Letzter Akt

Helmut Blepp für #kkl38 „Momentum“




Letzter Akt


Wärme ist kein Heim Geborgenheit befällt

Öfen glühen ohne Thermostat unter

pfeifendem Dach noch einmal La Paloma rühr

mein Herz fass mich nicht an du Krüppelfinger so

schmerzhaft alte Haut das kehrt nicht zurück in

Zwietracht behütet die wühlende Hand im

finalen Schritt vor dem Sturz in Albträume von

keifenden Müttern in verdorrenden Wiesen zurück

zu dir die Wohltat gestempelt und abgelegt offen

kundig in Laken paraphiert ohne Reue die Feder

im Hals Kaminflattern die Ahnung 

wird pochen und pulsieren Weh und Ach mit

Hecheln und Zucken schlecht durchlüftet Brennen

in der Brust den Augen der Harnröhre dem

notdürftigen Schoß gottverlassene Einöd jeder

für sich die Pfützen verstaubt Wuseln im Schatten den

wir einander spenden obwohl nichts zu geben ist nichts

zu gönnen nur zu halten die Taube in der Hand ruhig

in Todesangst an ihrer Brust dein Ohr neben

dem meinen taktvoll dieses Requiem




Statisten


Wir alle haben ihn verehrt bei den Proben

als wir im Chor seine Wahrheiten sangen

während er das Zepter schwang als Herrscher

über uns Verrückte mit den ewigen Wahrheiten

die wir aus Reclam-Heften zogen


Natürlich war ich in die Corday verliebt

diese Kunstlehrerin im Volontariat

mit ihrem Versprechen unter knöchellangen Röcken

aus denen sie beidhändig den Dolch zog

bei dessen Erscheinen mein Schritt verkrampfte


Jede Revolution lebt von ihren Opfern

ob aufgequollen in blutigem Badewasser

oder notwendig dem Wahnsinn verordnet

und jeder Narrenführer gebiert neue Narren

die seine Gräuel auf Anhieb besingen


Wir waren nicht besser in unseren Kutten

mit unseren Papierhütchen und Eselsköpfen

zu ihm allein schauten wir auf

während sie ihr Opfer zelebrierte

immer und immer wieder




Leichtigkeit


Inseln sind Einladungen

für meine Flügel


Wenn ich will

gibt es nur Meer


Die Sonne im Gefieder

wogende Felder dort unten


Wenn wir einander begegnen

dann im Aufwind


Unser Schrei stürzt herab

während wir noch schweben




Nachtschwärmer


Schnelle Küsse an Bushaltestellen

Herzschläge in die Magengrube

ein böses Wort pro Zunge

Phrasen um die Ohren


Kamikaze-Tauben im Anflug

verkackte Brillengläser

Augen zu und durch den Wind

der Schlabberhosen bläht


Fasst euch an den Händen

und verteilt Lippengrüße

an jedes birnweiche Knie

als wärmende Herberge


Wo kommen wir nur her

so wach aus der Nacht

die Köpfe gespreizt

im Dieselgestank


Arsch an Arsch auf der Bank

alle eins und allein

sitzengeblieben und wund

nach diesem Fest


Nimm sie doch mit

pöbeln wir den Fahrer an

und er fragt nicht wen

sondern wohin


Dieser Nacht drohen öde Betten

und Träume von Monatskarten

mit der gekühlten Stirn

am vibrierenden Glas


Warum aussteigen und wozu

wir werden ganz Leerlauf

und schwänzen den Tag

hinter getönten Scheiben




Helmut Blepp *1959 in Mannheim, Studium Germanistik und Politische Wissenschaften, selbständig als Trainer und Berater für arbeitsrechtliche Fragen; lebt mit seiner Frau in Lampertheim an der hessischen Bergstraße; Veröffentlichungen: vier Gedichtbände; zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien; hblepp@aol.com







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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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