Nils Meyer für #kkl34 „Klarheit“
„Der Gegenstand“
Die Tür ging nach innen auf. Jedenfalls sollte sie das tun. Die Tür schien nicht richtig zu schließen, aber ohne erkennbaren Grund konnte ich die Tür nicht öffnen, als würde von der anderen Seite etwas gegen sie drücken, das verhindern wollte, dass ich in den Raum kam.
Warum zog es mich ich in das Zimmer? Langem Überlegen folgte keine Antwort. Ich beschloss der Tür meinen Rücken zuzuwenden, den Blick damit in das Zimmer diesseits der Tür zu wenden und fand eine überraschende Leere. Vielleicht war das Zimmer, in das ich versuchte zu gelangen einfach schon zu voll. Jemand hatte beschlossen, dass es genug sei und ein weiterer Eintritt nicht möglich. In der Dunkelheit tastete ich mich vor und erspürte wankend die Leere. Dann endlich bekamen meine Finger etwas zu spüren. Ohne genau zu wissen, um welchen Gegenstand es sich handelte, schloss ich schnell die Annahme, dass es sich um eine ausrangierte Sache handeln musste. Denn wer würde schon einen noch gebrauchten Gegenstand in einem Raum stellen, in dem es so dunkel war, dass man diesen nicht mehr finden konnte. Dieser Gegenstand sollte nicht mehr gefunden werden, eine ausrangierte Sache eben. Beim Ertasten vernahm ich die unterschiedlichsten Geräusche, laut und leise, als würde der Gegenstand mir seine Geschichte erzählen. Ausgerechnet mir, der nicht vor hatte etwas zu finden und von dem kein Gegenstand der Welt hätte von ausgehen könne, mich an diesem Ort zu treffen.
Vielleicht versuchte ich etwas zu finden, das ich nicht zu suchen glaubte, von dem ich gar nicht wissen konnte, dass es existierte. Ich versuchte kurz mir vorzustellen nicht zu wissen, was ich wusste, der Raum um diesen Gegenstand schien endlos. In diesem Moment war meine Erinnerung, wie ich eigentlich in den Raum gelangt war wie verflossener Rauch. Als wäre die Decke abgenommen und ich einfach in den Raum platziert worden. Da ich nichts sehen konnte, hatte ich auch kein Ziel vor Augen. Nur ein verblassender Schimmer durch den Rauch, wie ein Sonnenstrahl, der sich vor meinen Augen auftat, sobald ich die Augen schloss. Meine Schritte hallten im Raum wider und je weiter ich ging, desto weiter der Hall als würde der Raum sich mit jedem Schritt vergrößern.
Nils Meyer wurde 1990 geboren und schreibt, fotografiert und spielt Bass. Er twittert nicht, auch wenn niemand ihn darum gebeten hat es zu tun oder zu lassen.
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