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Isabel Kanczer für #kkl30 „Macht & Ohnmacht“




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Nicht atmen.

Nicht bewegen.

Es war eng. Dunkel. Stickig.

Luft, Gott sie brauchte Luft – und sie schnappte.

Der Boden knarzte draußen.

Nicht atmen nicht atmen. Sie musste leise sein.

Sie hielt ihre Hände vor den Mund, um jeglichen Laut, jegliches Wimmern zu dämpfen.

Ihre Hände, ihr Körper zitterte, und auch wenn sie im Schrank nicht viel Platz hatte, hatte sie Angst dass jede noch so winzige Bewegung eine zu viel war.

„Wo hast du dich versteckt?“

Sie hatte keine Wahl gehabt. Sie hatte nur gehört, wie jemand ihre Türe eintrat, dann hatte sie sich schon versteckt.

Sie hatte auch keine Wahl mehr. Sie konnte nicht mehr raus, sie hatte nichts bei sich, sie konnte nicht um Hilfe rufen. Sie war machtlos.

Sie konnte nicht, sie konnte nicht – und ein leises Hicksen entkam ihrem Hals. Tränen flossen über ihr Gesicht. Sie war nass von Schweiß.

„Bist du hier?“

Die Türe zum Zimmer öffnete sich langsam. Sie konnte eine aufgeregte Atmung hören – sie wusste nicht, wer hier war, was diese Person von ihr wollte, sie wusste nur eines. Sie war in Gefahr.

Die Tür knallte zu. Es war schwer, nicht aufzuschreien.

Die Tränen schienen ihr mittlerweile im Hals zu stecken. Luft Luft Luft Luft, sie brauchte Luft.

Sie war gefangen, ausgeliefert.

Luft. Nicht bewegen. Nicht atmen. Luft.

Es war still.

Sie biss sich auf die Zunge, bis sie Blut schmeckte.

Bitte, Oh Gott, bitte, sie betete, sie flehte, sie konnte nicht mehr.

„Gefunden.“

Und sie schrie.




Isabel Kanczer, geboren 2001, schreibt seit ihrer Kindheit gerne alle möglichen Geschichten. In München befindet sie sich gerade in einer Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation. Ihre Texte lädt sie auf verschiedenen Plattformen hoch oder liest sie an Open Stage Abenden vor.







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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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