Astrid Kohlmeier für #kkl30 „Macht & Ohnmacht“
Unter Wasser
Von Beginn an hat es mich an sich gezogen
Mich mit seinen kräftigen Armen umfangen
Dieses Meer – Geliebt habe ich es von Beginn an
Und du selbst bist nichts anderes als ein Ozean
Und ich bin nichts anderes als deine Schiffbrüchige
Ich gerate in Seenot in deinem Sich Aufbäumen
Deiner Wut auf die kreischenden Vögel über dir
Deinem Zorn auf die Boote und jagenden Fische in dir
Meine Glieder strampeln, ich schnappe nach Luft
Dieses letzte Mal und schon gehe ich unter in dir
Sinke tiefer und tiefer in deinen salzigen Tränen
Hinab zu deinen schwarzen, traurigen Wracks
Da ist kein Licht mehr auf deinem Grund
Nur eisige Dunkelheit, die mich wiegt wie ein Kind
Und unversehens suchst in dir nach mir
Findest mich, zerrst mich wieder hinauf
An deine schillernde unendlich weite Oberfläche
Wirfst mich schließlich zurück ans rettende Ufer
Doch zu spät
Du wirst sanft und still
Doch zu spät
Astrid Kohlmeier
1983 in Graz (Österreich) geboren, studierte Germanistik an der Karl-Franzens-Universität Graz und der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Sie schreibt Lyrik, Prosa und Theatertexte (Per H. Lauke Verlag Hamburg) und erhielt 2012 das Österreichische Staatsstipendium für Literatur. Ihre Texte wurden in Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht und ihre Theaterstücke wurden in Deutschland, der Schweiz und Luxemburg aufgeführt. Astrid Kohlmeier lebt und arbeitet in Graz.
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