Wo auch immer ich bin

Hendrik Janßen für #kkl37 „Präsenz“




Wo auch immer ich bin


Ich vergesse nicht, ich kann nur nicht,

 nicht mehr oder nicht besser,

ich kann nur versprechen, da zu sein,

wenn du mich brauchst und mein Versprechen halten.

Ich kann vor Ort sein,

könnte ich mich teilen,

mein Körper hält die Spannung aus,

zerrissen bin ich nicht,

nur durcheinander.

Mein Herz schlägt mit euch allen mit.


Wen würdest du anrufen,

wenn es hart auf hart auf hart kommt,

 wem würdest du vertrauen,

dich sicher zu halten,

 in den Armen wie im Herzen?


Die meisten von euch

kenne ich kaum mehr,

ihr ruft nicht zu mir,

denn ihr habt Menschen,

die euch schätzen,

kennen

und lieben

 und halten,

besser als ich es je könnte;

kenne ich euch noch so gut.


Ich liebte euch im Leben lang,

sodass es doch fürs Leben langt.


Wenn ich euch höre,

Stimmen echon bis zu mir,

dann vernichte ich,

was ich nun nicht mehr hab,

liebe, was da noch geblieben ist.

Das Lachen, euer warmer Blick,

ein Windlicht im Sturme der Erinnerung.

Fiktion und Faszination,

verblendet euch

mit allem, was noch war,

was ist,

ein Versprechen,

eine Sehnsucht


Ihr alle,

ich denke stets an viele,

wenn auch immer an die Einzelnen,

sollt hören können.

Ich lieb euch immer noch.


Wir haben uns aus dem Sinn verloren,

 und dann auch aus den Augen.

Doch die Sinne suchen stetig noch,

entlang sanfter Sinfonie,

sie finden kleinste Sonne grüner Strahlen,

die hoffen lassen,

auf ein Wiedersehen.


Ihr alle nun, ihr gabet mir,

eure Präsenz mit in mein Leben,

 und steh ich nun, im Bette quer,

so soll es mehr noch geben.

Eure Tränen trocknen viele Jahre spät

nun echt, sie liefen,

immer wieder,

zum Glück nur nicht in Eurem Jetzt,

 auf dass dies nicht

ein kleines Sorry,

flüsternd in die Luft geblasen

in Landesteile nur verweht,

sondern tiefe Anerkennung,

Dankbarkeit und Gebenslust,

die sich in jedem Sturm versteckt.


Scheut nicht, dem Sturm nicht,

noch dem Bleiben,

rennt nicht davon, vor jeder Stund.

Nehmt Zeit und dreht euch,

sucht was bleibt.

Ein Echo aus dem Wald

ruft tränenstarken Regen übers ganze Land.

Ein Echo aus dem Wald

 ruft bittersüßen Duft empor.


Ihr habt mir genug gegeben,

nun ist Zeit,

gekommen und verblieben,

die Versprechen,

eins gesprochen ohne je zu wissen,

zu halten,

zu halten euch,

in Ewigkeit.




Hendrik Janßen, Jahrgang 2000, studiert Philosophie und Filmwissenschaft in Jena. Für den Young Storyteller Award 2022 veröffentlichte er den lyrischen Kurzgeschichten Band “Die wiedergefundene Melancholie”. In seinen Gedichten und Erzählungen hallen die Sehnsucht nach Freiheit und die Suche nach Halt in der unzugänglichen Welt wider, die das Leben der Zwanziger dominieren.





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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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