Thomas Schneider fürt #kkl38 „Momentum“
EILE MIT WEILE
Eile mit Weile
Drei Wörter nur eine Zeile
Also verweil dann
das wäre heilsam
Von der Eile befreit
schenkt sich uns Zeit
und wir betreten
verwundert
einen Rosengarten
in fernem Jahrhundert
Ob wir hier beten
oder nicht
Wir heben die Hände zum Licht
Wir lernen warten
REGEN AUF DER SS16
Regen prasselt auf die Windschutzscheibe
Unterwegs zu sein – die einzige Bleibe
HÜGEL DIE FLIESSEN
Unsere Hügel fliessen
im Dauerregen und Nebel davon
Wir müssen
heute im Garten
die Astern nicht giessen
An einem andern Ort – im Norden
wo die Archive Schiffsmeldungen horten
harren sie und warten
ein Kapitän und ein Lotse auf den gleichen Ton
Jetzt drücken beide aufs Nebelhorn
SCHMETTERLING
Seit wann weiss ich’s?
Manchmal setze ich mich
ein Schmetterling
auf die eigenen Fingerspitzen
jederzeit bereit
von den Blüten-
kelchen meiner Hände
wieder wegzufliegen
Thomas Schneider
1951 in Basel geboren. Fünfeinhalb Monate Gefängnis wegen Militärdienstverweigerung, drei Jahre Studium der Germanistik, dann Medizinstudium und Stattsexamen, Tätigkeit in verschiedenen Spitälern (davon drei Jahre am Universitätsspital Basel) bis zum Facharztdiplom in Innerer Medizin, ein Jahr lang ärztlicher Delegationsleiter der IKRK-Mission in Uganda, drei Jahre Oberarzt in einer Reha-Klinik für Querschnittpatienten und Hirnverletzte, achtundzwanzig Jahre eigene Hausarztpraxis. Aktuell Hausarzt im Teilruhestand.-
Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Zeitungen von 1975 bis 1997, unter anderem in drehpunkt, spektrum und manuskripte (ein Mal, Nr. 116/92), in der Stuttgarter und Basler Zeitung, in Anthologien unter anderem in «Kutsch» Literatur aus der Schweiz, herausgegeben von Heinz F. Schafroth und Egon Ammann (1983). Radiosendungen, Einladung an Solothurner Literaturtage, Förderbeitrag des Kantons Basel-Stadt 1984 mit Unterstützung einer Publikation («Geh mit dem Eichhörnchen»). Berufs- und familiär bedingt längere Schreibpause. Aktuelle Veröffentlichungen in «orte» (3/21), «Landstrich» (Ausgabe 2022), «Der Schreiberling» Nr. 2 (Herbst 2023) und «DAS GEDICHT» Nr. 31 (Jahresende 2023).
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