Ohne Happy End_Zyklus

Eileen Mägel für #kkl37 „Präsenz“




Ohne Happy End_Zyklus

I.

Durch das Autofensterviereck sehe ich zum letzten Mal deinen Blick.

Du hattest Dich hinunterbeugen müssen dafür.

Der hingeworfene Kuss.

Den Du gefangen hattest.

Dann peitsche ich den Wagen durch die Stadt.

Der Schmerz bohrt. 


Pause!

Hatten wir gewollt.

Hatte ich gewollt?

Nach heimlichen Monaten

waren wir am Ende

mit unserem Latein.

Keine Kraft mehr für ein Zwischenleben

zwischen meinem

und deinem.


Ein ganzes Land liegt zwischen uns

und deine Ehe

und meine Zweifel.

Wie es gehen kann.

Ob es reichen wird.

Ob das Netz hält.


„Ein Ring in Ewigkeit.

Ein Mensch der immer bleibt.

Wovor haben wir nur so viel Angst?“,

fragt der Sänger.

Und wir antworten:

Vor unserer Erfahrung.


Jetzt gehst du zurück in dein Leben

und ich in meines.

Und der Schmerz bohrt.

Den Zweifel auf.

Aus der Ferne.

Keine Nähe mehr. Keine Treffen mehr.

Bis klar ist, was es war. Oder wird.


Dabei ist es immer da gewesen.

Das Band.

Jahrzehnte.

Die wir uns kannten.

Schon als Kinder.

Meist aus der Ferne.

Du in deinem Leben.

Ich in meinem.


Als dein Leben zerfiel.

Begann ich dich zu suchen.

Es gibt keinen Zufall.

Es war so leicht zu beginnen.

Das Zwischenleben zwischen deinem und meinem.

Gefühle wie Schmetterlinge.


Wenn wir uns trafen, verging die Zeit nicht mehr.

Auch die Zweifel nicht, die stärker wurden.

La vie est une fleuve tranquile.

Etait!

Ein paar Stunden, in Monaten.

FreiTage die uns gehörten.

In Hotelbetten und fremden Städten.

An vertrauter Haut.

In grünen Augen.

Ohne wirklich Teil zu sein.

Von deinem Leben.

Von meinem Leben.


Phantome einer Zwischenwelt.

Aber nie real.

Der Schmerz bohrt, wenn wir uns loslassen.

Der Schmetterling ist fort.

Er mag die Schwere nicht.


Sieben gestohlene Tage im Sommer.

In einem fremden Land.

Und die Gewissheit.

Dass es nicht gehen kann.

So.


Ein letzter Abend.

In der Wiese am Fluss.

So kann kein letztes Mal sein.

Pausen beenden den Schmerz nicht.

Pausen beginnen das Ende.



II.

Domino

aus Hirngespinsten.

Gestapeltes Hirngebirge

aus Stunden mit Dir.

Bis Du Dich raus ziehst

Und mein Leben

wie ein Kartenhaus

zusammenfällt. 



III.

Um stark zu sein

ziehe ich mir

mein Fell über die Ohren.

Damit Du nicht siehst

und ich nicht höre

wie ich aus allen Wolken falle



IV.

Auf dem Silbertablett

Deiner Gesundheit

Hast Du meine Liebe abserviert.

Jetzt erlaubst Du Dir

mich nur noch tröpfchenweise

In homöopathischen Dosen

Ach, hör doch auf,

Wenn es am schönsten ist.



V.

Natürlich

Kommst Du zurück,

mit dem Spatz an der Hand

weil die Taube

noch immer aus der Ferne gurrt.




Eileen Mägel

  • geb. in Radeberg bei Dresden
  • Studium der Romanischen Sprachen und Literatur in Greifswald und Clermont-Ferrand (Frankreich) sowie der Kommunikationspsychologie in Dresden
  • Langjährige Tätigkeit als Pressesprecherin und Moderatorin
  • lebt, arbeitet und schreibt derzeit (meistens) in Dresden,




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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

2 Kommentare zu „Ohne Happy End_Zyklus

  1. Ein Reisebegleiter

    Das Leben war ein ruhiger Fluss – so die treffende Metapher. Das lyrische Ich wankt mit den Wellen und weiß nicht, wohin der Fluss fließt, genauso wenig wie der Leser. Was das Gedicht vorantreibt und die Spannung aufrecht erhält.

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