Ein winziger Haufen

Ellipse für #kkl38 „Momentum“





Ein winziger Haufen


Augen voll mit Trübheit,
null Klarsicht,
Fenster dicht,
ungelebte Zeit verschneit.

Es rieselt der Regen,
Finsternis ist gewesen,
bleibst gefesselt stehen,
betäubt vom Weitergehen.

Durcheinander vom Denken,
Zeit verschenken,
um Gefühltes abzulenken
und Geschehenes einzurenken.

Pfeifender Wind,
Nebelbahnen schweifen geschwind,
Lippen taub,
Ohren so laut wie Staub.

In Erinnerungen eingebunden,
Körperseelen verschwunden,
bleibst beim Verneinen
und endlosem Verneigen.

Betrogen vom Leben,
zeigt sich dein Erdbeben,
lebst unter der Erde versunken,
Dir fehlt der eine Funken.

Blickend ins rosarote Grün,
fängst du an zu blühen,
kurzer Atemrausch,
gegossener Regentausch.

Blick nach hinten,
in die kristallgefrorene Fensterbänke,
gefesselt in den Labyrinthen
und steifgewordenen Gelenke.

Blick nach vorne,
von Angst umhüllt,
gerade mal so gewillt,
einen Schritt zu gehen,
um Dich wieder umzudrehen.

Blick zu Dir,
stehst hier
wie wild spielendes Klavier
merkst,
Du bist der Stier.

Ziehst dir selbst an
Dein Kleid,
bist voller Neid
und weißt,
nur du beißt dir
in offene Wunden,
die sind noch nie
von alleine verschwunden.

Ein Blick in mein Auge,
und ich sauge
grün umrandete Mauern ein,
die ganz klein
im anderem verschwinden
und ihren Weg
als freie Leuchtblumen
nach oben finden.

Trübheit wird zu Klarheit,
Feigheit zu Furchtlosigkeit,
vor mir schneit’s,
ich bin bereits
gegangen,
in die unendlich vielen Schlangen.

Muss mich selbst frei schaufeln,
nicht mehr wegzulaufen,
mich in diesem Moment taufen
um mich endlich draußen
zu zeigen,
genauso wie Zitronen auf meiner Zunge zerlaufen
und meine Atemzüge schließlich verschnaufen;
alles zusammengefasst in einem winzigen Haufen.




Elisa Güth, Jahrgang 94, schreibt seit ihrer Jugend Kurzprosa, Kurzgeschichten und Gedichte. Die staatlich anerkannte Sozialpädagogin lebt mit ihren zwei Kindern im Westerwald. Der Fokus ihrer Arbeit liegt unter anderem in den Traumata und in der Psyche von jungen Müttern. Das Pseudonym Ellipse bringt den kurzen und knappen Schreibstil der jungen Schriftstellerin zum Ausdruck. Eines ihrer Ideologie ist: „wir sind alle nur ein Haufen voller unendlich vieler Entscheidungen!“







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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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