Heilsame Begegnung

Christina Maria Hesse für #kkl17 „Begegnung“




Heilsame Begegnung

Ein Mann betritt das Wartezimmer meiner Hausärztin. Ich schaue zu meinem Ehemann Uwe, der neben mir sitzt und sehe wie er plötzlich unruhig wird. Mein Blick fällt auf den Mann der uns gegenüber Platz  genommen hat. Mein Herz rast, ich werde kreidebleich, Uwe nimmt meine Hand und zieht mich raus auf den Flur.

Nicht in Ohnmacht gefallen zu sein ist ein Wunder. Der Mann? Wer ist dieser Mann?

Zuhause angekommen habe ich den Mann vergessen. Uwe hat Wochen später in der Stadt zu tun, kommt aufgeregt wieder nach Hause zurück und berichtet mir von der erneuten Begegnung mit diesem Menschen.

„Christina, ich habe diesen Mann aus dem Wartezimmer wiedergesehen und ihn angesprochen. Er war mit seiner Frau unterwegs. Wiedererkannt hat er mich sofort.

Die beiden leben wie wir in Olsberg und sind sehr nett und aufgeschlossen. Der Mann war erschüttert zu hören warum wir das Wartezimmer verlassen haben.

Wir hatten eine angeregte Unterhaltung. Er ist ein guter Mensch, du musst keine Angst haben.“

Es ist unglaublich und auch nach den Worten von Uwe ist es schwer für mich diesen Mann in meine Gedanken zu lassen.

Wieder vergeht einige Zeit, ich denke nicht mehr an diesen Menschen.

An einem sonnigen Sonntag sitzen Uwe und ich mit meiner Tochter im Café unserer Stadt. Wir genießen Kaffee und Kuchen, unterhalten uns und haben Spaß. Es ist angenehme Luft im Raum und nicht so heiß wie draußen.

Als wir das Café verlassen, sitzen dieser Mann und seine Frau im Außenbereich unter einem Sonnenschirm und lassen sich den Kaffee schmecken.

Mein Blick fällt auf diesen Mann. Meine Tochter wird kreidebleich und will etwas sagen. Es wird zu einem unverständlichen Gestammel. Sie sieht abwechselnd zu dem Mann am Tisch und in mein Gesicht.

Uwe beobachtet die Situation genau. Später sagte er mir das er Sorge hatte ich könnte umkippen.

Zunächst stehe ich da wie angewurzelt. Der Mann steht auf und schaut mich an.  

In meinem Kopf rattert es. Wie ist das möglich? Ich gehe auf den Mann zu und schlinge meine Arme um ihn.

Er umarmt mich ganz fest und sagt mit fester und lauter  Stimme:

„Mich gibt es auch in Gut!“  

Meine Tochter verändert ihren ängstlichen Blick. Sie kann ihr Staunen nicht verbergen. An meiner Reaktion und der Gelassenheit von Uwe erkennt sie die Gefahrlosigkeit der Situation. Sie sieht es geht ihrer Mutter gut und kommt näher. Sie gibt dem Mann ihre Hand und sagt:

„Es ist so unglaublich!“

Meine Einladung zum Kaffee zu uns nach Hause nehmen der Mann und seine Frau gerne an.

Dieser Nachmittag rückt näher, ich bin so aufgeregt.

So sitzen wir vier am Tisch. Ich bin sehr ergriffen und gleichzeitig erstaunt diesem Mann, er heißt Heinz, zuzuhören.

Seine Stimme ist warm und herzlich, so wie der gesamte Mensch der mir da gegenüber sitzt. Seine Lebensgeschichte ist spannend mit Gegensätzen zu meiner Biographie. Auch er hat schlimme Dinge erlebt die seine Seele belasten.

Sein Lächeln und seine positive Lebenseinstellung machen ihn für mich zu einem sehr sympathischen Menschen. Seine Geduld und  Fähigkeit mir zuzuhören und einer „Fremden“ gegenüber dieses Verständnis aufzubringen, ist ein Geschenk für mich und macht mich glücklich.

Seine Frau Birgit ist ein ebenso warmherziger Mensch wie Heinz.

Ich spüre die Liebe die diese beiden Menschen verbindet.

Mein Glück kann ich kaum fassen.

Diese Begegnung ist so viel wertvoller, als alle Gespräche vorher bei einem Psychologen.

Seit Jahren verfolgen mich Traumata, verursacht durch meinen früheren  Ehemann. Er hat meine Tochter wie mich viele Jahre psychisch gequält und sehr schlecht behandelt. Ich hätte diesen schrecklichen Mann verlassen müssen!

Wegen seiner  Nierenkrankheit mit Dialyse ließ es mein Gewissen nicht zu fortzugehen.

In guten und schlechten Zeiten zu ihm zu stehen, dazu hatte ich mich bekannt. 

Vielleicht war es auch nur meine Mut und Kraftlosigkeit diesen Tyrannen zu verlassen.

So vergingen viele schlimme Jahre die einen großen Schaden auf meiner Seele verursacht hatten.

Meine Tochter zog bereits mit 14 Jahren aus um dieser Qual zu entkommen. Ein neues Leben, raus in die Ferne, das sollte Schutz für sie sein.

Ich blieb in Warendorf und ertrug die Gemeinheiten eines schrecklichen Menschen  noch einige Jahre.

Ich vermisste meine Tochter, war zugleich froh dass ihr dieses Zuhause nun erspart blieb.

Mein Peiniger starb, meine Qual war selbst nach seinem Tod nicht vorbei. Die Erinnerungen an diese Zeit, diese Vergangenheit ließen mich nicht los.

Träume und Angst begleiteten mich Nacht und Tag. Lachen hatte ich verlernt.

Glücklich sein kannte ich nicht.

Meine Tochter hatte sich inzwischen ein gutes Leben in ihrer neuen Heimat aufgebaut und bestärkte mich darin es auch zu versuchen.

So zog ich um in Nähe meiner Tochter nach Olsberg und gewann Abstand zur Vergangenheit.

Das schöne Sauerland brachte mir Ruhe, Zufriedenheit und eine große Liebe.

Durch die Liebe von Uwe, der meine Geschichte kannte und meine Seele verstand wurde besser. Sein Heiratsantrag war etwas Großes und schönes für mich. Nun war ich angekommen in einem glücklichen Leben. Die Erinnerungen verschwanden zwar nie, aber ich war nicht mehr allein damit.

So denke ich immer wieder an eine wundersame Begegnung im  Wartezimmer meiner Hausärztin.

Ich schaue auf das Gesicht und auf die Statur eines Mannes der mir dort gegenüber Platz nahm.

Dieser Mann, dieser wundervolle Mensch, der dem bösen Narzissten aus vergangenen Jahren so unfassbar ähnlich sieht!

Selbst Uwe der nur Fotos aus dieser Zeit kannte, sah sofort die extreme Ähnlichkeit.

Die Begegnung mit Heinz, seine Stimme, seine Art, das Gute welches dieser Mann ausstrahlte waren für mich Medizin und Therapie.

Diese Begegnung!

Mich gibt es auch in Gut, hat sich wie ein Pflaster auf meine Seele gelegt.

Nun begegne ich Heinz und Birgit des Öfteren, winke mal von weitem und schicke ein Dankeschön in den Himmel für diese Begegnung.






Mein Name ist Christina Maria Hesse, ich bin 61 Jahre alt und lebe im schönen Hochsauerland in Olsberg. Im April 2016 lernte ich meinen Traummann kennen. Acht Monate später waren wir verheiratet. Mein größtes Lebensglück heißt Uwe.
Schreiben ist meine Leidenschaft, mein erstes Buch „55 Plus 1“ ist seit Dezember 2017 im
Buchhandel erhältlich. Es folgten zwei weitere Bücher (Hansi und Jo – 2019, VORIS – 2021)
sowie Geschichten für einige Anthologien bekannter Verlage.





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Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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