Thomas Steiner für #kkl32 „Keime des Sinnvollen“
die wollflusen der schafe
die ihr gras fressen, glücklich oder nicht
wer weiß, & wer weiß, ob sie
die zeit spüren, die flusen also, die
im gras hängen, sind schön
einzusammeln & zu
kugeln zu kneten, flauschige weiße kugeln
die, hoch geworfen, im wind fliegen
fast wie löwenzahn
fort, fort & vergessen.
donauufer bei sonnenschein
ruderboote, möwen in ihrer hektik
läufer
noch mehr
läufer
noch mehr
fahräder
noch mehr
spaziergänger
trampeln dahin
dieser lärm!
zum glück eine amsel
die ist vernünftig.
all die fliegen waren lästig
beim essen
& die bedienung entschuldigte sich
& wir assen weiter
ich hatte 1 schnitzel
das war gut. sonderbarer tag, dachte ich
& zählte die fliegen
11 zählte ich & überlegte
was das wohl bedeutet. ich muss mich
mit sinnvollerem beschäftigen
dachte ich
als mit fliegen zählen.
artaud redet irgend etwas
vom tod.
die ganz große frage nennt er das
ach, du meine güte.
es gibt keine große frage
denke ich, was soll das sein, eine große frage?
dröhnenden kamin nennt artaud den tod.
kamin!
da dröhnt doch nichts
höchstens das draußen dröhnt.
das ja, manchmal dröhnt das draußen.
das draußen ist das schreckliche.
& was meint er mit kamin?
der mond scheint herein
ich lebe mit 20 pflanzen zusammen
sie geben so viel sauerstoff
dass ich nie zu lüften brauche
ganze nächte
kann ich mit ihnen sprechen
sie hören geduldig zu
& geben kluge antwort.
der mond scheint herein
macht die augen glänzen
& die blumen lächeln mich an.
Thomas Steiner, *1961 bei Reutte/Tirol. Einzelveröffentlichung zuletzt:
mein horizont ist der first der nachbarhäuser (gedichte). hochroth-verlag, 2013.
Aktuell: Jahrbuch der Lyrik, Schöffling, 2023; Literaturzeitschriften z.B. in Am Erker, DUM, erostepost, Die Geste, Kassiber.
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