Janine Friedrich für #kkl31 „Orientierung“
Bin ein wenig glückstraumtrunken
nach oben gesunken,
hab der Sonne gewunken,
eingesammelt die Funken
für unten
da unten
unterhalb vom Glück
nehm ich ein Stück Funken und schmück
und sink dann wieder
ganz nach oben zurück
nach oben
da oben
oberhalb vom Glück
bleib ich glückstraumtrunkenentzückt.
Zu jeder Zeit,
immerhin,
kann ich noch werden,
was ich will,
und auch sein,
wer ich schon bin.
Immer, wenn der Wind stimmt,
tagträum ich mich sternenwärts
ins Weltall-Herz
und betrachte mein Leben
als Gesamtkunstwerk.
Bin erstmal in der Hängematte,
in der Sonne, nicht im Schatte,
s‘ brauch mir keiner zu gestatte,
ich mach Pause, ist mir Latte,
und die Aufgabe, die ich hatte,
steht sowieso noch zur Debatte,
ich mach mir später mal ne Platte,
bin erstmal in der Hängematte.
Die Polaroids in meinem Second Hand Rucksack
riechen nach schwindenden Bienen und
neben schmelzenden Zartbitterpralinen
werden vergessene Weintrauben zu süssen Rosinen
und auf den Bildern ist unsere Sommerbräune am bleichen,
während die Sommernachtsträume bleiben,
sie bleiben die gleichen
wie ungleiche Gleichheitszeichen,
dem Retrofilter unausweichend erinnern sie von Weitem
an sonnenblumige Zeiten und sind stets an meiner Seite,
wenn ich die Felder quer durchschreite
und mich an-Wunder-glaubend zeige.
Janine Friedrich ist eine freischaffende Autorin für verschiedene Magazine und schreibt seit acht Jahren Gedichte auf Deutsch und Englisch. Ihre Wahlheimat ist seit 2020 die Schweiz.
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