Frei atmen im Morgen

Thomas Faßbeck für #kkl19 „aufrichten“




Frei atmen im Morgen

Diese Angst, diese Verzweiflung beim Gedanken, die alten Tage könnten wiederkommen und die alte kalte Einsamkeit und Nacht sich wieder breitmachen!

Die Vergangenheit ist ein schwarzes eisiges Grab, zum Ersticken eng. Kann sie dich einholen? Kann dich irgendetwas in sie zurück zwingen?

Es beruhigt und tröstet die Gewissheit, dass jeder neu anbrechende Morgen nicht Gestern sein kann, und jeder Schritt nach vorne nicht nach hinten geht.

Laufe nach vorne, ins Morgen hinein! Nur beim Laufen nach vorne kommt dir genug Luft entgegen, um frei atmen zu können. –

In deinen Nüstern nun die Wärme, und vor dir das Licht des immer anbrechenden Tags.

Es gibt Heimat weit vor der Angst

Und wenn du am Ende doch nach Hause kommst: Du siehst dich selbst wieder die staubigen Kinderwege entlanggehen, erkennst die Steine darauf und streichelst sie zum Wiedersehen mit dem Blick. Siehst alles wieder, den Bach und die Bäume, die bunten Unkräuter am Rand des Wegs, riechst sie, fühlst sie wieder ab mit deinen Händen, die nun klein, frisch und schön sind.

Dann sind die Krater in deinem Magen, welche die Angst der späteren Zeit in allen seinen Winkeln eingesaugt hatte mit eisernen, kalten Rüsseln, wieder verschwunden, sie sind von dir genommen, und sind wiederaufgefüllt mit der uralten Wonne deines eigenen Morgens.

Wenn Schmerz wieder leben lässt

Um wieder zu leben, muss der Schmerz der Trauer oft ganz durchlitten werden.

Wer voll und ganz ausatmet, kann danach voll und ganz wieder einatmen.

Erinnern macht im Innern neu

Rückerinnern in der Trauer ist ein schöpferischer Vorgang: man sieht mit den Augen dessen, der man jetzt ist, durch die Augen dessen, der man früher, in der erinnerten Situation, gewesen war. Und in diesem durch zwei Augenpaare Sehen verschmelzen das eigene Heute mit dem Früher, das Neu mit dem Alt zu etwas noch nicht Dagewesenem, vielleicht Einmaligem.




Thomas Faßbeck ist approbierter psychologischer Psychotherapeut und arbeitet seit 30 Jahren an Fach- und Rehabilitationskliniken vornehmlich im Bereich der Schmerztherapie und Bewältigung chronischer Erkrankungen. Er wurde 1958 in Karlsruhe geboren, wuchs im südhessischen Raum auf und lebt seit seiner Jugend an der badischen Bergstraße. Erste Versuche, Geschichten zu schreiben, machte er schon als Junge. Im späteren Erwachsenenalter realisierte er „Zwiefalt“, sein erstes Romanprojekt.

Mitglied der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren e.V. (IGdA) und des Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen e.V.(BVjA).

BISHERIGE VERÖFFENTLICHUNGEN:

Als junger Erwachsener Beiträge in der Schülerzeitung „Das Trojanische Pferd“, Albertus-Magnus-Schule, Viernheim/Hessen:

‚Diese Gesellschaft ist gestorben…‘, Lyrik, Ausgabe 6/1977

‚Die kapitalistische Meßlattengesellschaft oder „was uns kaputtmacht“‘, Essay, Ausgabe 1/1977

‚Sozialismus- zwei Darstellungsversuche, von B. Koch und Th. Faßbeck‘, Essay – Kontroverse, 5/1976

‚Das Brot des Einfachen‘, Parabel, Ausgabe 3/1976

In IGdA aktuell (Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik), 46. Jahrgang 2022, Ausgabe 1:

‚Fallen in die Nacht‘ (Lyrik) und

‚Reise zum Orionnebel‘ (Prosa)

In IGdA aktuell (Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik), 45. Jahrgang 2021, Ausgabe 1:

Textprobe aus dem unveröffentlichten Roman „Zwiefalt“.







Über #kkl HIER

Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin und ZeitenGeist Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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