Anruf von außen

Thomas Faßbeck für #kkl31 „Orientierung“




Anruf von außen

Es gibt innere Zustände, in denen es außerordentlich schwer oder gar unmöglich ist, überhaupt noch zu fühlen, zu wissen und zu formulieren, was man im Leben für sich selbst will und wünscht. In solch einer Verfassung ist der Akt des eigenen Wünschens und Wollens – das etwas für sich selbst Wollen und Wünschen, zu dem einen die Psychologen gerne auffordern – verunmöglicht, sei es aus einem inneren Zwiespalt heraus, der mit seinen gegensätzlichen, gleichwertigen Seiten ein Patt erzeugt, sei es durch die Lähmung einer existenziellen Erschütterung.

Wahrscheinlich geht es in diesen Zuständen gar nicht mehr um mein eigenes Wollen und Wünschen, sondern um etwas ganz anderes:

Einer Seele, die auseinanderdriftet mit ihren gegensätzlichen Wünschen und Strebungen, die stumm geworden ist von den heftigen Widersprüchen und Verletzungen, die sie zu zerreißen drohen, gelingt keine Äußerung von etwas Eigenem mehr. Stattdessen tritt in sie ein Anruf von außen ein, wird eine Forderung von etwas Größerem außerhalb ihrer selbst laut.

Dieser Anruf, diese Forderung von außen werden ihr nicht aufgeladen, drücken sie nicht noch mehr nieder im Sinne einer Pflicht oder eines Zwangs. Sie sind etwas Förderndes, Heilsames, Heilendes. In ihren tiefen, unbewussten Schichten hatte die Seele schon von je her ein Wissen von ihnen. Und nun, inmitten der inneren Zerrissenheit, inmitten der Krise, treten dieser Anruf, diese Forderung des Größeren an die Seele klar von außen heran, und sie erkennt sie wieder.

Einfach (?)

Das Einfach-Menschliche wiederentdecken.

Den Glauben, die Schwachheit, das Anlehnen, das Kindsein, die Klugheit, die einfachen Worte.

Mit Gott auf der Suche

Vielleicht gibt es Bereiche unserer Existenz, für die auch Gott keine fertigen moralischen Maßstäbe bereithält oder bereithalten will; Bereiche, in denen er uns vielmehr in unserem eigenen Suchen und Tasten begleitet, ja mit uns zusammen tastet und sucht, ohne ein Ergebnis schon vorwegzunehmen; wo er ein einfühlsamer Begleiter für uns ist, und kein Gesetzgeber, kein Richter.




Thomas Faßbeck ist approbierter psychologischer Psychotherapeut und arbeitet seit 30 Jahren an Fach- und Rehabilitationskliniken vornehmlich im Bereich der Schmerztherapie und Bewältigung chronischer Erkrankungen. Er wurde 1958 in Karlsruhe geboren, wuchs im südhessischen Raum auf und lebt seit seiner Jugend an der badischen Bergstraße. Erste Versuche, Geschichten zu schreiben, machte er schon als Junge. Im späteren Erwachsenenalter realisierte er „Zwiefalt“, sein erstes, noch unveröffentlichtes Romanprojekt.

Mitglied der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren e.V. (IGdA) und des Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen e.V.(BVjA).

BISHERIGE VERÖFFENTLICHUNGEN

Als junger Erwachsener Beiträge in der Schülerzeitung „Das Trojanische Pferd“, Albertus-Magnus-Schule, Viernheim/Hessen.

In Rüdiger Heins (Hrsg.): Anthologie „365 Tage Liebe“, darin Lyrik-Beitrag auf S.16. Edition Maya, Bingen und Berlin 2023

In SALUT L’ABSURDITÉ, https://salutabsurd.eu/salut-2:

„HÖLLE BANAL – das Land unter der Matratze“ (Prosa)

In #kkl kunstkulturliteratur Magazin, Ausgabe 02/2023:

„Lost in Space?”

In #kkl kunstkulturliteratur Magazin, Ausgabe 11/2022:

„In die Falle gegangen“

In #kkl kunstkulturliteratur Magazin, Ausgabe 8/2022: Beiträge zum Thema Aufrichten: „Frei atmen im Morgen“, „Es gibt Heimat weit weg von der Angst“, „Wenn Schmerz wieder leben lässt“

In IGdA aktuell (Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik), 46. Jahrgang 2022, Ausgabe 3:

„Langer Weg zum Unbedingten“ (Lyrik)

In IGdA aktuell (Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik), 46. Jahrgang 2022, Ausgabe 2:

„Flug auf dem Rücken des Polarlichtvogels“

In IGdA aktuell (Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik), 46. Jahrgang 2022, Ausgabe 1:

„Fallen in die Nacht“ (Lyrik) und

„Reise zum Orionnebel“ (Prosa)

In IGdA aktuell (Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik), 45. Jahrgang 2021, Ausgabe 1:

Textprobe aus dem unveröffentlichten Roman „Zwiefalt“.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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