Philipp Létranger für #kkl39 „Hinter der Zeit“
Ich habe vergessen, mich aufzurütteln
Weit weg vom Knirschen und Knacken
im Eis der Pole brechen Schollen
in der Schale der Zeit.
Von der kommenden Nacht zu reden
ist sinnlos. Nacht ist keine Metapher mehr.
Zu sagen, die Tage stopfen sich
Licht in die Ohren, bleibt
leer.
Vom Himmel fällt nichts,
die Worte sind welk, Erinnerungen
werden umgeschrieben.
Am Ende bleibt
Sehnsucht
nach Schnee.
As time goes by
In Träumen flanieren Gesichter,
weigern sich zu gehen; nur Stunden,
sagen sie, vergehen nicht.
Du sagst Vergangenheit
und meinst Versagen, Verlust,
dies Vegetieren, Atmen, Schweigen
in geliehener Sprache.
So viele Küsse
aufgespart
fürs Leben.
Philipp Létranger
Philipp Létranger, geboren 1956 im Bayerischen Wald, aufgewachsen in Stuttgart, lebt seit 1975 in München.
Im Jahr 2022 war er Preisträger für Lyrik beim Hildesheimer Literaturwettbewerb und beim Literaturwettbewerb »Kärnten wortwörtlich«, 2023 erhielt der den Jurypreis für Lyrik und Prosa beim Literaturwettbewerb der Gruppe 48.
Im Dezember 2022 erschien sein Buch „zwischen die Kriege geworfen“ in der Reihe EoF.
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