Renegald Gruwe für #kkl37 „Präsenz“
Der Lastwagenfahrer
Schon wieder klingelte so eine Verrückte an der Tür von Slodowik.
Das war schon das dritte Mal in dieser Woche.
Immer schrien diese irren Frauen wie von Sinnen: „Elvis ich liebe dich! Elvis ich will ein Kind von dir! Elvis ich sterbe, wenn du nicht mit mir schläfst!“
Manche zogen sich auf dem Rasen vor seinem Haus bis auf die Schlüpfer aus und wirbelten ihre Büstenhalter und schleuderten sie auf die Terrasse von Slodowiks Haus. Dort lagen wohl schon an der hundert oder mehr Büstenhalter.
Die Polizei hatte einen Streifenwagen vor dem Grundstück von Slodowik postiert. Aber die fanatischen Damen waren so schnell, dass die Polizisten gar nicht eingreifen konnten. Ihnen blieb nur die nach ihren Aktionen oft in Tränen aufgelösten Damen einzusammeln und zum Revier zu begleiten.
Dabei war Slodiwik nur ein Lastwagenfahrer. Er war kein Rockstar oder einer der von der Kinoleinwand herunter die Herzen der Frauen brach.
Ein Polizeibeamter, der zur Sicherheit von Slodowik abgestellt war, machte auf das Namensschild an der Gartenpforte zu Slodowiks Haus aufmerksam.
Elvis Aaron Slodowik.
Slodowik und nicht Presley.
Das Schild und das Slodowik Lastwagenfahrer war musste sich herumgesprochen haben und nun glaubten die Fans des King of Rock n Roll das er gar nicht tot war und in der Kastanienstraße lebte.
Angefeuert durch Nachrichten auf den sozialen Medien versammelten sich zeitweise hunderte junge und auch ältere weibliche Fans des Rock n Roll Stars vor dem Haus von Slodiwik.
Dabei sah Slodowik nicht annähernd aus wie Elvis Presley.
Slodowik war klein und dick und hatte eine beinahe Glatze.
Er trug nicht mal Koteletten.
Elvis Slodowik gab seinen Eltern die Schuld an dieser Situation.
Der Vater und die Mutter, glühende Fans von Elvis Presley, gaben ihrem erstgeborenem Sohn die Vornamen des King.
Eine Namensänderung war nicht möglich. Man konnte nur seinen Nachnamen ändern und nicht seinen Vornamen.
Aber auch das hätte nichts an der gegenwärtigen Situation geändert.
Weiterhin wurden vor Slodowiks Tür Erdnussbuttersandwiches mit gerösteten Bananen abgelegt.
Irgendwann ging Elvis gar nicht mehr aus dem Haus. Er lebte hinter zugezogenen Gardinen. Bald schon verlor Slodowik seine Arbeit.
Kein Geld, kein Essen und nach drei Wochen war Elvis Aaron Slodowik gestorben.
„Der King ist tot!“, machte die Nachricht in Windeseile die Runde unter den vor dem Haus wartenden Verehrerinnen. Und auch die sozialen Netzwerke verkündeten Elvis Ableben.
Nun wurden Kerzen angezündet und Trauerbilder hinterlegt.
Nach und nach leerte sich der Vorgarten von Slodowik und auch die Nachrichten ebbten langsam ab.
Nach weiteren drei Wochen sprach niemand mehr vom King, der in der Kastanienallee gelebt hatte und der einmal ein Lastwagenfahrer gewesen war.
Dafür versammelte sich in der Kirschenallee, nur drei Straßen weiter eine Fangemeinde vor dem Haus Nr.10.
Der King of Pop, hieß es, wäre noch am Leben und bereitete ein neues Album vor.
Gesehen hatte den Star noch niemand. Aber schon versammelten sich Fans und legten Kuscheltiere auf die Treppe vor das Haus und sangen im Chor: „I am bad, i am Bad!“
Renegald Gruwe lebt in Berlin als Musiker, Zeichner und
Schriftsteller. Über das Verfassen von Liedtexten kam er zum Schreiben von
Belletristik.
Geboren in Berlin lebt der Autor in und mit der Stadt. „Irgendwann habe ich
begriffen, dass es keinen Sinn macht mich mit diesem Steinhaufen anzulegen. So
verschmolz ich mit allem, was Berlin an Gutem und Schlechtem hervorgebracht
hat.“ Seine Lebensmaxime lautet „Augen und Ohren auf und durch“ und ist
gleichzeitig Motivation seiner literarischen Arbeit.
Zu dieser Arbeit zählen Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten.
Außerdem schreibt Renegald Gruwe seit geraumer Zeit Kindertheaterstücke.
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