Das Präsent für dich, die im…

Johanna Gebetsroithner für #kkl37 „Präsenz“




Das Präsent für dich, die im (länger oder kürzer interpretierten) Präsens für mich Präsenz hat:

Das größte Präsent der modernen Zeit, das man einer Person, die für mich persönlich Präsenz hat und sich meine Präsenz wünscht, machen kann, ist es wohl, präsent zu sein im Hier und Jetzt, im Präsens. Was als Präsens, als der Moment zählt, mag abhängig sein vom eigenen Empfinden, von der eigenen gesetzten Zeitspanne, die das Präsens, das im Moment präsent sein, umschließt, jedoch mag es auch abhängig sein von der Sprache oder den Sprachen, in der/in denen eine Person sozialisiert wurde oder sich gerade bewegt. 

In diesem Moment, im Präsens, bin ich auf den Balearischen Inseln in Spanien präsent, einer Region, deren Präsens und Präsenz von Multi- und Bilingualität geprägt ist. Neben Sprachen wie Arabisch, Englisch, Deutsch, Bulgarisch und vielen weiteren findet hier Bildung (momentan – im Präsens) zweisprachig statt: auf Spanisch und Katalanisch. Auf beiden Sprachen gibt es das Präsens, das sich auf das Hier und Jetzt bezieht, das Tun und Handeln in dem Raum, in dem man jetzt gerade präsent ist, aber auch eine Zeit, das pretérito perfecto, welche für eine Zeitspanne verwendet wird, die noch nicht abgeschlossen ist, einen Bezug zum jetzigen Moment hat. Es wirkt fast so, als würde man das Präsens ausdehnen wollen, länger, größer, greifbarer, zugänglicher machen – vielleicht ist auch das als Präsent zu interpretieren. Diese Zeit verwendet man im Präsens, wenn die Zeitspanne, in der die beschriebene Aktion stattgefunden hat, noch einen Bezug zur Gegenwart hat, noch nicht endgültig vorbei ist. Lesen Sie den vorherigen Satz noch einmal – mit viel Präsenz und Aufmerksamkeit auf diesen Moment des Lesens – auf das Präsens! Im Deutschen würde ich sagen, ich habe heute einen Kaffee getrunken, wenn ich jetzt in diesem Moment nicht mehr daran geräuschvoll schlürfe. Anders jedoch im Katalanischen und Spanischen. Hier dehne ich das Momentum des Präsens aus. Da der Kaffee noch heute, am selben Tag, an dem ich berichte, verzehrt wurde, verwende ich eine Zeit die mit dem Hilfsverb haber gebildet wird: he bebido/he begut – ganz gleich ob das Koffein noch direkte Auswirkungen auf meine Präsenz im Hier und Jetzt hat. 

Denke ich in diesen Sprachen, so empfinde ich die Situation als nicht eindeutig trennbar von meiner Präsenz im Präsens. Das Präsens bläst sich auf, dehnt und weitet sich aus, erstreckt sich über längere Zeiträume. Was jedoch ist das kostbarere Präsent? Die Präsenz auf das Präsens als kurzer oder länger erstreckter Moment?




Johanna Gebetsroithner wurde 1999 in OÖ geboren, lebt und arbeitet als Sprachassistentin an zwei öffentlichen Schulen auf Mallorca und unterrichtet zusätzlich Deutsch als Zweitsprache online. Sie studiert (im Master) Lehramt UF Spanisch UF Geographie und wirtschaftliche Bildung und das UF Deutsch.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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