Die Macht der Zeit oder, die Zeit die Macht macht?

Lea Stockmann für #kkl30 „Macht & Ohnmacht“




Die Macht der Zeit oder, die Zeit die Macht macht?


Warum heißt der Ironman-Wettbewerb eigentlich Ironman-Wettbewerb, wenn nachweislich mehr Frauen, also Woman, teilnehmen?
Die Macht der Zeit steht im Gegensatz zur Zeit der Macht.
Seit nunmehr zweitausend Jahren erklären uns mächtige Menschen, wie die Welt funktioniert und wie wir sie bestmöglich erleben können. Mächtige Menschen, also Männer. Von Jesus über Mohammed, von Kolumbus hin zu Einstein, von Sokrates zu Marx und den Gebrüdern Grimm, von Washington zu Smith und Mozart. Die Liste der 100 einflussreichsten Personen der Menschengeschichte laut Wikipedia beinhaltet nicht eine einzige weiblich gelesene Person. Warum?
Naheliegend und einfach zu erklären ist die Frage natürlich mit der Antwort der verminderten Intelligenz bei Frauen. Weibliche Personen haben einfach ein deutlich kleineres Gehirn, in welchem entsprechend weniger sinnvolle Ideen zustande kommen. Alles klar. Ich schätze auf diese noch vor wenigen hundert Jahren noch weit verbreitete These brauche ich nicht mehr genauer eingehen. Es ist UNSINN!
Eine weitere recht gängige und durchaus modernere Methode, das Patriarchat, in welchem sich unsere Gesellschaft bewegt, zu rechtfertigen, ist die geringe Belastbarkeit und körperliche Schwäche von Frauen in den Vordergrund zu stellen. Tatsächlich gibt es keine einzige belastbare Studie zu diesem Thema, eher im Gegenteil, was dann wirklich belastend ist. Denn wenn es um das Krisenmanagement und das Handling verschiedener Stresssituationen geht, so sagt eine Befragung von über 520 Entscheidungsträgern aus 20 Ländern, hätten Frauen deutlich die Nase vorne. Viele Manager die an dieser Befragung beteiligt waren gaben an selber immer häufiger Frauen in Führungspositionen zu setzten und dies wenn überhaupt nur zu positiven Veränderungen führte.
Zu beobachten ist also eigentlich zweierlei: ein aufkommendes Interesse an gleicher Behandlung zwischen den Geschlechtern einerseits, bei zeitgleich höherem Aufkommen an Machtmissbrauch ausgehend von Männern an Frauen und eine Bewegung hin zu künstlich hergestellten Ungleichheitssituationen und demonstrativem „Herrschen“
Was ist der wahre Grund für diese offensichtliche und teilweise künstlich hergestellte Ungleichheit zwischen den Geschlechtern?
Mehr oder weniger natürlich sind wir vor dem Grundgesetz zunächst einmal alle gleich. Eben hier beginnt die Problematik. Jemand, der sich zwischenmenschlich verletzt oder ungerecht behandelt fühlt, steht in der Beweispflicht. Grundlegend gehen wir nämlich – ebenfalls gesetzlich geregelt – ersteinmal von der Unschuld einer Person aus. Schon diese beiden grundlegenden und für sich allein stehenden positiven Gesetze stehen im Gegensatz zueinander, wenn wir über das Patriarchat sprechen oder eher dagegen anzukommen. Rechtliche Grundlagen sind keine moralischen Grundlagen. Wo beginnt Ungleichheit also? „Ihr dürft umsonst zur Schule. Ihr wohnt alleine und mit anderen Frauen. Ihr verdient euer eigenes Geld und entscheidet mit der Pille komplett autark, wann und ob ihr Kinder wollt. Ihr könnt studieren und aus der Kirche austreten. Ihr zeigt mehr Haut, als dass ihr sie versteckt, egal ob Single oder nicht? Warum übe ich Macht aus? Was wollt ihr mehr?“ ist eine klassische Antwort auf die simple Frage, warum wir immer noch in einer derart patriarchalen Gesellschaft leben.
Im Grunde genommen ist es die Antwort eines Teenagers, der nicht weiß, was seine Mutter eigentlich genau von ihm will. Den Müll hat er rausgebracht, die Maschine ausgeräumt und die Hausaufgaben sind auch fertig.
Also, was will die Alte? Die Alte will, dass der Müll gar nicht erst anfängt zu stinken. Die Alte will, dass anerkannt wird, wer hier jeden Tag einkauft und kocht, sodass überhaupt Geschirr dreckig werden kann. Die Alte will, dass der Junge Fragen zu Englisch und Mathe stellt, wenn er welche hat, statt so zu tun, als hätte er die Weisheit mit Löffeln gefressen. Die Alte will stark wie schwach sein dürfen ohne, dass es gewitzt auf ihre Menstruation geschoben wird, ohne welche er selber nie das Licht der Welt erblickt hätte. Doch, es geht nicht um Dagegen sein. Feminismus bringt uns nur weiter wenn wir ihn als nötiges Vehikel und nicht als demonstrative Vereinigung erkennen. Es geht um Kommunikation und Verständnis, auch den Männern gegenüber, die keine Straftäter sind. Wenn wir über 2000 Jahre lang erleben, wie sich der männliche Teil der Gesellschaft um die handwerklichen und überlebenswichtigen Dinge wie Nahrung und Wohnen kümmert und nach 2000 Jahren der weibliche Teil der Gesellschaft sagt: „Das können wir auch, vielleicht sogar genauso gut oder besser!“, dann ist es aus psychologischer Sicht nicht gerade verwunderlich, wenn Männer mit (Verlust-)Ängsten reagieren. Und wie gehen Menschen mit Ängsten um? Sie verdrängen sie zum Beispiel. Oder sie wollen die Veränderungen aufhalten und kämpfen demonstrativ dagegen an. Das nennt man dann vermutlich Machtmissbrauch. Denn durch das Kleinhalten von intellektuellen, jungen Frauen, das absurde Ausnutzen mütterlicher und sensibler Selbstlosigkeit und das Ausüben sexualisierter Gewalt, erleben Männer das, was sie in ihrer Sozialisation als Norm erlebt haben: Macht und Stärke. Und dazu, wurden sie erzogen.
Nur, jetzt ist die Zeit. Jetzt ist Umbruch.
Ein Vorschlag zur Güte wäre doch, die „genormten“ Rollen genauer unter die Lupe zu nehmen und sich grundlegend für das zu entscheiden, was einem gut tut. Mann und Frau sollten hinter dem Rechner sitzen und große Zahlen schieben, wenn sie dies als Lebensaufgabe sehen. Männern stehen rosafarbene Tütüs ebenso gut wie Frauen, ja, ursprünglich wurden sie sogar für diese entworfen. Männer wie Frauen sollten für die Arbeiten, die von zu Hause aus verrichtet werden, sei es Pflege oder Kindererziehung entlohnt werden, denn sonst haben wir ohnehin bald keine Menschen mehr über welche wir uns ärgern. Kochen soll derjenige, der es lieber will, während der andere beim Putzen seinen Lieblingspodcasts oder eben die Fußballzusammenfassung hört. Jeder wie er kann und will, dann kann jeder wie er will und kann, oder? Die Zeit der Macht ist um, die Macht liegt in der Zeit, und die ist jetzt.
Seid jetzt bitte stark Männer. Nur anders stark!


(Quelle: https://www.abendblatt.de/vermischtes/journal/thema/article211557585/Frauen-sind-belastbarer-als-Maenner.html)
(Quelle: https://www.hrm.de/frauen-sind-belastbarer-als-maenner-weltweit-betrachtet/)




Lea Stockmann, Journalistin, Pädagogin – Politik, Bildung und Soziales.

Instagram







Über #kkl HIER

Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

Hinterlasse einen Kommentar