Hinter der Tür

Philip Borgwaldt für #kkl28 „Dahinter“




Hinter der Tür

Nach insgesamt 8 Stunden, des mehr oder weniger lehrreichen Unterrichts, ist der Schultag endlich vorbei. Zusammen mit meinem besten Freund Nils und meiner Ex-Freundin Lea bin ich mit der Bahn nach Hause gefahren. Eine sehr unangenehme Konstellation. Während Lea und ich zusammen gewesen waren, hat Nils Gefühle für sie gehabt und ist deswegen regelmäßig vor Anderen über mich hergezogen. Doch konfrontiert habe ich ihn nie. Er hat es zu dem Zeitpunkt schon schwer genug gehabt. Manchmal muss man Menschen auch was durchgehen lassen. Die Beziehung zwischen Lea und mir hat eh nicht besonders gut funktioniert und vor allem nicht besonders lange. Ich hätte ihr vermutlich mehr Aufmerksamkeit schenken können und mir vielleicht sogar Mühe geben sollen…Jedoch entschuldigt das auch nicht, dass sie sich in jemand Anderen aus meiner Klasse verliebt hat. Aus objektiver Sicht betrachtet, ist er tatsächlich die bessere Wahl gewesen! Wirklich sauer bin ich nur gewesen, weil ich nicht sauer geworden bin. Meine Freundin hat Gefühle für jemand Anderes, ich hätte sauer werden sollen. Tief im Inneren ist es mir irgendwie egal gewesen. In dem Moment ist mir klar geworden, dass ich nicht verliebt gewesen bin. Bin ich das überhaupt schon mal gewesen?

Und so fahren wir drei zusammen nach Hause, allein aus dem Grund, dass wir alle in dieselbe Richtung müssen…

Endlich bin ich Zuhause angekommen und öffne die Tür. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich das erste Mal die Tür zu unserer neuen Wohnung geöffnet habe. Äußerlich war und ist die Wohnungstür nichts Besonderes. Trotzdem war es damals, als ich sie das erste Mal öffnete, ein besonderer Moment. Ich habe gewusst, dies ist ein Neuanfang. Nicht nur für mich, sondern für meine ganze Familie. Es war nämlich die erste Wohnung ohne meinen Vater. Nach ihrer Trennung fanden weder mein Vaternoch meine Mutter eine neue Wohnung. Wir wohnten gezwungenermaßen von Oktober bis Dezember noch in derselben Wohnung und das obwohl sie bereits getrennt waren! Jeder kann sich vorstellen, wie das gewesen ist…

Diese Tür stellte also ein Neuanfang für meine Familie da. Sowohl für das Leben zu dritt, mit meinem Bruder, meiner Mutter und mir natürlich, als auch für meinen Vater. Mein Vater hatte nun die Chance, sich als Mensch neu zu definieren. Ich denke, unabsichtlich hat er oft den Trennungsärger an uns Kindern ausgelassen, was immer wieder zu großen Streits geführt hat. Zu dem Zeitpunkt habe ich das nicht verstanden, wie er das machen konnte, aber mittlerweile habe ich es kapiert. Ich denke, ihn hat die Trennung von meiner Mutter auf eine andere Art, einer schlimmeren Art wehgetan als ihr. Aber auch für mich war dieses Öffnen der Tür wie ein Neustart.

Nach der Sportschulewar ich wieder auf einer Schule, wo ich mich wohlfühlte und wo ich Spaß hatte. Vielleicht ja sogar ein bisschen zu viel Spaß, wie sich später noch zeigen sollte…, auch meine Interessen hatten sich allmählich geändert. Vom Fußball zu dem Schreiben von Kurzgeschichten und Texten. In gewisser Weise bin ich froh darüber, wie es bei der Sportschule lief. Wäre es anders gelaufen, hätte ich bestimmt dieser kreativen Seite in mir nie wirklich Beachtung geschenkt. Dabei ist doch genau dieser kreative Teil mittlerweile so wichtig für mich. Deshalb war Fußball danach nie wieder dasselbe für mich. Egal, wie oft ich es auch versuchte, weil ich einfach die ganz große Leidenschaft dafür verlor oder besser gesagt, sie durch eine neue Leidenschaft ersetzt wurde. Auch als Mensch hatte ich mich verändert. Durch die Trennung meiner Eltern, hatte ich gelernt, dass es immer zwei Seiten eines Konfliktes gab. Ich hörte seit dem Zeitpunkt mehr auf andere Menschen und ging viel offener mit ihnen um. Auch wenn es nicht immer leicht ist, bin ich froh, dass ich diese Tür geöffnet habe. Ich verstehe mich viel besser mit meinem Bruder und mittlerweile auch wieder mit meinem Vater. Ich denke, jeder hat sich durch diese Tür in das Positive verändert. Mein Bruder ist offener geworden und viel leichter im Umgang. Meine Mutter ist wieder glücklicher und mein Vater ist zufriedener mit sich selbst geworden. Jeder von ihnen hat aus dieser neuen Situation etwas gewonnen.

Ich zu guter Letzt, bin wie ein halbbeschriebenes Blatt, das entweder ein Happy End bekommt oder auf dem Weg zu einer ganzen Geschichte verloren geht.




Mein Name ist Philip Borgwaldt. Ich bin momentan 22 Jahre alt und lebe in Berlin. 
Das Hören von Musik und das Schreiben von Texten sind meine Lieblingsbeschäftigungen.
Oft wird die Stimmung meiner Texte von Musik inspiriert.






Über #kkl HIER

Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin und ZeitenGeist Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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