Dramagie

Stephan Tikatsch für #kkl30 „Macht & Ohnmacht“




Dramagie


Wird alles besser

Sagt der konstruierte Traum

Du, an der Front der Alltäglichkeit


Wird ein Wunder geschehen

Sagen die Herren der Müllabfuhr

Du, bei den Dingen, noch brauchbar


Wird schon werden

Sagt die Welt, Beutewunden leckend

Du, ein Tropfen Diesseits am Maskenball


Wird sich zeigen

Schweigts durch dich, mit neuen Worten

Etwas Ich, im Hauch der Freiheit




Wenn kein Brief von mir kommt,

dann geh´ zur Truhe …


ich verwahre und ich spare

geh´ zur Müdigkeit

zur Bahre


ich geh´ nach vorn, ich geh´ zur Seite

bin zurück,

zeig meine Breite


baue Bühnen, zerspiel die Dünen

bete Sand an, für die Kühnen

und verneige


und schweige

sing aus Laun und tanz den Faun


ich bin ein Mensch, ich widerspreche

ich lieb und ach

ich räche


bin geboren im Rätsel schwer

fall zu leicht ins

Botschaftsheer


ich trage Namen und lass mich zählen

folg einem Ruf nur

und kann doch wählen




Όχι ο Όμηρος

Nicht Homer


Das, was ist

Zerbrochen kulturell

Du findest nichts

Ich finde nichts

Weil wir Scherben sind

Die glauben, so menschlich.


Das, was brennt

Lichterloh hinter Gittern

Du bist die Zeit

Ich bin die Zeit

Weil wir draufgehen

Im bessergestellten Vermuten.


Das, was nicht ist

Wertfrei auf den letzten Brettern

Du schlüpfst aus der Rolle

Ich schlüpf aus der Rolle

Weil wir Klebstoff sind

Der nichts hält.




[           ]

nichts zu verlieren

was setzen wir

nichts zu lieben

was lassen wir

Nichts abwesend

wem gehören wir

Nichts zu verdächtigen

was trauen wir

Nichts zu bestehen

was lieben wir

Nichts zu erwarten

was schenken wir

Nichts zu akzeptieren

wen befreien wir




Stephan Tikatsch, *05.08.1974 in Wien. Dichtkunst, Musik, Malerei, Fotografie u.v.m. Veröffentlicht in europäischen Literaturzeitungen und Anthologien. Gründet 2017 die Literaturzeitung SYLTSE.

Jüngste Veröffentlichungen

Zwischenwelt, Gedichte: Schon sind wir oben! ,  Όχι ο Όμηρος Nicht Homer, 2023
Anthologie „365 Tage Liebe“ der experimenta, Gedicht (ohne Titel) …frei sprechen…, 2022/23
Anthologie „Jahrbuch der Lyrik“ der ag literatur, Gedicht: Nichts wie Morgen, 2022/23
sfd & wut, Zeitschrift der Schule für Dichtung: Gedicht: kaltschale, 2022
Poesieagenda 2023 (Kalender), Gedicht: Abluther, 2022
#kkl-Kunst/Kultur/Literatur-Magazin, Gedicht: Es ist kalt in dieser Zeit, Textbil: Ja mein Herr, 2022
Gedichtband, blinkohlekopie, 2019

Er lebt und arbeitet in Graz.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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