Hannelore Berthold. für #kkl33 „Vollendung“
Der Dinge Wert
Einst fragte ich:
wie groß,
wie schön,
wie teuer …
Heute frage ich:
wie echt,
wie gut,
wie wahr …
Stadtpark im Herbst
Du raunst mir von Veränderung ins Ohr,
sobald ich auf den alten Wegen gehe.
Der Blätterteppich, den ich sterben sehe,
übt raschelnd seinen Abschiedschor.
Wie oft sie tanzten, Blatt an Blatt,
von Ast und Ästen winkten sie mir zu
und finden bald nun kalte Ruh,
wenn er sein Werk vollendet hat.
Das rosenwarme Sommerkind,
der Sturm hat es davon getrieben.
Ein Rabe ruft den nahen Winter aus.
Durch kahle Büsche bläst der Wind –
und keine Blumenelfe ist dir treu geblieben.
Mein Park, so geh auch ich zurück ins Haus.
Freundschaft ist …
geworden in deinen Augen,
gewachsen an den langen Tagen,
emporgeklettert in unsere Köpfe.
Dein JA zu mir
und die wortlose Hilfe.
Manchmal zerbrochen an meinen Zweifeln.
Wieder zusammengewachsen
in den starken Armen.
Für Geld nicht zu kaufen.
Ein gemeinsames Lied
In der kalten Zeit.
Das Band unsrer Kindheit
weitergeknüpft mit Jahreszahlen
und der Glaube an dich,
solange die Welt sich noch dreht.
Herbst
Das blaue Sommerkleid liegt eingemottet in der Kiste.
Sandalen dösen wieder im Regal.
Oktober steht auf meiner Monatsliste
und kahle Felder überall.
Der Amsel bauscht sich das Gefieder.
Sie wuselt mit dem Wind im Gras
und Blätter fallen auf sie nieder
und Regen macht die Erde nass.
Der Nebel lümmelt vor dem Fenster,
lässt die Geranien verblühen
und schlechtgelaunte Herbstgespenster
von Norden über Dächer wehen.
Der Garten liegt in angenehmer Ruh.
Die zarten Pflanzen eingetütet.
Der Schnee deckt bald die Beete zu.
Der Apfelbaum träumt wohlbehütet.
Und mich erfasst Geborgenheit.
Ich geh ins Haus und heize.
Ein Gutes trägt wohl jede Zeit,
denn auch der Herbst hat seine Reize.
Herz im Stein
Im Schweigen liegt Erinnerung
und von den Mauern
tropft die Zeit.
Wird fortgetragen
von den Fängern der Augenblicke
ins Netz der verlorenen Stunden.
Vorm Tor
reden die Tage
fremde Worte.
Ein altes Haus ruft nicht zurück.
Das Echo will verzittern
im rissigen Stein.
Sein Gefährte, der Baum
wächst ins Fenster
und kündet stattdessen
immer wieder
mit grüner Stimme
von einer Rückkehr
in den Grund.
Hannelore Berthold.
Nun Rentnerin. 79 Jahre alt. Wohnhaft in Chemnitz. Verwitwet.
18 Jahre Mitglied im 1. Chemnitzer Autorenverein gewesen.
Veröffentlicht 2 Romane, ein Gedichtband, Kurzgeschichten, in vielen Anthologien und Literaturzeitschriften.
Preise z.B. 1. Preis der Sächsischen Landeszentrale Dresden, für eine Kurzgeschichte und einen 2. Preis Kategorie Lyrik Förderstudio Literatur e. V. Zwickau.
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