Hannah Schröckenfuchs für #kkl30 „Macht & Ohnmacht“
Wann ist die Zeit zu gehen?
Ich liege allein am Boden, der Mond steht hoch am Himmel, doch ich kann ihn nicht sehen. Die Vorhänge habe ich lägst zu gezogen. Ich werde auch nie wieder aufstehen, um zum Fenster zu gehen, um die Vorhänge aufzuziehen und nach draußen zu schauen, um den Mond ein letztes Mal zu sehen, mich verabschieden und bedanken für die Zeit, wo er da war. Ich glaube ich habe auch einfach zu viel Angst, um jetzt aufzustehen und den Vorhang bei Seite zu ziehen. Zu viel Angst den Mond dann nicht zu sehen, weil er verdeckt ist, hinter dicken grauen Wolken. Deswegen bleibe ich einfach hier am Boden liegen, die kleine Schachtel in meiner Hand, ein Blatt Papier neben mir.
Du fliegst davon und lebst dein Leben, doch mir haben sie die Flügel gestutzt, und egal wie sehr ich bei dir sein will, wenn du gehst, werde ich nie die Macht haben dir zu folgen. Also flieg mein Vogel, flieg weit fort, werde glücklich an deinem Ort, ohne mich dort.
Eine einsame Träne rinnt über meine Wange, mir wird etwas flau im Magen. Mein Herz schlägt laut in meiner Brut, als würde es mich erinnern müssen das ich noch lebe. Als ob ich das je vergessen könnte. Mein Kopf pocht mit meinem Herz, als würde er sich beschweren das es viel zu spät ist, um hier wach am Boden zu liegen. Als wäre das alles hier nicht seine Idee. Außerdem sind all meine Gedanken viel zu laut, um jetzt zu schlafen, deswegen bleib ich hier einfach liegen, am kalten Fußboden.
Ich glaube ich bin tot, doch sie haben vergessen es mir zu sagen, und deswegen lebe ich gestorben weiter. Ich glaube ich habe längst aufgehört zu atmen, doch mein Herz hat den Tod verpasst und schlägt manchmal noch nach Lust und Laune weiter. Mein leerer Körper wandert verlassen durch die Straßen, doch meine Seele habe ich längst vergraben, in einem altem Schuhkarton.
Die Nacht um mich herum, ist so still, dass ich Angst habe das sie meine Gedanken hören können. Denn sie sind laut, schreien durcheinander, so das sich keinen von ihnen fassen kann. Die Stille dröhnt in meinen Ohren, ich will schreien, um es zu übertönen, doch stattdessen bleibe ich einfach hier liegen, auf meinem Zimmerboden, unter der ausgeschalteten Lampe. Meine Finger zittern leicht, und mit der Zeit, die vergeht wird das Zittern immer stärker, baut sich langsam auf.
Ich weiß da, selbst wenn ich überlebe, ich niemals leben werde. Am liebsten würde ich alles um mich herum zerhauen. Alles um mich herum für immer zerstören, und alles Zerbrechliche zerbrechen. Wie du mich zerbrochen hast. Ich will all die Scherben um mich herum aufsammeln und zu einer hohen Mauer zusammenbauen. Damit mir nie wieder, Jemand, so weh tun kann, wie du es getan hast.
Ein Blick auf die Uhr, es ist viel zu spät, um das jetzt alles aufzugeben. Eine kleine Stimme flüstert in meinem Kopf; „Ich glaube es ist jetzt Zeit zu gehen.“. Ich fühle mich so machtlos, wie ich hier einsam liege. Ich denke an die Zeit mit dir zurück, frage mich, ob du zu denen gehören wirst, die um mich trauern werden. Sanft fahre ich über die kleine Schachtel in meiner Hand, als wäre es mein Rettungsseil, doch meine Rettung sieht vielleicht nicht aus, wie du es erwartest.
Die Sonne scheint in meiner Welt nicht mehr, schon seit Jähren nicht. Eines Nachts hat sie, glaub ich, einfach aufgegeben, und seitdem ist es dunkel geblieben. Meine Sonne ist eines Nachts einfach fort gegangen, ohne ein einziges Wort zu sagen. Der Regen ist mit ihr gegangen, glaube ich, denn nicht nur mein Licht ist weg, sondern alles. Keine Regentage mehr für mich, alles, was ich jetzt habe, ist Leere. Ich glaube das größte Problem an der Dunkelheit ist, dass ich nichts sehe, und jetzt weiß ich nicht wie ich hier jemals raus soll. Wenn es hier für immer so dunkel bleibt, werde auch ich hier für immer bleiben, egal ob ich das will.
Ich liege hier schon so lange am Boden, dass er mittlerweile nicht mehr kalt ist, mein letztes bisschen Körperwärme hat sich auf ihn übertragen. Langsam frage ich mich, was das Ziel von all dem ist, liege ich jetzt einfach hier die ganze Nacht? Ich habe einfach keine Kraft, um jetzt aufzustehen, aufzustehen und weg zu gehen und es von vorne zu probieren. Ich habe mich längst entschieden, dass die Zeit gekommen ist, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und dann zu gehen.
Ich habe das Glauben vor vielen Jahren aufgegeben, aber ihr könnt gerne weiter glauben, und blind vertrauen. Auf etwas vertrauen und es danach verhauen, mutig sein, mit dem Kopf gegen die Wand rennen, und alles zerschmettern. Ihr habt gut reden, habt euch dem Leben ergeben. Den Kampf gelassen die Waffen niedergelassen, doch ihr habt gut reden, werden angeblich niemals aufgeben, und es euch vielleicht nur einmal überlegen, ob es nicht vielleicht viel besser wäre nicht zu leben, einfach für immer aufzugeben.
Ich fühle mich schon so tot, doch noch bin ich es nicht, denn ich fühle mich machtlos. Als wäre ich nicht mehr richtig da, doch noch bin ich es. Meine Hände zittern, mein Herz rast. Als könnte es mich aufhalten. Ich wünsche mir es würde schneller schlagen, so schnell bis es nicht mehr kann, und dann würde es das Leben für mich aufgeben. Dann müsste ich es nicht selbst tun. Eine Träne rinnt über meine Wage, dann noch eine, dann immer mehr. Eine Träne für jeden Menschen, den ich jetzt verlassen werde.
Das letzte Mal als ich dich sah, standst du in Färben erleuchtet neben mir, ich habe mich noch nie so am Leben gefühlt, wie an diesem Tag. Ich wusste das ich es schaffen werde, ich wollte es so sehr, doch jetzt hat mich das Leben überrollt. Mein Herz ist weit entfernt von meinem Körper und ohne es bei mir, kann ich nicht überleben. Sie alle schreien nach mir, flehen mich jetzt nicht aufzugeben. Ich blicke auf den Platz neben mir, wo einst du warst, und ich weiß es ist Zeit für immer zu gehen. Du bist gegangen und hast mich leblos hiergelassen, hast mir all meinen HAlt genommen, und egal wie laut sie meinen Namen schreien, die Stille deiner Abwesenheit lockt mich für immer zu gehen.
Meine Hand zittert als ich den letzten Satz schreibe.
„Es tut mir leid, doch es ist endlich Zeit für mich zu gehen, weint mir nicht nach, den ab jetzt bin ich frei.“
Ein letztes Mal denke ich an dich zurück, als ich dann meine Augen schließe, mich bereit mache aus dieser Welt zu gehen. Mein Herz schlägt, und zum ersten Mal, seit du weg bist, fühlt es sich gut an. Ich habe mir die Macht genommen mich gegen mein eigenes Leben zu entscheiden. Jetzt bin ich für immer frei, stelle mich gegen ein ohnmächtiges Leben. Eine Träne rinnt über meine Wange. Es tut mir so leid, meine Seele, doch jetzt ist es wirklich Zeit zu gehen.
Als mein Herz aufhört und mein Atem stockt, fühle ich mich bereit, als würde ich aus einer Ohnmacht erwachen. Als mein Herz aufhört und mein Atem stockt, fühle ich mich bereit, und jetzt werde ich nie wieder erwachen.
Hannah Schröckenfuchs ist am 14.12.2005 in Reutlingen geboren und lebt seit ihrem drittem Lebensjahr in Wien. Sie schreibt jetzt schon seit fünf Jahren Kurzgeschichten, und seit einem Jahr Gedichte oder Lyrik.
Schröckenfuchs macht momentan eine Schule mit sozial Management als Schwerpunkt, mochte aber eines Tages zumindest nebenberuflich als Autorin arbeiten. „Die Idee meine Texte einzureichen, kam von meiner Deutschlehrerin und meiner Therapeutin nach dem ich begonnen habe von mir geschriebene Texte vor zu lesen.“
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