Astrid Kohlmeier für #kkl37 „Präsenz“
Phantomerlebnis
Amputiert sind nun die Schwingen meiner Seele
Die deine Gegenwart hat wachsen lassen
Geblieben sind mir einzig eine goldene Feder
Und zwei gezackte Narben auf dem wunden Rücken
Versiegt ist auch der sanfte Strom
Der mein Boot in zarten Vollmondnächten zu dir getragen hat
Ausgetrocknet ist das karge Flussbett
An dem ich niederknie und Tag für Tag um Regen bete
Meine Flügel und meine Tränenquelle
Sind nun in einer fernen Zwischenwelt
In der du fortlebst ohne mich
Ich aber spüre dich noch und wie du fehlst
Ohne dich
Wir beide sind zu Ende
Und ich beginne neu
Werde unversehens ganz
Und ohne dich
Ich denke und nicht um dich herum
Oder zärtlich wie du sagst
Ich laufe ohne deine Hand
Und sehe ohne deine Augen
Ich stille meinen Durst ohne deinen Mund
Und singe ohne deine Melodie
Nachts kehre ich heim ohne dein Licht
Schlafe ohne deinen Atem ein
Ich träume und nicht mehr von dir
Ich erwache friedlich
Und halt‘ mich selbst im Arm
Astrid Kohlmeier
1983 in Graz (Österreich) geboren, studierte Germanistik an der Karl-Franzens-Universität Graz und der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Sie schreibt Lyrik, Prosa und Theatertexte (Per H. Lauke Verlag Hamburg) und erhielt 2012 das Österreichische Staatsstipendium für Literatur. Ihre Texte wurden in Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht und ihre Theaterstücke wurden in Deutschland, der Schweiz und Luxemburg aufgeführt. Astrid Kohlmeier lebt und arbeitet in Graz.
Bücher:
Vom Roman zum Theatertext. Eine vergleichende Studie am Beispiel der „Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang Goethe. Saarbrücken: VDM 2010. 228 Seiten. ISBN 978-3-639-27649-7.
Flüstere mir mein Meer glatt. Gedichte. Hrsg. von Herbert Arlt. Wien: INST Verlag 2015. 131 Seiten. ISBN 978-3-902899-22-4.
Zärtliche Risse. Gedichte. Wolfsberg: der wolf verlag 2023. 112 Seiten. ISBN 978-3-903354-47-0.
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