Lia Pipa für #kkl34 „Klarheit“
Über den Wolken
Die Cessna ruckelte. Zugleich prallte der Wind unbarmherzig gegen meine Beine. Ein eigenartiger Moment der Ruhe im Kopf, während der Körper zum Zerbersten angespannt ist. “Du machst das jetzt”, dachte ich. Meine Freundin war schon aus meinem Blickfeld verschwunden. Danach war “atme” der einzige Gedanke der noch folgte, als ich aus 3 km Höhe nach unten kippte. Anschließend brüllte ich was das Zeug hielt, um den Sauerstoff aus meinen vollen Lungen zu bekommen und so Platz für Neuen zu schaffen. Ich befand mich ungefähr 40 Sekunden im freien Fall, bis hinter mir die Leine gezogen wurde. Der Fallschirm öffnete sich. In meinen Ohren rauschten Adrenalin und Serotonin. Die Energie pulsierte durch meinen Körper. Es fühlte sich an, als würde mein Herz jeden Moment vor Glück und Ehrfurcht zerspringen.
“Deine Haare riechen gut”, schrie mein Tandem-Master, während wir auf die Erde zuglitten. “Hätte ich keinen Freund würde ich dich heiraten. Weil du mir mein Leben rettest”, antwortete ich geflashed, ob der atemberaubenden Aussicht, etwas theatralisch. “Ich würde ja sagen”, schmunzelte er, bevor wir eine Kurve flogen. Unglaublich, wie klein die Welt unter uns war.
Niemals hätte ich gedacht, dass gerade ich aus einem Flugzeug springen würde. Ich, die Flugzeuge und Fliegen nicht leiden kann. Und doch war ausgerechnet ich den gesamten Flug und Sprung über gelassen und entspannt. Aber warum war ich überhaupt in der Maschine gelandet? Meine Freundin hatte zum Geburtstag einen Fallschirmsprung geschenkt bekommen. Leider fiel ihr ursprünglicher Buddy aus, weshalb ich todesmutig beschloss meine Freundin zu begleiten. Ein spontaner Entschluss, der mich selbst überraschte. Zugegebenermaßen war ich im Vorfeld ziemlich nervös.
“Habt ihr genug gegessen? Manche Menschen fallen nämlich in Ohnmacht. Der Körper ist ziemlich gefordert”, fragte uns der Mann, der uns in die Gurte schnallte. Wir hatten das Video- und Fotopackage mitgebucht. Natürlich hatten wir ausreichend gegessen. Trotzdem fragte ich mich, ob wir das Paket im Notfall “zurückgeben” konnten. Mal ehrlich, wie spannend ist ein Video, indem man 5 Minuten und 40 Sekunden lang bewusstlos in den Seilen hängt. Wir machten noch einige richtig coole Fotos bevor wir abhoben. Weil: Am Partezettel will niemand aussehen wie eine Vogelscheuche.
Während ich im Anschluss über mein Leben und den womöglich bevorstehenden Tod sinnierte, wurde mir folgendes plötzlich glasklar: Es gibt nichts mehr was offen ist. Sicher, ich lebe gerne und genieße es. Doch müsste ich jetzt, heute – an diesem Tag sterben, hätte ich ein schönes Leben gehabt. Ich würde glücklich, zufrieden und dankbar abtreten. Das ließ eine immense Zufriedenheit und Gelassenheit in mir aufkommen. Eine so starke Ruhe, dass mich mein Tandem-Master wenige Minuten später im Schirm hängend, fragte: “Springst du wirklich das allererste Mal?“
Lia Pipa, Baujahr 1987, ledig, Salzburgerin. Ein bisschen Ronja, ein bisschen Pippi und ganz viel Sternenstaub. Das innere Kind zelebrierend, gehe ich mit offenem Herzen durchs Leben. Mit einer gehörigen Portion Humor kreiere ich unverblümt, ehrliche Bilder des alltäglichen Lebens. Immer auf der Suche nach der Stille in mir, lausche ich dem Universum und lasse mich dabei von Menschen, Erlebnissen und Geschichten inspirieren. Im Herzen durch und durch Idealistin liebe ich es zu philosophieren. Ich hänge Tagträumereien und Gedankenmalereien nach und versuche dabei Antworten für Großes im Kleinen zu finden.
Interview mit Lia Pipa HIER
Über #kkl HIER

Gelungene Einblicke, danke dafür!
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