anarchie

Philipp Grimm für #kkl36 „Anarchie“




anarchie

nein lasst uns das geld anzünden die banken sprengen die umwelt retten, die demokratie zerstören das artensterben hoch leben und die geburten feiern die tiefen des ozeans ins schwarze verfolgen ohne atem blindflug und im nichts der welt loslassen aufgedunsen nach oben getrieben werden von den toten aufzuerstehen die diktaturen der welt zerstören die autokratie frönen um dann die generäle hängen zu lassen an den galgen der toten wälder den frieden vermeiden den krieg beenden die erde soll brennen damit wir wie phönix aus der asche von vorne beginnen lasst uns los von allen ketten die ihr an uns legt presst und zwängt in systeme kasten und normen in vorstellungen und erwartungen es gibt für uns keine regeln wir lehnen den konformismus ab öffnen unsere köpfe lassen die luft die uns umgibt herein egal ob sie verpestet oder rein ist respektieren und akzeptieren einander ohne zu verurteilen zu beurteilen ohne ein richtig und falsch die freiheit beginnt jetzt nicht gleich nicht morgen nicht in einem jahr jetzt sagen wir nein und ja zusammen gemeinsam zu uns zum ich wir schauen uns in die augen und sind uns einig darin das all das was war keine rolle mehr spielt und es egal ist was sein wird wir wollen das leben das wir verachten mit liebe füllen wir wollen uns feiern lassen für ein leben das wir gestalten im hier und dabei ist es uns egal woher wir kommen und wohin wir gehen lebendig begraben in den tiefen der erde beginnen wir im augenblick nein wir sind dagegen den ihr seid dafür nein der glaube an das gute im menschen verdient ebenso beachtung und respekt wie der gottlose der unglaube an das schlechte lasst uns nach unserem verlorenen instinkten suchen wie nach dem gral sie finden ihnen vertrauen uns vertrauen um daran zu glauben unabhängige individuen zu sein denn dann besteht die hoffnung die verloren scheint nein wir werden uns zu wehr setzten mit der kraft und gewalt unserer körper der sprache der wörter mit jeder munition die wir finden können füllen wir das schrapnell mit all unserer geringschätzung und anteilnahme dem gegenüber was ist und werfen es auf die korruption und ungleichheit auf die die uns wie sklaven durch unsere leben treiben uns peitschen und drangsalieren uns unser lustvolles dahinvegetieren vorgeben unaufhörlich nicht nachgeben fordern und vergewaltigen uns in unsere löcher treiben verschließen uns hindern will sich eine eigene meinung zu bilden die nur für uns als einzigartige lebewesen ob niederer mensch oder gottgleiches tier gilt die ihr uns nicht zulasst aus angst vor dem verlust eurer scheinbaren macht mit der ihr euren reichtum an leben gierig verschlingt hortet vor uns verschließt aber wir sagen erneut nein und immer wieder so laut das unsere stimmbänder sich spannen wir heißer werden bis sie reisen vereint und hand in hand allein und ohne verstand gegen alle zäune wände und mauern rennen bis unsere köpfe bluten platzen wir taumeln fallen kriechen und trotzdem nicht aufgeben nach der ungerechtigkeit suchen um in der gerechtigkeit als freies radikal zu schwimmem nein das bestehende muss platz machen für das neue das neue muss weichen für das alte oben wird unten sein und keiner mehr da der uns daran hindert den wir sagen nein zu uns zum mensch zum tier zur pflanze und ja zum leben lasst uns leben wir wollen leben aber nicht so weitermachen wie bisher wir würdigen euch für das was ihr getan habt aber es reicht macht platz für jung und alt behindert und gesund für jeden gedanken der gedacht wird für jede verzweiflung wut freude und pures glück damit wir fliegen können hart landen auf weichen federn uns streicheln und kitzeln zum lachen zum weinen zum schreien verstummen mit geschlossenen mündern euch sagen es ist genug den nein die zeit ist abgelaufen und jetzt gebt uns das streichholz gebt uns das gas gebt es uns oder wir nehmen es uns wir sind bereit es beginnt wir stürmen mit wachem verstand und offenen augen auch wenn sie verschlossen sind von euch verklebt wir halten uns an den händen wir ballen sie zu fäusten wir öffnen unsere verschränkten arme und sagen nein den offene arme der gewaltigste protest den wir haben im heisskalten regen stehen wir blut überströmt gebt acht bevor noch einer hinfällt greift ihr unter die arme und beine am nacken an der schulter greift nach ihm und zieht sie hoch zu euch an eure seite an die seite der einzelgänger des verlorenen und einsamen und rennt los werdet schneller wütender und lacht dabei den hass aus euch heraus befreit euch aus der knechtschaft des muss des kann des so soll es sein denn es beginnt




Philipp Grimm

1984 geboren in Fulda, lebe in Dresden, von Beruf Schauspieler zurzeit am Staatsschauspiel Dresden engagiert Fern Studium Kreatives Schreiben an der „Schule des Schreibens“.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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