Anarchien

Philipp von Bose für #kkl36 „Anarchie“




Anarchien


gegen etwas sein

eigentlich doch für etwas,

für etwas verweilen.

alle schreien und wünschen sich freiheit

aber meine anarchie ist gegen ihre

und irgendwie noch freier.




Einkaufswagen / Grünstrich


erwartungen und aas!

augen als der seelenmotor, doch

optisch herrscht die grobmotorik, die beschränkt

durch felder zieht & schon beim ersten augenblick –

 das was suchend felder sticht,

 das was findet und benennt –

sich stumpfen hirns im grell verliert – im (augen)licht.

große, grüne, ganze gärten werden schnell im angesicht

zu einem fahlen hintergrund, am besten noch zum grünen strich,

 der (niemals frei) befreiend ist.

vor und unter, über, hinter schlecht lackiertem minusstahl.

ein wagen legt sich schändlich nieder ;

                                schwerbeton auf augenlieder.

das ziel der straße drängt sich auf:

 was folgt, wenn alles eingekauft?

 was, wenn alles wieder grün, organisch & nicht mehr berührt?

dann wird grün zum grau-ersatz.

der hinter- wird zum vordergrund.

was fliehend ist, normalisiert.

der sehnerv stumpft und stellt sich sein.

grobmotorik: vogelfrei




Kultur Jetzt

entfernt vom stamm,

dem ewigen in ewigkeit

so sommerlich, nur wechselhaftes

wesensnah – verweltlichung

so wässrig, dünn: ist alles

doch vom wert entfernt

entfernt vom stamm,

heimatlos in flüssen

treiben…flüsse, die

die menschen zählen

und alle gleich

zum graben führen:

von jedem halt doch weit entfernt.

entfernt vom stamm /

erlöserbild…löslich löst

sich (die) lösung auf.

kein ziel mehr in symbol

& kunst…kein ziel mehr

bloß veränderung.




Trans-Wahrheit


keine fakten, kein geschlecht

sind euch für euren namen recht.

recht & rechtliches entlarvt:

die freie sprache uns entzogen

wer nicht nutzt die pro-pronomen,

wird linkisch, rechtlich hart bestraft!

erziehung ist nun genderlos

& selbstmordraten viel zu hoch!

was sind denn frau und mann nochmal?

kinder wissen kaum woher

& schon ist ihr geschlecht nicht mehr!

pillendrang und messerstahl

euch ist doch das kind egal!




Heutzutage


uns wird gesagt:

„wähle dich zuerst!

gib acht und sei ein ideal,

ein gott, den du verliebt verehrst!“

idealistisch ist der lärm,

der dann in schweigen übergeht.

toleranz als überwurf, als gottloser moral-entwurf,

der sich stück für stück

im eigenen komfort verstrickt

offenheit als folge

jener eigenen verlorenheit…

sie trügt; man ist nicht interessiert,

an dem, was nicht für einen spricht

wie gut es doch den meisten geht…

und der kampfeswille:

wenn vorhanden…

deplatziert.




Voyeure


morast: dickicht aus geplatzter

zeit hier und da

                             nicht

von belang

                             nicht

besehen / keine rahmen

                sollen zeichnen was

kontextlos

die augen quält nur

manche herzen können sehen

                         (-ohne nebel -)

dass dort ein echter mensch

noch lebt

was wär dann euer brot & spiel




Jede zweite


es fehlt die zeit […] zu fühlen –                                                  Beliebigkeit

nur nicht an die reste denken                                                    

lieber graue […] spürn                                                              *treue, schmerz, etwas, taten,

                                                                                                     neues, alles, therapie, köpfe, winter,

„was sagt der künstler wohl danach?                                          einfachheit, fingerspiel,

                                                                                                     gelenkter blick,    

wird er über […] sprechen?“                                                       gedanke, intelligenz, arbeit,

                                                                                                     verschwendung, lebenszeit,

kalendersprüche neben großen […] –                                          zufall, etc.

verwechslung und […]

setzt ruhig eure wörter ein

dies ist nur ein […]

unbedeutend ist der blick





Philipp von Bose, geboren am 30.03.1999 in München und wohnhaft in Zorneding.

Dort lebt er und widmet sich der Sprache und ihren Feinheiten. Ganz besonders interessieren ihn dabei philosophische Konzepte und psychologische Archetypen.

Herr von Bose tat weiterhin auch einige andere Veröffentlichungen („Obskura“, „Edition Federleicht Schreibtisch“, „FreiVers“ und andere digitale Plattformen)

Aktuell arbeitet er als Kinderpfleger, doch verfolgt die schriftstellerische Unabhängigkeit.

Interview für den #kkl-Kanal HIER






Über #kkl HIER

Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

Hinterlasse einen Kommentar