Jürgen Artmann für #kkl35 „Erwachen“
Der Träumende
Ich schlief schon lang. Mir mangelte es an Schlaf, seit Wochen. Gedanken hatten sich gewunden. Kamen aus allen Richtungen gekrochen. Waren in mir aufgebrochen.
Und schlief ich auch am frühen Nachmittag schon Stunden, war ich am Abend wieder wach und doch erschöpft. Der Mittagsschlaf, hatte nur halb Erholung gebracht. Ich hatte zu viel nachgedacht.
Als säße ich in einer Achterbahn, die niemals hält. Mir ward schwindlig ohne Zutun, dreht sich zu schnell, die liebe Welt.
In meinem Traum spazierte ich entspannt am Ufer. Die ersten Sonnenstrahlen blendeten mich. Dachte an dies und das und dich.
Der Fluss neben mir war mir Freund, zeigte mir, was auch ich im Leben kann: lebendig sein und immer in Bewegung. Zwar blieb er niemals stehen, doch kam er auch nie an.
Ich träumte von Begegnungen mit Menschen am Wochenende. Die Wärme der Gruppe. Die feine Eisschicht wie auf einem Wintersee zu brechen, half ein leichter Griff der Hände.
Andere Freunde gab ich auf. Denk kurz daran, bei meinem Lauf. Durch meine Stadt, im Hier und Jetzt und in der Vergangenheit. Nur die Zukunft wähnt noch weit.
Wie ein Flussbett will ich sein. Ein starker Grund, der alles hält. Heiße willkommen, wer in meinem Leben angetrieben, und lass sie danach wieder ziehen, nicht böse, dass sie doch nicht blieben.
Jürgen Artmann, Jahrgang 1970, wohnt in Strasbourg und in Frankfurt. Er beobachtet und schreibt über Alltägliches. Veröffentlichungen erfolgten in diversen Literaturzeitschriften.
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