Kathrin B. Külow für #kkl35 „Erwachen“
stiller ort
staub drückt durch die retina
im mund der bleigeschmack
steigende wasser
im ton ruhen sie dicht aneinander gedrängt
hinter dem haus
ziehen wir ihr zieht
ziehet durch ziehet doch
im schatten zieht der fisch
schmilzt regenbogenhaut
ein helles band in dem
du siehst wie sich die buchstaben eindrücken
durchdrücken hauchdünnes papier
namen die ich forme orte mit den lippen
im kreis ziehen wir
neringa
wir liegen nackt beginnen auszuströmen
im weißen schaum die welle steigt
durchpflügt die flutungsrinne
und führt in tiefere fahrt
sandtest boten
die milchten den morgen
spüre das feste federnde holz
du steigst herauf aus dem kelpwald
mein kahn treibt in der gischt
strömung lenkt mich ins kraut
du steigst herauf
zerrissen schaukelt garn sinkt
form gleicht sich der tiefe an
luftspur dünnt aus
in der abbruchkante
auch unsere knochen dereinst im geschiebe
die pupillen weit vollkommenes dunkel
still gestellt im wandernden
sand löss nordischer granit
darüber eine spanne blau
über dein gesicht läuft ein erinnern
zuckt auf und läßt dich leuchten
schließt sich das lid
die welle geht aufs land
da steht er
große fahrt
in den kollabierenden zügen
sitzen könige und spielen pentelitha
wie honig fließt wachs
von den wänden hallt singen
niemand erkennt sie niemand schaut
es gibt kein zweites mal
hier wird das bild nicht heil
ein wort sie stehen auf
auf ihren mänteln liegt der staub ihrer
paläste
Kathrin B. Külow, geb. 1966, diverse Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, Sonderpreis Lyrik der Berner Bücherwochen 2013, Finalistin des art.experiences Literaturwettbewerbes 2015, 1. Preis des Wettbewerbs Politische Lyrik im Geest Verlag 2016,
2. Preisträgerin des Ulrich-Grasnick-Lyrikpreises 2019,
Mitglied der Autorinnengruppe Alphabettínen und des BVjA
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