Kiril

Ella von Griener für #kkl17 „Begegnung“




Vorwort



Aber auch in der
Stille und in den
Sternenstunden der
Nacht, sind Räume
zum Frohlocken.





Lieber Kiril!


Weißt du, ich glaube Gott macht keine Fehler. Mit dem Einatmen werden wir zu Erdenbürgern und mit dem Ausatmen sterben wir. Jahr für Jahr zieht ins Land. Dabei ist jede Sekunde, jede Minute und jede Stunde eine andere. Genau wie jeder Tag. Und jeder Tag hält eine neue Chance für alle Menschen bereit. Daran glaube ich fest. Gerade in diesen Zeiten von Corona, wo das Leben stiller steht als zuvor, begreife ich, dass das Leben für jeden einmal endet. Man könnte meinen, das ist nur eines der Naturgesetze, die sich der Schöpfer ausgedacht hat. Es ist nicht so, dass ich das zuvor nicht wusste, aber ich habe dies zuweilen verdrängt, weil ich nicht daran denken wollte und wahrscheinlich auch, weil dieses Thema in dieser Gesellschaft viel zu oft tabuisiert wird. Das Gott existiert, steht für mich außer Frage. Naturgesetze sind auch physikalische Gesetze und alles im Himmel hat seine Ordnung. Hast du jemals gesehen, dass in der Vergangenheit, ein Stern vom Himmel gefallen wäre und das Gott nur einen Tag vergessen hätte, diesen anbrechen zu lassen? Dabei ist er gnädig und lässt die Sonne auf alle Menschen scheinen. Wie sieht es eigentlich mit unserer Ordnung und der Ordnung auf dieser Welt aus?
Zurzeit habe ich das Gefühl, dass die Welt sich im totalen Chaos befindet. Und ich denke mittlerweile auch, gerade in den jetzigen Zeiten, von Corona, dass das Leben in dieser Gesellschaft, seine Wertigkeit verloren hat. Es ist nicht wirklich etwas wert. Nicht nur, dass Menschen dahingerafft werden durch Corona. Nein, auch durch Folter, Krieg, Armut, Kriminalität und durch eine gewisse Art von massivem Einfluss von Außen und Fremdbestimmung, die nichts mit unserem Schöpfer zu tun hat, bei der man wohl anscheinend sein wahres Selbst nicht suchen und finden darf. Glaubst du, lieber Kiril, dass das Außen, durch unseren Ätherleib hindurch, versucht sich bis in das astrale Zentrum vorzudringen, um sich dort einzunisten?
Ich denke ja…
Dies könnte man auch als eine Speicherung, gepaart mit einer negativen Energie, als destruktive Speicherung bezeichnen.
Weißt du, lieber Kiril, ich glaube, dass wir nicht nur das verletzte, sondern auch das göttliche Kind in uns tragen. Nun aber zu einer anderen Sache. Seitdem ich hier in dieser Region lebe, ist mir an manchen Tagen und Wochen die Freude und das Lachen abhandengekommen. Wahrscheinlich auch, weil das hier wohl überwiegend, so würde ich meinen, etwas unüblich ist. Ich habe hier ein Lachen kennengelernt, bei dem die Art des Lachens eine Mischung aus Schadenfreude und Hass ist. So eine Art „Torlache“, die mitunter so hässlich klingt und in mir eine Schwingung erzeugt, die sich auch versucht, bis in mein astrales Zentrum vorzudringen.
An einem Sommertag im Jahre 2019, habe ich diese Torlache, mit meiner Art der Mimik und Gestik und der erinnerten, vergangenen Schwingung umgesetzt. Wenn ich lache, setzt automatisch danach mein wahres, herzliches Lachen ein. Ich betrachte dies auch als eine Art von Heillache. Manche Yogi-Lehrer versuchen Leute zum Lachen zu
bringen, weil dies Blockaden freisetzt, Ängste abfallen lässt und Kummer und Sorgen vertreibt. Man braucht nicht immer einen glanzvollen Grund, um zu lachen. Ich habe in der Vergangenheit gelacht und tue es auch heute noch gern. Zwar gab es auch Zeiten, in meinem Leben, in denen es nichts zu lachen gab. Aber das Leben besteht nicht nur aus Freude und Glück. Denn bei Gott hat alles seine Zeit. Und Leben ist nicht Stillstand sondern Veränderung. Ich gebe zu, dass ich an manchen Tagen zuweilen etwas übermütig war, nur der Freude wegen, dass ich lebe und wohl auch, weil mein inneres Kind es liebt zu spielen, zu tanzen und fröhlich zu sein. Warum sollte ich dies jetzt unterbinden?
Ein übrigens großer Wunsch von vielen, meinerseits ist der, dass du noch lange lebst. Nun Kiril, mittlerweile bin ich fast 51 Jahre. In deinen Augen bin ich noch jung.
An manchen Tagen weiß ich aber nicht so genau, ob die berechtigte und wahre Aussage aus deinem Blickwinkel heraus betrachtet, ihre wirkliche Berechtigung findet. Manchmal fühle ich mich durch zu viel Beschwerlichkeit sehr alt. An anderen Tagen allerdings, heiter zumute und ich strotze nur so vor Energie. Da hüpfe ich zuweilen, wie ein junges Reh durch die Gegend und lache aus vollem Herzen, bei dem sogar meine Augen mitlachen und leuchten. Auch wir haben gemeinsam gelacht und werden es auch weiterhin tun. Am Anfang unserer Zweisamkeit, hatte ich das Gefühl, dass du mitunter schon das Lachen verlernt hast. Ich erinnere mich noch, wie wir uns an einem Februartag im Jahre 2017 kennenlernten. Man könnte meinen, es wäre ein Zufall gewesen. Aber meinst du wirklich, es gibt einfach so nur Zufälle? Ich glaube, dass es bei Gott keine Zufälle gibt. Keine Begegnung, kein Gespräch, keine Beziehung etc., ist einfach nur ein Zufall. Zufall ist für mich, aus spiritueller Sicht, entweder eine wohlgemeinte Botschaft oder auch eine Lektion, aus der man lernen sollte. Ich weiß noch, wie ich vor dem Supermarkt stand und ich die Hälfte vom Eingekauftem aufhob, weil ich den Einkaufstrolly mit einer zusätzlichen Tüte überladen hatte. Dann stellte ich mich an die Straße und hob den Daumen und bei jedem Taxi, dass in längeren Abständen an mir vorbeifuhr, hoffte ich, dass es anhalten würde. Irgendwie funktionierte das aber nicht, bis mir einfiel, dass ich mich nicht wirklich mehr in Berlin befand, sondern nun in Brandenburg und hier andere Gepflogenheiten herrschen. Also könnte man sagen, dass eine latent, verblasste, kurzzeitige Speicherung, auf kognitiver Ebene in meinem Inneren noch nicht erloschen war.
Dann kamst du vorbei und halfst mir. Übrigens Kiril, fand ich es schon sehr „sportlich“, dass eine von deinen hochbetagten, sehr intellektuellen und netten Frauen aus dem Orchester außer Dienst, der Meinung war, dass ich dies vor dem Supermarkt nur inszeniert hätte, weil ich angeblich wusste, dass du dort vorbeikommen würdest und ich dich „einlullen“ wollte. Das hatte sie lange vor der Corona-Zeit behauptet. Sie hat es nicht nur behauptet, nein sie war sich völlig sicher. Als ich dies hörte, musste ich zuerst lachen. Dann aber nach einer kurzen Empörung meinerseits, dachte ich mir, ob ihr im Allgemeinen, ein Besuch bei einem „Facharzt“ wohl sehr guttun würde. Auch dass ich eine „Bordsteinschwalbe“ gewesen wäre, nur weil ich am Kudamm, besser gesagt, in einer Seitenstraße vom Kudamm wohnte, fand ich nicht nur empörend. Das hat die andere „hochkultivierte“ Frau B… mit schwarzem Haar behauptet. Entweder hat sie eine Bildungslücke und hat den Kudamm mit der Kurfürstenstraße verwechselt oder sie hatte andere persönliche Motive, dies zu behaupten.
In jedem Fall wäre diese Aussage ihrerseits, besser gesagt diese Behauptung, ein „Fall“ dafür gewesen, rechtliche Schritte gegen Frau B… einzuleiten. Ich habe sie Brigitte getauft, weil ihr eigentlicher Name etwas schroff und für meine Ohren merkwürdig klingt. Wie sehr man mich verletzt hat. Ich will jetzt nicht wieder alles aufzählen. Übrigens, lieber Kiril, ich hatte mal den Wunsch Schauspielerin zu werden. Ja ein Wunsch, der sich bis jetzt noch nicht erfüllt hat. In Berlin hatte ich noch gute Aussichten, irgendwie-aber seitdem ich hier bin, ist dieser Wunsch immer mehr verblasst. Es gibt ein Sprichwort: „Umgang formt den Menschen“. Manchmal zerplatzen Träume, aber auch weil andere alles daransetzen, dass die Träume nicht wahr werden. Aus Gründen von Missgunst, Hass und Neid. Das Leben ist kein Eigentum anderer. Scheinbar wissen das viele Menschen und Kreaturen, auf dieser Welt jedoch nicht. Statt sich dieses Credo zu verinnerlichen und zu akzeptieren, meinen sie, sie könnten über andere bestimmen, sie manipulieren und sie verletzen, nur um den eigenen Selbsthasses und des eigenen verkehrten Lebens wegen. Auch aus einer Art Unzufriedenheit heraus. Ich frage mich, warum?
Vielleicht gab es jemand, der ihnen sehr weh getan oder gar verletzt hat. Also haben sie ihren Seelenhass noch nicht gereinigt, nicht einmal damit angefangen, ihn zu reinigen. In den letzten Tagen plagen mich wieder verblasste, alte, unbegründete Ängste. Doch ich lasse diese zu und heiße sie willkommen. Manchmal frage ich sie auch: „Was wollt ihr mir sagen?“.
Ich glaube auch, dass wir nicht das Geburtsrecht auf Glück haben. Was lieber Kiril ist eigentlich Glück? Glück ist für jedes Individuum etwas anderes. Doch aus meiner Sicht ist Glück innerer Frieden. Deshalb ist es auch völlig sinnlos, dem Glück hinterherzujagen. Man kann dem inneren Frieden auch nicht nachjagen, sondern ihn anstreben. Erst müssen wir lernen, das Böse mit dem Guten zu überwinden und zu vergeben, dann werden wir den inneren Frieden erreichen und somit auch Glück. Auch habe ich neulich darüber nachgedacht, dass ich nicht wirklich zu dieser Gesellschaft gehöre. Nun diese Gesellschaft besteht bedauerlicherweise auch aus verschiedenen Gliedern. Aber ich rede von einer Gesellschaftsform in der Gesellschaft, die da meinen, Gott wäre eine Einbildung und Christen wären alle krank oder gar verrückt. Oder wie Nietzsche einst meinte: „Gott ist tot“. Christliche Hilfsorganisationen zum Beispiel, prangern Christenverfolgung in fernen Ländern an. Doch was ist das eigentlich, wenn man in Europa, speziell auch in Deutschland behauptet, dass Gott eine Einbildung wäre und Christen krank oder verrückt seien. Dies ist auch eine andere Art der Christenverfolgung, wie ich meine, in Bezug auf Verletzung der Menschenwürde und der Ausgrenzung. Wie können solche Kreaturen Akzeptanz und Respekt einfordern und dies mitunter sogar mit allen Mitteln, wenn sie nicht mal in der Lage sind, warum auch immer, andere Menschen zu akzeptieren und auch zu respektieren. Dieser Skandal in der katholischen Kirche zum Thema „sexueller Missbrauch“ ist keinesfalls für gut zu heißen. Nur verstehen Leute, die Gott belächeln nicht, dass die katholische Kirche, Millionen Mitglieder hat und nicht alle Ordensträger, Kinder sexuell missbrauchen. Wie ich in den Medien hörte, dass wochenlang darüber berichtet wurde, war es für mich so, als ob etwas ihrerseits mitschwang, dass es keinen Gott gibt und sie somit ihre Bestätigung hätten. Andererseits hat man vergessen, oder ist sich selbst darüber nicht im Klaren, dass es außerhalb der Kirche viele, viele Fälle von sexuellem Missbrauch gibt, bei denen auch manche Richter, die Täter, aus Mangel an Beweisen freisprechen und manche Opfer sich nicht „outen“ aus Scham und aus Angst vor einer Stigmatisierung, beziehungsweise Orientierung. Die Dunkelziffer ist hoch. Auch fällt mir ein, die Kinderpornografie außerhalb der Kirche. Nun zu Corona-Zeiten hat die Politik, so eine Tat, ja immerhin, als sexualisierte Gewalt eingestuft oder zumindestens so benannt. Aber im Grunde genommen, ist das eine Vergewaltigung in den ersten Lebensjahren eines Kindes, und somit eine Speicherung, die erst einmal das Kind prägt. Leider identifizieren sich „Opfer“ später mit dieser „Speicherung und Energie“, was oft Auswirkungen hat, wie zum Beispiel: Borderline, Angststörung, Psychosen, Depressionen etc. Dabei wissen sie nicht, dass dies eine Speicherung im Unterbewusstsein ist.
Ich habe nie verstanden, dass man bestimmte „Fälle“ nur der Orientierung wegen, in bestimmte Schubladen packt. Dabei verstehen diese Kreaturen aber nicht, dass sie somit nicht nur Menschen begrenzen, sondern dass man ihnen das Selbstwertgefühl nimmt und somit in Kombination dessen verhindert, dass sie sich frei entfalten, ja über sich selbst hinauswachsen können. Stigmata heißt ins Deutsche übersetzt Wundmal.
Gerade pfeift der Wind fast peitschend und fegend, über den Bahnhofsplatz. Ich sitze wie so oft, vor meinem Lieblingscafé und erinnere mich gerade daran, dass einige Leute aus deinem Orchester außer Dienst behaupten, als ich vor einiger Zeit in dem schönen Restaurant „La Mare“ saß, dass ich nur dort gewesen wäre, weil ich mir einen anderen Mann angeln wollte. Wieder eine Lüge oder gar eine Verleumdung. Ist es als Frau verboten, allein in ein schönes Restaurant zu besuchen, um dort zu essen und zu trinken? Sie wussten wahrscheinlich nicht, dass ich auch dort bin, um zu schreiben.
Ich weiß noch was es für Getuschel und Getratsche über unsere Zweisamkeit gab, bezogen auf unseren Altersunterschied.
So etwas stößt in dieser Gesellschaft überwiegend auf Feindseligkeit. Und dann wird bei „denen“ nach Gründen gesucht, warum das so ist. Eine der Antworten, lag an einem Tag, auf deinem Orchesterstuhl, als sich Frau B… aus dem „Orchester außer Dienst“, gedacht hat, einige Romanseiten abzukopieren, aus einem Buch, in dem es um eine junge Frau ging, die sich des Geldes wegen, einen alten Mann nahm, um noch ein Kind zu zeugen und eine unvermeindliche Hochzeit anzustreben. Dabei sollte diese Schilderung der jungen Frau, in diesem Roman, in dem ich ja nicht beschrieben worden bin, ihrer Meinung nach, aber genau auf mich zutreffen. Anscheinend wusste Frau B… aber nicht, dass ich mit 28 Jahren sterilisiert worden bin, weil meine Kinderplanung mit 3 Kindern, die ich zur Welt brachte, somit abgeschlossen war. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass sie je einen Einblick in einen deiner Kontoauszüge gehabt hätte. Vielleicht denkt sie, dass du ein reicher Mann wärst. Damals habe ich diese ab kopierten Romanseiten, auf dem Fenstersims gelegt, die zuvor wieder eine der vielen Turbulenzen bei uns auslösten. Mein ehemaliger Schauspiellehrer und damaliger Chef einer Schauspielschule in Berlin, besuchte mich in Brandenburg und bemerkte, dass ich müde und völlig ausgelaugt aussah. Wortlos gab ich ihm die Kopien. Seine Antwort war, nachdem er die Kopien las:
„Das bist aber nicht du!“. Niemals hat sie sich für nur einer ihrer abstrusen Behauptungen, bei mir entschuldigt.
Siehst du Kiril, und gerade bei so einer Frau, wie Frau B…, fällt es mir schwer, in ihrer Seele noch Fragmente ihrer Schönheit zu sehen, beziehungsweise zu entdecken. Wie wird ihr eigentlich das Buch „Brandenburg-City“ gefallen haben, nachdem dein Orchesterkollege vom „Orchester außer Dienst“ ihr dieses Buch, auf ihre Bitte hin, weitergegeben hat. Übrigens fand ich diesen Orchesterkollegen sehr nett, auch weil er dich vor den Proben abgeholt und nach den Proben nach Hause gefahren hat. Na gut, es ist so wie es ist und ich nehme dieses Leben hier und in dieser Stadt und die damit vergangenen „Turbulenzen“ an. Beten ist übrigens auch für diesen „Fall“ eine gute „Leibesübung“.
Ich weiß noch, wie ich dich vor einigen Wochen nach Potsdam ins Krankenhaus brachte. Als ich die Heimfahrt nach Brandenburg, dieses Mal, allein ansteuerte, las ich auf einem Schild, in der Nähe des Krankenhauses: „Dankbarkeit ist die beste Erinnerung“. Ich setzte mich auf eine Bank und brach in Tränen aus. Ich betete: „Lieber Gott, hilf, dass Kiril wieder gesund wird und nach Hause kommt. Ich werde für ihn da sein“. Nun bist du schon viele Monate wieder zu Hause. Oft sorge ich mich um dich. Ich finde du solltest dich mehr bewegen. Und ich hoffe, dass du wirklich noch einige Jahren leben wirst. Dasselbe wünsche ich auch mir. Was morgen ist, weiß ich nicht. Aber vielleicht sollte man lernen „im Hier und Jetzt“ zu leben, ohne sich in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu bewegen. Außer man hat für die Zukunft Wünsche, die nicht nur Wünsche sind, sondern auch schöne Ziele, die einen Sinn und Freude im Leben ergeben. Träumen ist auch übrigens etwas Schönes. Doch weiß ich schon gar nicht mehr, wie schön Träumen ist. Oft begebe ich mich in die Stille, um lautlos zu hören, was mein weiterer Abschnitt meines Weges sein könnte.
Ich sitze immer noch auf der Bank, obwohl ich längst schon zu Hause sein müsste, mit unseren Köstlichkeiten, die ich eben eingekauft habe. Wie immer sitze ich auf der Bank gegenüber der Güterabfertigung. Dieses Mal auf der rechten Seite. Auf der linken Seite sitzt gerade ein Mann, der sich ein Bier geöffnet hat. Er schaute gerade zu mir rüber und sah, wie ich nachdachte und dabei schrieb. Wortlos nahm er einen Schluck von seinem Bier und starrte sehr nachdenklich und sogar auch etwas traurig, wie ich meine, in Richtung Straße.
Bevor ich nun endlich nach Hause komme, genieße ich noch, hier auf der Bank, die Herbstsonne, die gnädig mit ihren Strahlen mein Gesicht streichelt. Inzwischen ist mein Kaffee, der immer noch fast unberührt, neben mir steht, kalt geworden. Wenn du jetzt diesen Vorabendhimmel, mit mir zusammen genießen könntest! Bald wird sich dieser schöne, klare, azurblaue Vorabendhimmel in den Abendhimmel verwandeln. Sicherlich wirst du schon warten. Aber dies ist hier und heute ein Ort der Stille, zum Frohlocken im Hier und Jetzt. Ich empfinde einen tiefen Frieden in mir und könnte so noch eine Zeit hier ausharren. In diesem Moment danke ich für den Tag, der nun bald die alten Kleider ablegen wird. Und ich danke auch für dich, für unsere Auf und Ab´s und auch für deine Schattenseiten, die sich ab und zu mal bei dir zeigen. Ich weiß nicht was der Morgen bringt…
Aber ich hoffe, auf eine gute Lebenszeit, auch noch mit dir. Jedenfalls hat dich Gott schon jetzt reichlich an Jahren gesegnet. Und ich möchte dir sagen, dass du trotz deines Alters,
immernoch ein begnadeter Geigenspieler bist. Sicherlich lässt die Kraft im Alter etwas nach und man hat nicht mehr diese Fingerfertigkeiten, wie ein junger Profigeiger.
Aber ich höre es nach wie vor sehr gern, wenn du auf der Geige spielst und ich glaube auch, dass eine von deinen Formationen sich riesig freut, wenn du zu den Proben erscheinst, um mit ihnen zusammen zu musizieren.
Nun umgibt mich ein Gefühl der Vorfreude auf zu Hause. Trotzdem zünde ich mir noch eine Zigarette an, obwohl das nicht gesund ist. Zu Recht hasst du es, wenn ich rauche. Jetzt habe ich meine Zigarette aufgeraucht und begebe mich nun endlich auf den Weg nach Hause. Ich schlendere auf dem Weg am Friedhof vorbei und kann von weitem schon fast den Abendhimmel bestaunen, der sich bald hinter den Bahngleisen in seiner ganzen Pracht der Nacht, offenbaren wird. Einige Menschen passieren meinen Weg und starren mich an. Eine Frau richtet sich die Haare.
Jetzt bin ich schon vor deiner Haustür. Wieder einmal suche ich die Schlüssel, die ich dieses Mal in das linke Seitenfach meiner Tasche getan habe, zwischen einem Notizbuch und einer Minipapierbibel mit einigen Sprüchen und Versen, in A5.
Ich öffne den Hausflur. Ein Geruch von altem PVC, abgestandenen Parfüm und Braten schwebt durch das Haus. Ich gehe die Treppe hinauf, schließe die Wohnungstür auf und merke, du hast schon auf mich gewartet. Auch mein Sohn, der extra vorbeigekommen ist, um die morgige Renovierung deiner Küche vorzubereiten. Ich sehe dich schon im Flur. Du kommst zur Tür: „Wo warst du denn so lange?“.


Wir dürfen und können
auch frei sein, trotz der
einst verfehlten Lebensspur und
über uns hinauswachsen.





Ella von Griener, geb. am 23.04. 1971 in Brandenburg a. d. Havel.
Mehrere Teilnahmen an Anthopologien (Gedichte). Derzeit vier Veröffentlichungen, unter anderem: „Philosophische Verse und Gedanken“, „Auf dem Weg zum Seelengrund“, „Auch Luna scheint…“ und „Brandenburg City“. Des Weiteren ein Gedicht beim Grasnick Literaturwettbewerb verewigt „Im Auge des Dichters“.
Meine nächste Veröffentlichung erfolgt Ende Mai: „Die Hoffnung im Sonnenblumenregen“. Seit ca. sechs Jahren wieder in Brandenburg wohnend. Davor in Berlin, Göttingen und Oberstaufen







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Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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