Medienwerkstatt in Lieboch.

Ein aktiver, quirliger junger Mann, der sich schnell begeistern kann und dies auch in seinen Texten ausdrückt. Freude, Spaß, Familie und Freunde sind ihm sehr wichtig. Vor allem die Beschreibungen seiner persönlichen Erlebnisse zeichnen sich durch Detailreichtum aus und geben den Lesern oft einen sehr persönlichen Einblick in seine Lebenswelt.







„Wir sind eine Werkstatt für Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Wobei wir zwei Schwerpunkte haben: Den Medienbereich und den künstlerisch kreativen.“

Adele Schwingenschlögl und Nina Kulhanek von der Medienwerkstatt TWS/TFS Lieboch

Instagram: @randkunstlieboch

https://randkunst.at/randkunst/ueber_uns





Über #kkl HIER

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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