LOSLASSEN…

Aus der Medienwerkstatt der Lebenshilfen Soziale Dienste GmbH
für #kkl27 „Loslassen, Weglassen, Unterlassen“




Sterben

von Claudia Robnig

Da müssen wir langsam runtergehen.

Die Stiege runter,

die braune Stiege

bei mir daheim.

Ich wünsche mir einen Stern,

einen Stern, ein Sternchen.

Sternchen ist oben.

Meine Oma ist ein Sternzeichen.




A Bleamerl sitzt gaunz aloan

von Florian Haider

A Bleamerl bei da Stroß‘n am Roan

Sitzt verloss’n gaunz aloan.

dann geht da Bua zum Bleamerl hin,

und frogt sich, wos hat es für an Sinn?


Wal sie so elend do liegt,

und sich nit mehr vom Bod‘n riat,

gibt da Bua a Streißerl zu ihr

es tuat eam allmählich so schiach.


Und heart sie in letzter Stund

wias Wasserl schean rinnt

und auf da Alm ana sei Liad singt

und deckts daunn langsam mit da Erd’n zua

hot das Bleamerl für immer ihr Ruah.


Waht da Wind no sanft übern Roan

Geht er mit sein Huat auf ihrn Grobstoan,

denkt an sie und geat in sei Tram

und fühlt sich bei ihr wia daham.




Klagemauer

von Jacqueline Kaspar

Mich nervt es jeden Tag, wenn man über Liebe und Beziehung spricht. Ich kann dieses Thema nicht mehr hören.

Was mich auch nervt, ist, wenn ich unten im Hof bin und meine Ruhe will, und einer meiner WG Kollegen fängt an, mich anzuquatschen.

Wenn ich meiner Mitbewohnerin sage, dass sie mit dem Müll gehen soll, sagt sie, dass sie in der früh geht, aber wenn ich in der früh aufstehe und ich sehe den Müllsack, denke ich mir, warum kann sie ihre Aufgaben nicht erledigen?

Was mich an anderen Menschen stört ist, wenn ich ständig umarmt werde, wenn meine Mutter oder mein Vater von mir einen Abschiedskuss auf die Wange wollen. Was mich noch nervt ist, dass mir Leute sagen, dass ich mir kein Tattoo stechen lassen soll. Sie meinen „was ist wenn es dir nicht mehr gefällt?“.

Was mich beim Fernsehen total stört, ist die Werbung, egal ob ich gerade YouTube oder meine Lieblingssendung ansehe, es kommt immer wieder Werbung und das immer, wenn es spannend wird.

An der Umwelt stören mich die Mücken. Wenn ich eine in meinem Zimmer habe, erledige ich sie mit diesem Vandalspray.

Was mich momentan an der Umwelt stört ist der Klimawandel. Mal ist es heiß, dann kühlt es ab und dann regnet es.

Was mich an mir selber stört, sind meine Narben, die ich auf meinem ganzen Körper habe. Ich bereue es heute noch, dass ich mir die Narben selber zugefügt habe.

Bei der Arbeit nervt mich nur eines: Wenn ich gerade mitten in der Arbeit bin, und dann meine Arbeitskollegen kommen und irgendetwas von mir wollen. Ich mag das überhaupt nicht, wenn ich gerade bei der Arbeit bin und ich dabei gestört werde.

Mich nervt es extrem, von meinen Problemen geplagt zu werden.




Altern

von Johanna Tappler

Langsam gehen. Ich habe weißes Haar wie Oma und Uroma.

Mein Urgroßvater mütterlicherseits war schon sehr alt.

Ich habe ein Gedicht über meinen Urgroßvater mütterlicherseits aufgeschrieben.

Äußerlich wird man mehr empfindlich, zum Beispiel die Haut, und man kriegt manchmal auch schon Alzheimer.  

Jugend bedeutet für mich, der Übergang von Kindheit zum Erwachsenenalter.

Ein junger Mensch ist lebendig, gesund und ideenreich, und voller Taten. 

Ein junger Mensch ist erst in der Mitte seines Lebens, ein alter Mensch ist schon gegen Ende seines Lebens. Der Herr bestimmt das Ende unserer Lebenszeit. Auch ihren Anfang.   

Ab 100 Jahren ist jemand für mich schon alt, oder 200 Jahre.

Die Weisheit ist bei alten Frauen besser. Meine verstorbene Großmutter mütterlicherseits war eine kluge Frau aber auch die väterlicherseits, die noch lebt. Das Hören, manchmal auch das Sehen, lassen nach. Auch bei alten Tieren, wie zum Beispiel bei den Vorvorgängern unseres heutigen Hundes, er ist schon fast blind. Er wurde deshalb leicht sauer auf seinen Nachfolger.

Die Pension und nichts mehr tun! Falls es die noch gibt: Grenzlose Freiheit! Hoffentlich nicht vorher blind werden. In meiner Familie ist zwar niemand blind, aber durch eine Krankheit oder einen Unfall kann man blind werden. Dass die Organe noch gut funktionieren (es kann auch eines mal nicht richtig funktionieren, bloß nicht das Herz!).

Das Alter kann kommen, I’m ready!




Medienwerkstatt Lieboch


Claudia Robnig

Geboren: 21.11.1981 in Unterpremstätten.

Arbeitet seit 2012 in der Medienwerkstatt in Lieboch.

Sie liebt das Abschreiben und Ordnen. Ihre Gedanken sind sehr stark mit ihrem Alltag verwoben. Diese drückt sie sowohl durch gemalte Bilder, alsauch in ihren Texten aus. Ihre Aussagen werden auf Band aufgenommen und dann für sie abgetippt.



Johanna Tappler

Geboren: 1.6.1990 in Deutschlandsberg. Arbeitet seit 2011 in der Medienwerkstatt Lieboch.

Ihre Gedanken kreisen um die Welt und um alles, womit man sich auseinandersetzen kann. Sie liebt Sprachen, fremde Länder und Kulturen.

„Ich bin sehr schreibbegeistert. Ich phantasiere gern, und nehme mir bei meinen Geschichten auch gerne reale Vorbilder. Mir ist wichtig, fröhlich und gut zu leben und anderen Freude zu zeigen.“



Jacqueline Kaspar

Geboren: 3.10.2000 in Graz. Arbeitet seit 2019 bei Randkunst Lieboch.

Sie schreibt gerne Horrorgeschichten, aber auch Texte zu den unterschiedlichsten Themen.

Ihr ist es wichtig, ihrer Fantasie freien Lauf lassen zu können.

Sie veröffentlicht auch selbständig Texte auf „Watt-Pad“.



Florian Haider

Geboren: 27.3.1987 in Graz. Arbeitet seit 2017 in der Medienwerkstatt Lieboch

Malt und musiziert gerne. Zum intensiven Schreiben ist er durch die Medienwerkstatt gekommen. Ihm ist wichtig, dass die Arbeit Freude bereitet und er hinter dem stehen kann, was er macht. Schreiben ist für ihn Freude, Trauer und befreiend.




Mit Initiatorinnen: Adele Schwingenschlögl und Nina Kulhanek

www.lebenshilfen-sd.at

www.randkunst.at






Über #kkl HIER

Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin und ZeitenGeist Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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