Maria Orlovskaya für #kkl35 „Erwachen“
Hel(l)sinki
Ich habe immer noch diesen Traum, von dir
Deiner Essenz
Aufgelöst in dieser Stadt, die du Heimat nanntest.
In den Bus einsteigend spüre ich dich
Um mich
Verfolgend das, was die Scham noch nicht gefressen hat.
Was in mir blieb,
nach dir
Eine Kälte, die nun angewachsen ist.
Aussteigend weiß ich, kenne ich diese Stadt
In mir
Eine Landschaft gemalt mit Farben
Unsichtbar für mich
Wenn ich erwache.
Hel
Wir liegen in den Tannennadeln
Deine Lederjacke unser Laken.
Sie riecht nach tiefem Zigarettenrauch
Der an schwarze Kirschen erinnert.
Deine schläfrige Hand auf meiner
Die breite Narbe darauf.
Die Kronen über uns, so grün
Öffne ich die Augen, sehe ich
Ich liege in uringelben Laken
Die Gurte mein Kissen.
Sie riechen nach Desinfektionsmittel
Das mich an milchiges Blut erinnert.
Eine feste Schnalle auf meiner Hand
Die schlanke Wunde darauf.
Die Lichter über mir, zu grell.
Und ich frage euch, immer wieder, könnt ihr nicht einmal menschlich lieben?
Maria Orlovskaya, 1994 in Moskau geboren, studierte Psychologie und Drehbuch & Dramaturgie in Babelsberg. Es folgte ein buntes Leben; eigene Siebdruckerei, Jobs in Arthouse Kinos und Residenz im größten Yogazentrum Europas. Mehrfache Preisträgerin des zeilen.lauf Lyrikwettbewerbes und Stipendiatin des Tandem Letterario 2024.
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