Christina von Lossow für #kkl38 „Momentum“
U-Bahn Lindauer Allee
Alles ist viel zu hell.
Draußen, auf den winterkalten Straßen,
hängen sie Plakate auf für Kinofilme
und gehen zur Kirche und machen Licht
in den Küchen, wiegen Kinder in den Schlaf,
in den Städten der unwissenden Mütter,
inmitten vom tiefblauen Rest der Welt.
In einer besseren Welt gibt es diese Angst nicht.
Angst vor dem, was ich verpasst habe zu sehen
Was es jenseits dieser Stadt gibt und ich habe doch
so wenig Zeit. Ein sinnloses Leben,
in der Spieluhr aufgezogen.
Transparente basteln, bekannte Melodien nachsingen,
wärmere Schuhe tragen,
was man sich kaum getraut hat zu hoffen.
Das was unverstanden bleibt verschweigen.
Andere stützen sich auf deine Hände,
andere schubsen dich, drängen,
man ist im Schnee ausgesetzt oder
an falschen Bahnsteigen stehen gelassen.
Man ist überall und nirgends
und man ist wütend, auf die alle.
Man hat genug gesehen.
Es ist 20 Uhr und draußen regnet es.
Die Menschen drängen sich in Linienbusse,
Haltestellen, Straßenbahnen, mit regendurchnässten
Jacken und feuchten Socken in den Schuhen,
sie ärgern sich, in der Mitte unserer Welt.
Bald kommen sie alle nach Hause.
Heute lernen sie nichts mehr.
Man kann die Welt eben doch
nicht alleine ertragen.
Andere, in anderen Wohnungen,
zählen aus ihren Fenstern auch Laternen ab,
haben andere Bilder von den Wänden
in die Erinnerungen eingebrannt.
Sie wissen auch nichts, was ich
nicht weiß, das glaub ich nur immer,
das rede ich mir so gerne ein.
„Ich heiße Christina von Lossow, bin 23 Jahre alt und noch Schülerin. Mein Traum ist es, einmal einen Jugendroman zu veröffentlichen.“
Über #kkl HIER
