Falk Andreas Funke für #kkl29 „Zeit“
Krause, freischwebend in der Luft, für den Bruchteil einer Sekunde
Krause, freischwebend in der Luft, für den Bruchteil einer Sekunde. Das Sprungbein gestreckt, das Spielbein angewinkelt, beide Arme hochgerissen, zum Sonnengruß, in Siegerpose. Was ist geschehen? Krause, der soeben noch einen seiner Alltagswege ging, wurde gestreift – willkürlich, wie solches geschieht – vom Flügel eines kreuzenden Engels. In Krauses Brust lösten sich ein oder zwei Seelenpfropfen. Beim Einatmen empfing er einen Zug frischester Luft, einen Götterfunkengedanken. Daher der unbedachte Satz in die Höhe. Würde Krause fotografiert, jetzt, in diesem Moment, es bliebe ein reizendes, ungewöhnliches Bild: Das Sprungbein gestreckt, das Spielbein angewinkelt, beide Arme hochgerissen, zum Sonnengruß, in Siegerpose. Krause, freischwebend in der Luft, für den Bruchteil einer Sekunde.
Falk Andreas Funke, Autor aus Wuppertal, Jahrgang 1965. Brotberuflich seit 1982 in der Arbeitsverwaltung tätig. Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Seit 2001 Mitarbeiter des Satiremagazins ITALIEN, Wuppertal.
Bücher: Tier und Tor, 2004; Ballsaal für die Seele, 2010 (Gedichte, Turmhutverlag, Mellrichstadt), Krause, der Tod und das Irre Lachen, 2012 (kleine Geschichten, Verlag Thomas Tonn), Lausägefisch – Maritime Seelen 2022 (Gedichte, gemeinsam mit Jule Steinbach, Holzschnitte, Kunstbuch-Eigenverlag).
Eugen-Wolff-Literaturpreis der Fachschaft Deutsch, Christian-Albrechts-Universität Kiel, 2004. Erster Platz beim Bad Godesberger Literaturpreis, 2017.
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