Blindes Vertrauen

René Oberholzer für #kkl31 „Orientierung“




Blindes Vertrauen

Der Hund an der langen Leine
Am Abgrund ausgerutscht
Hängt in der senkrechten Wand

Der nichtsahnende Blinde sagt
Alfie zieh nicht so
Ich komm ja schon




Blind Date im Ried

Ein Smartphone
Mit Koordinaten
Für ein Blind Date

Hölzerne Stege
Verwinkelte Seen
Und hungrige Mücken

Lange Wege
Und ein Bannwald
Mit Dickicht

Der Treffpunkt
Abseits der Wege
Doch nur Stille

Später ein Turm
Mit Aussicht
In Sicht

Auf dem Turm
Eine Frau
Mit Feldstecher

Keine Worte
Nur offene Fragen
Mit Abendsonne




Lange Leine

Eine grosse Frau
Mit einem kleinen Hund
An der langen Leine
Kommt auf mich zu

Ich grüsse sie
Setze meinen Weg fort
Und denke an ihren Mann
Den ich nicht kenne




Familie

3x in der Woche
Steigt er zu ihr
In die Wohnung empor

3x in der Woche
Spielt er mit ihr
Stundenlang Blockflöte

3x in der Woche
Ist er Sohn
Wie schon immer

3x in der Woche
Denkt die Mutter
Er ist wie sein Vater




Dementer Dialog

Mein Mann ist tot
Wo ist Hans

Mein Mann ist tot
Wo ist Hans

Mein Mann ist tot
Wo ist Hans

Mein Mann ist tot
Wo ist Hans




René Oberholzer

Lebt und arbeitet seit 1987 als Oberstufenlehrer, Autor und Performer in Wil/Schweiz.

Schreibt seit 1986 Lyrik, seit 1991 auch Prosa.

War Mitbegründer der literarischen Experimentiergruppe „Die Wortpumpe“ (mit Aglaja Veteranyi), ist Mitbegründer der „Autorengruppe Ohrenhöhe“, Mitglied der Autoren der Schweiz (AdS) und des Zürcher Schriftstellerverbands (ZSV). Erhielt 2001 den Anerkennungspreis der Stadt Wil für sein literarisches Schaffen und 2022 den 23. Nahbellpreis des G&GN-Instituts in Düsseldorf für das lyrische Gesamtwerk.

Publikationen:

„Wenn sein Herz nicht mehr geht, dann repariert man es und gibt es den Kühen weiter“ (39 schwarze Geschichten) (2000), Verlag Im Waldgut in Frauenfeld.

„Ich drehe den Hals um – Genickstarre“ (92 Gedichte) (2002), Nimrod-Literaturverlag in Zürich.

„Die Liebe wurde an einem Dienstag erfunden“ (120 Geschichten) (2006), Nimrod-Literaturverlag in Zürich.

Kein Grund zur Beunruhigung“ (236 Gedichte) (2015), Driesch Verlag in Drösing.

„Sehnsucht. Mit Weitblick“ (80 Gedichte) (2020), Klaus Isele Editor in Eggingen

„Das letzte Stück vom Himmel“ (80 Gedichte) (2021), Klaus Isele Editor in Eggingen

Analphabeten der Liebe“ (80 Gedichte) (2023), Klaus Isele Editor in Eggingen

Gedichte und Kurzgeschichten in Anthologien, Zeitungen, Literaturzeitschriften und Online-Portalen im gesamten deutschsprachigen Raum (über 3000 Einzeltexte). Einzelne Texte sind auch ausserhalb des deutschsprachigen Raums übersetzt und veröffentlicht worden.

homepage: http://www.reneoberholzer.ch

wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Oberholzer






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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